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News | 29.09.2016

Herzlichen Glückwunsch!

Am 27. September 2016 hat der MPIDR-Doktorand Robert Stelter erfolgreich seine Promotion an der Université catholique de Louvain, Belgien und der Universität Rostock verteidigt. In seiner Arbeit hat er sich aus drei verschiedenen Perspektiven mit der Frage beschäftigt, was die Menschen dazu bewegt, Kinder zu bekommen.

In dem ersten Teil der Arbeit beschäftigt Robert Stelter sich mit der so genannten Unified Growth Theory (einheitliche Wachstumstheorie), mit der Wissenschaftler versuchen, den Wachstumsprozess über alle historischen Entwicklungsphasen der Menschheit zu erklären. Ein Knackpunkt in dieser Theorie ist der demografische Übergang, also der Moment, in dem in den heute industrialisierten Ländern Geburtenraten und Sterblichkeit drastisch sanken. Welche Rolle die Landflucht bei diesem Übergang spielt, wurde bisher wenig untersucht. Gemeinsam mit Thomas Baudin vom Center for Demographic Research an der Université catholique de Louvain hat Robert Stelter ein Model erstellt, das eben diesen Exodus berücksichtigt. Sie testeten und kalibrierten ihr Modell dann mithilfe von Daten aus Dänemark, um zu zeigen, was passiert wäre, wenn es keine Landflucht gegeben hätte. Ihre Simulationen zeigten dann folgendes Bild auf: Hätte es die Landflucht nicht gegeben, hätte in den Städten der Übergang zu einer geringen Fertilität früher eingesetzt und die Geburtenraten wären noch niedriger gewesen. Auf dem Land hingegen wäre die Fertilität gestiegen. Robert Stelter konnte mit dieser Modellierung also aufzeigen, dass der Landflucht tatsächlich eine zentrale Rolle für die insgesamt sinkenden Geburtenraten zukommt.

Der demografische Übergang hat zu erheblichen Verschiebungen in den Altersstrukturen geführt. Im zweiten Teil seiner Arbeit beschäftigte Robert Stelter sich deshalb mit der möglichen Überalterung der Industrienationen. In einem weiteren theoretischen Modell zeigt er, wie die optimalen Altersstrukturen einer Gesellschaft aussehen könnten und mit welchen Maßnahmen man sich diesen optimalen Strukturen nähern könnte.

Auch im dritten Teil verknüpfte er ein theoretisches Modell und empirische Daten. Er nutzte Daten des sozioökonomischem Panel (SOEP). Die Daten geben Auskunft zu Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Gesundheit. Robert Stelter nutzte diese Daten, um zu untersuchen, ob es Unterschiede in der Fertilität gibt zwischen Frauen, die in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind, und Frauen, die privat versichert sind. In seinen Berechnungen berücksichtigte er sozioökonomische Einflussgrößen wie Alter, Bildung oder Einkommen. Er rechnete diese Einflussgrößen raus und fand heraus, dass Frauen, die privat versichert sind, im Schnitt mehr Kinder bekommen als Frauen, die Leistungen aus der gesetzlichen Krankenversicherung erhalten. Mögliche Ursachen dafür stellte er in seinem Modell dar. Diese Ursachen könnten zum Beispiel sein, dass Privatversicherte, in dem Alter, in dem sie Eltern werden, noch relativ geringe Krankenversicherungsbeiträge zahlen müssen und diese finanziell geringere Belastung ein Anreiz dafür sein könnte, Kinder zu kriegen. Ein weiterer Grund könnte sein, dass Privatversicherte medizinisch besser versorgt sind.

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