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Max Planck Forschungsgruppe

Modellentwicklung zur Evolution des Alterns

Ausführliche Beschreibung

© iStockphoto.com/Wild Roses Images

Vor mehr als 50 Jahren wurden die Theorien zur Evolution des Alterns entwickelt. Diesen Theorien nach sollte die Mortalität (das Sterberisiko in einem bestimmten Alter) unaufhaltsam steigen und die Fertilität (die alterspezifische Geburtenrate) sinken, nachdem ein Organismus das fortpflanzungsfähige Alter erreicht hat. Das gelte für alle Vielzeller, die mehrere Reproduktionszyklen haben können.

Offensichtlich gibt es aber eine Reihe von Pflanzen- und Tierarten, bei denen klassische Erklärungsansätze zu kurz greifen. Für manche Arten, wie die Kalifornische Gopherschildkröte (Gopherus agassizii), liegen die Dinge genau andersherum, als es die Theorie vorhersagt: Während ihrer Erwachsenenzeit sinkt die Mortalität und die Fertilität steigt an. Auch der Süßwasserpolyp Hydra trotzt der Theorie: junge und alte Exemplaren unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Fertilität und Mortalität nicht.

Jahrzehntelang blieb es unbeachtet, dass die klassische Theorie bestimmte Alterungsmuster nicht erklärt. Unsere Max-Planck-Forschungsgruppe arbeitet jetzt an einer Erweiterung der Theorie. Dabei ist es zunächst notwendig, sich einen umfassenden Überblick über Alterungsmuster zu verschaffen, die in der Natur vorkommen: Wie altern Arten aus verschiedensten Gattungen, welche Arten altern und welche nicht, wie schnell und wie stark altern sie und wie lang ist Ihre Lebensspanne?

Unsere Forschung gliedert sich in zwei Kernbereiche,  welche theoretische bzw. empirische Ansätze verfolgen. Im Rahmen des Erstgenannten entwickeln wir theoretische Modelle und nehmen klassische Theorien zur Evolution des Alterns unter die Lupe. Im empirischen Kernbereich arbeiten wir eng mit dem Arbeitsbereich für Evolutionäre Biodemografie zusammen, da wir einen Überblick über Alterungsmuster von möglichst vielen Tier- und Pflanzenarten sowohl unter kontrollierten als auch unter natürlichen Bedingungen erarbeiten wollen, was nur mit Hilfe umfangreicher Kollaborationen zu  erreichen ist.  

Forschung in beiden Kernbereichen wird strukturiert und unterstützt durch eine Projekt, in dem wir einen neuen theoretischen Rahmen entwickeln, gebildet durch die Konzepte von pace (Tempo) und shape (Form) der Alterung. Die Unterscheidung zwischen pace und shape ist wichtig, um auf der einen Seite zu erfassen, wie lang ein Organismus lebt (pace), und um auf der anderen Seite zu sehen, wie stark er sich im Laufe seines Lebens verändert (shape, im weitesten Sinne) –  egal ob seine Lebensspanne in Tagen, Wochen, Jahren oder Jahrhunderten gezählt wird.

Unsere Forschungsgruppe verwendet Methoden und Lösungsansätze aus den verschiedensten Bereichen und Disziplinen, von der Biologie über die Mathematik bis hin zur Demografie. 

 

Weiterführende Informationen

Aktuelle Pressemitteilung der Max-Planck-Forschungsgruppe

Populations-Biologie: Methusalem kontra Eintagsfliege (15.02.2011)

 

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