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Arbeitsbereich

Ökonomische und Soziale Demografie

Ausführliche Beschreibung

© Ursula Deja / Fotolia.de

Der Arbeitsbereich Ökonomische und Soziale Demografie befasst sich mit demografischen Verhaltensweisen aus sozialwissenschaftlicher Sicht. Ein fachübergreifender Blickwinkel der Soziologie, Demografie und Ökonomie wird eingenommen, um die Ursachen und Konsequenzen niedriger Fertilität und des Wandels von Partnerschaftsverläufen zu verstehen. Auch geht es darum zu untersuchen, wie der menschliche Lebenslauf durch den verzögerten Eintritt in das Erwachsenenalter und den Anstieg in der Lebenserwartung beeinflusst worden ist. Dabei steht die Entwicklung neuer demografischer Modelle und Methoden ebenso im Vordergrund wie die Fundierung der Analysen durch innovative Theorien und verlässliche Daten.

Fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Ländern, deren Geburtenraten unter dem Bestandserhaltungsniveau liegen. Eine große Bandbreite an Ländern, von Japan bis Quebec, Italien und Deutschland, verzeichnet eine sehr niedrige Fertilität, d.h. in diesen Regionen sind die periodenspezifischen Geburtenziffern unter 1,5 Kindern pro Frau gefallen. Die wichtigste demografische – und in manchen Fällen auch gesellschaftliche – Frage für diese Länder ist ob, und wenn, und unter welchen Umständen die Geburtenraten wieder ansteigen werden. Der Arbeitsbereich untersucht in diesem Zusammenhang die Ursachen und Folgen niedriger Fertilität. Zu den relevanten Forschungsfragen gehören: Wie wird sich die Kohortenfertilität in der Zukunft entwickeln? Wird der Aufschub der Familiengründung sich weiter fortsetzen? Gibt es einen „unerfüllten Bedarf“ an Kindern? Und wenn dem so ist, wie kann dieser Bedarf gemessen werden und welchen sozialpolitischen Maßnahmen bedarf es, um den unerfüllten Kinderwunsch zu decken? Inwieweit hängen ökonomische Bedingungen und ökonomisches Wohlergehen mit Fertilitäts- und Familiendynamiken zusammen? Welchen Einfluss haben Sozialpolitik und Arbeitsmarktinstitutionen auf das Fertilitätsverhalten, das Erwerbsverhalten und auf den Lebensverlauf von Eltern? Des Weiteren beschäftigt sich der Arbeitsbereich mit der Frage der Konsequenzen niedriger Fertilität. Hier geht es speziell darum zu untersuchen, ob eine kleinere Kohortengröße die Lebensläufe der entsprechenden Individuen positiv beeinflusst. Werden die Jahrgänge, die in kleinen Geburtskohorten aufwachsen, biographische Entscheidungen, wie die Familiengründung, eher treffen als die Personen, die zu den geburtenstarken Jahrgängen gehörten?

Neben Studien zu Fertilitäts- und Partnerschaftsdynamiken untersucht der Arbeitsbereich den menschlichen Lebensverlauf aus einer allgemeineren Perspektive. Welche Lebensphasen werden sich mit dem Anstieg der menschlichen Lebenserwartung verlängern? Bislang können wir beobachten, dass der Aufschub zentraler biographischer Ereignisse, wie der Familiengründung und der Eheschließung, zu einem Aufschub des Eintritts in das Erwachsenenalter geführt haben. Der Eintritt in den Ruhestand hingegen erfolgt früher, nicht später. In welchem Ausmaß sind diese verschiedenen Prozesse miteinander verknüpft? Welche Konsequenzen hat die steigende Lebenserwartung für den gesamten Lebensverlauf, u.a. Kindheit, Akkumulation von Humankapital, Beteiligung am Erwerbsleben, Fertilität und Partnerschaftsbildung und Trennung von Partnern? Welche Ergebnisse können aus  Optimierungsmodellen gewonnen werden? Welche Auswirkungen haben veränderte demografische Realitäten auf aggregierte wirtschaftliche Kennziffern wie Sparquoten oder das Transferverhalten der einzelnen Akteure (Staat, Haushalte) in der Gesellschaft? Unter welchen Umständen sinkt das Verrentungsalter, während die Lebenserwartung zunimmt? Allgemein gesprochen, welche Veränderungen im Lebensverlauf verlaufen proportional zu Änderungen in der Langlebigkeit und welche nicht?

 

Weiterführende Informationen

Neue Veröffentlichungen
Familie und Partnerschaft in Ost- und Westdeutschland: Ähnlich und doch immer noch anders Sonderheft ZfF, 12/2012, ISBN 978-3-8474-0041-7

Economic uncertainty and family dynamics in Europe, Demographic Research, Special Collection, 20. Dezember 2012

Aktuelle Pressemitteilung des Arbeitsbereichs
1,6 Kinder pro Frau: Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung legt erstmals korrigierte Geburtenraten vor. Sie liegen deutlich über den amtlichen Ziffern.  (02.09.2011)

 

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