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"Kompression" oder "Expansion" der Morbidität? Trends in der Lebenserwartung älterer Menschen in guter Gesundheit 1978 bis 1998

Doblhammer, G., Kytir, J.

In: Demographische Informationen 1997/1999, (Ed.) Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 71-79 (1999)
Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

ISBN 3-7001-2641-7

Abstract

In den vergangenen Jahrzehten stieg die Lebenserwartung älterer Menschen deutlich an. Vor dem Hintergrund der Thesen über eine "Kompression" bzw. "Expansion" der Morbidität analysiert der Beitrag die Entwicklung der "Lebenserwartung in guter Gesundheit" für die österreichische Bevölkerung im Alter von 60 und mehr Jahren. Als epirische Grundlage dafür dienen vier Mikrozensuserhebungen (1978, 1983, 1991 und 1998), in denen in jeweils identischer Form die Frage nach der Selbsteinschätzung des eigenen Gesundheitszustands gestellt wurde. Der erste Teil des Beitrags geht ausführlich auf Schwächen und Nachteile der verwendeten Daten ein. Dabei zeigt sich, dass die Mikrozensuserhebungen insgesamt zwar ein positives Bild über den Gesundheitszustand älterer Menschen zeichnen, die ermittelten zeitlichen Trends in der Gesundheitsbeurteilung aber keine statistischen Atrefakte darstellen, sonder reale Veränderungen widerspiegeln. In den vergangenen 20 Jahren (1978 bis 1998) wurde der Anteil jener älteren Menschen, die ihren Gesundheitszustand als "schlecht" oder "sehr schlecht" einschätzen, deutlich geringer. Dies führte gemeinsam mit dem Rückgang der Stereberaten zu einem signifikanten Zuwachs der Zahl und des Anteils von in guter Gesundheit verbrachten Lebensjahren und zu einem Rückgang der Zahl und des Anteils von in schlechter Gesundheit verbrachten Lebensjahren. Unsere Resultate unterstützen damit in keiner Weise Theorien, die von einer Expansion der Morbidität ausgehen. Im Gegenteil: Für die älteren Menschen in Östereich kam es offensichtöich zu einer Kompression der Morbidität, und zwar sowohl absolut als auch relativ gesehen. Eine Fortsetzung dieses positiven Trends können zumindest zum Teil die befürchtete negativen Effekte der demographischen Alterung auf die Gesundheitskosten und die sozialen Netze (Hilfs- und Pflegebedürftigkeit) kompensieren. (AUTHORS)

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