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Die Lebenserwartung: eine Erfolgsgeschichte der demografischen Entwicklung in den Neuen Ländern

Scholz, R. D.

[Life expectancy: successful story of demographic trend in East Germany]

In: Maretzke, S., Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) (Eds.): Demografische Spuren des ostdeutschen Transformationsprozesses: 20 Jahre deutsche Einheit, 28-38 (2011)
BBSR-Online-Publikation 3/2011
Bonn: BBSR.

Keywords: Germany, life expectancy

Abstract

Die Lebenserwartung hat in Deutschland einen starken Anstieg erfahren. In den letzten 50 Kalenderjahren um elf Lebensjahre. Zum Zeitpunkt der Wende besteht eine große Differenz zwischen den Alten und Neuen Ländern für beide Geschlechter (Männer 3,4 und Frauen 2,7 Jahre), besonders hoch ist die Sterblichkeitsdifferenz im höheren Alter. Nach der Wende kommt es zu einer Angleichung der Lebenserwartung zwischen Ost und West. In den 20 Jahren nach der Wende konnten Lebenserwartungsgewinne in den Neuen Ländern von insgesamt über sechs Jahren bei beiden Geschlechtern realisiert werden. Als treibende Größen sind die Überwindung der Unterschiede in der medizinischen Versorgung als auch die Anpassung des Rentenniveaus quantifiziert worden. Für Frauen ist im Durchschnitt aller Altersklassen seit 2004 in Ost und West die Lebenserwartungsdifferenz aufgehoben. Bei Männern ist im Jahr 2009 noch eine Differenz von etwa einem Lebensjahr zu verzeichnen. Die Sterblichkeitsdifferenz bei Männern ist als eine um über 30% erhöhte Sterblichkeit im Alter 35-55 feststellbar und lässt sich fast vollständig erklären. Die Ursache der Lebenserwartungsdifferenz bei Männern hängt mit den strukturellen Unterschieden des Arbeitsmarktes in Deutschland zusammen. Die fehlenden Arbeitsplätze in den Neuen Ländern führen nach der Wende zu selektiver Wanderung in die Alten Länder (Zuwanderung aus dem Ausland in die Alten Länder; Binnenwanderung junger Männer und junger Frauen aus den Neuen Ländern in die Alten Länder). Daraus ergeben sich eine Verschiebung der Altersstruktur und eine unterschiedliche Verteilung der Anteile von Ausländern. Weiterhin führen fehlende Arbeitsplätze zu unterschiedlicher Betroffenheit von Arbeitslosigkeit. Bei einer Angleichung der Arbeitsmarktsituation in Ost- und Westdeutschland ist ein Rückgang der Differenzen zu erwarten. Der demografische Wandel selber wird einen Teil der Differenz der Lebenserwartung in Zukunft abbauen helfen.

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