Home

Neue Veröffentlichung | 13.11.2015

Geschlechterunterschiede in der Gesundheit

© Gisa / photocase.com

In den Industrie-Ländern leben Frauen in der Regel länger als Männer. Dabei sind sie aber im Durchschnitt weniger gesund. Nandita Saikia, eine Stipendiatin des Max Planck Indien Programms, hat untersucht, ob diese Unterschiede zwischen Mann und Frau auch für Indien gelten.

Für ihre Studie, die kürzlich in dem Open Access Online-Journal PLOS ONE veröffentlicht wurde, verwendete sie Daten aus der von der Weltgesundheitsorganisation WHO weltweit durchgeführten Studie zu Altern und Gesundheit (Study on Global Ageing and Health, SAGE). Sie wertete rund 11.000 Fragebögen aus, in denen die Studienteilnehmer Angaben dazu gemacht haben, wie sie persönlich ihren Gesundheitszustand bewerten und unter welchen körperlichen Beeinträchtigungen sie leiden. Anhand dieser Daten berechnete sie, getrennt nach Geschlechtern, wie gut Gesundheitszustand und der Grad der körperlichen Beeinträchtigungen der Probanden ist. Sie hat außerdem die Lebenserwartungen von Männer und Frauen berechnet, sowie die Lebenserwartung von Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen.

Sie fand heraus, dass Frauen bei der Befragung deutlich häufiger angaben, krank zu sein, und unter körperlichen Beeinträchtigungen zu leiden als Männer. Bei den körperlichen Beeinträchtigungen war die Kluft zwischen den Geschlechtern in allen Altersstufen sehr hoch – am höchsten in der Altersgruppe der unter 60jährigen. Die Frauen in dieser Altersgruppe waren zum Beispiel häufiger in ihrer Mobilität eingeschränkt und gaben an, Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis und Sehschwächen zu haben.

"Es ist sehr wichtig, diese Geschlechterunterschiede in der Gesundheit für Indien zu untersuchen. In Indien spielt das Geschlecht eine entscheidende Rolle – von der Geburt bis zum Tod, von der Ernährung bis zur Gesundheitsversorgung", sagt Nandita Saikia. Laut der Wissenschaftlerin gibt es mehrere mögliche Erklärung für die Kluft zwischen den Geschlechtern. Dass Frauen eine höhere Lebenserwartung haben, ist eine Erklärung. Eine andere Erklärung ist, dass Frauen zwar mehr leiden als Männer, die Erkrankungen der Frauen aber weniger häufig zum Tod führen. "Wir wissen noch nicht wirklich, wo diese Unterschiede herrühren", fasst Nandita Saikia zusammen. "Auch in Indien hat die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen, und es ist daher sehr wichtig, sie zu erforschen. Nur so können die richtigen politischen Maßnahmen ergriffen und die zukünftigen Bedürfnisse im Gesundheitswesen besser eingeschätzt werden. Es kann auch sein, dass diese Unterschiede allein dadurch zustande kommen, dass Frauen am Rande der Gesellschaft, also Frauen, die allein leben, verwitwet sind oder einen niedrigen sozioökonomischen Gruppe angehören, einen schlechteren Gesundheitszustand haben. Dieser Aspekt muss unbedingt weiter untersucht werden. “

Nandita Saikia ist Assistenzprofessorin am Centre for Study of Regional Development, Jawaharlal Nehru University, Neu-Delhi, Indien und Max-Planck-Fellow Indien im MPIDR Arbeitsbereich . Sie war Gastwissenschaftlerin im gleichen Arbeitsbereich in 2009 und 2010 und nahm an der International Max Planck Research School for Demography (IMPRSD) während der Wintersemester 2008-2009 und 2010-2011 teil.

Der Max-Planck India Mobility Grant, mit dem Nandita Saika regelmäßig ans MPIDR zurückkehrt, richtet sich an qualifizierte und vielversprechende indische Postdoktoranden, die nicht älter als 35 Jahre alt sind und sich in der Wissenschaft bereits einen Namen gemacht haben. Die Stipendiaten müssen über einen Zeitraum von vier Jahren mindestens einen Monat pro Jahr an einem Max-Planck-Institut verbringen. Die Max-Planck-Gesellschaft und das indische Department of Science and Technology geben hierfür Zuschüsse zu den Reisekosten.

Mehr Informationen

Original-Artikel: Gender Differentials in Self-Rated Health and Self-Reported Disability among Adults in India, PLOS ONE, November 4, 2015DOI: 10.1371/journal.pone.0141953
 

Vernetzen