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Beitrag in einem Sammelband

Nichteheliche Geburten in Ostdeutschland in den 90er Jahren: alte Gewohnheiten oder neue Familienformen?

Konietzka, D., Kreyenfeld, M. R.

[Non marital births in East Germany in the 1990s: old habits or new family forms?]

In: Dorbritz, J., Otto, J. (Hrsg.): Familienpolitik und Familienstrukturen: Ergebnisse der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Bevölkerungswissenschaft und der Johann-Peter-Süßmilch-Gesellschaft für Demographie, Berlin, 21.-23. Juni 2001, 215-237 (2002)
Materialien zur Bevölkerungswissenschaft 108
Wiesbaden: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung beim Statistischen Bundesamt (BiB).

Schlagworte: Germany

Abstract

Seit den 60er Jahren sind in Westdeutschland das Alter bei der Erstgeburt und das Heiratsalter gestiegen und die Kinderlosigkeit hat zudem stark zugenommen. Die Ereignisse der Geburt des ersten Kindes und der Eheschließung sind jedoch nach wie vor eng miteinander verknüpft. Demgegenüber betrug der Anteil nichtehelicher Geburten in der DDR 1989 rund 33 Prozent. Da mit der Wiedervereinigung und der Übernahme des westdeutschen Institutionensystems in den neuen Ländern zugleich sozialpolitische Anreize zur nichtehelichen Elternschaft entfallen sind, wurde erwartet, dass sich auch in Ostdeutschland das westdeutsche Muster der ‚kindorientierten Eheschließung´ durchsetzen würde. Die Nichtehelichenquote ist in den neuen Ländern jedoch in den 90er Jahren weiter angestiegen. Wir gehen in diesem Beitrag mit Hilfe von Daten des Mikrozensus 1997 der Frage nach, ob nichteheliche Geburten in Ostdeutschland eher Ausdruck alter und überlebter DDR-Muster der Familienbildung oder einer Modernisierung von Familienformen sind. Untersucht wird vor allem, ob die niedrige Heiratsneigung von ostdeutschen Paaren mit Kindern auf eine höhere Erwerbsorientierung von Frauen zurückzuführen ist. Unsere Ergebnisse zeigen in Ost- und Westdeutschland zwei ganz unterschiedliche Muster. Während westdeutsche Frauen mit höherer Ausbildung und Erwerbsneigung eine geringere Wahrscheinlichkeit der Eheschließung aufweisen, finden wir in Ostdeutschland keine vergleichbaren Zusammenhänge.

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