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Arbeitsbereich

Digitale und computergestützte Demografie

Ausführliche Beschreibung

© RyanJLane iStockphoto.com

Internet, Soziale Medien und digitale Technologien haben unser aller Leben radikal verändert. Für den Arbeitsbereich „Digitale und computergestützte Demografie“ ergeben sich daraus sowohl andere Ansätze für bereits bestehende Fragen, als auch völlig neue Forschungsfelder.

Die Ziele des Arbeitsbereichs sind:

  • Nutzen: innovative Formen des Datensammelns für stetig steigende Datenmengen aus sozialen Netzwerken nutzen
  • Untersuchen: Bevölkerungsprozesse durch rechenintensive und computergestützte Ansätze neu untersuchen
  • Auswerten: den Einfluss der digitalen Revolution auf demografische Entwicklungen auswerten

Der Arbeitsbereich will neue Methoden entwickeln, um Informationen aus verrauschten, sogenannten unordentlichen Daten (messy data) zu ziehen. Dafür nutzen die Wissenschaftler*innen Instrumente der formalen Demografie, der Statistik und der Data Sciences und vereinen traditionelle und neue Datenquellen. Zudem wenden die Mitarbeiter*innen des Arbeitsbereich auch neue Methoden der Auswertung an. Sie setzen dabei auf Algorithmen und Simulation, dadurch machen sie Big Data handhabbar. Denn mit traditionellen Ansätzen allein können die drängenden gesellschaftlichen Fragen des digitalen Zeitalters nicht beantwortet werden.

Die drei Hauptforschungsgebiete im Überblick

1. Migration und Mobilität

Migration zählt zu den zentralen Ursachen für den demografischen und sozialen Wandel weltweit. Gesellschaften stehen vor der Herausforderung mit Migrationsbewegungen sowie unerwarteten Krisen oder Schocks umzugehen und Migrant*innen in langsam alternde Bevölkerungen zu integrieren.

Leider fehlen oft gute Datenquellen, um Migrationsbewegungen zu messen und zu modellieren. Falls es doch Daten gibt, sind sie selten international vergleichbar oder veraltet. Besonders undurchsichtig wird die Datenlage, wenn komplexere Konzepte wie kulturelle Integration oder die Aneignung fachlicher Qualifikationen gemessen werden sollen. Hier setzen die Forscher*innen des Arbeitsbereichs mit neuen Ansätzen an.

2. Alterungs- und Generationenprozesse

Weltweit werden Menschen immer älter gleichzeitig bekommen sie häufig später und weniger Kinder. Das verändert nicht nur den Lebenslauf auf individueller Ebene sondern auch, wie die Bevölkerung insgesamt zusammengesetzt ist. Deshalb forschen die Mitarbeiter*innen des Arbeitsbereichs unter anderem an diesen Fragen:

  • Welche Lebensabschnitte werden länger, welche kürzer?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass Eltern den Tod ihrer erwachsenen Kinder erleben?
  • Wie wirken sich demografische Kräfte auf den Wandel in Familien aus?
  • Wie reagieren Gesellschaften auf demografischen Druck und wirtschaftliche Zwänge?
  • Wie unterstützen sich die Generationen innerhalb einer Familie gegenseitig?

Die Forscher*innen beantworten diese Fragen, indem sie formale demografische Methoden, Simulation sowie Register- und genealogischen Daten kombinieren.

Wie schaffen Gesellschaften einen Rahmen für erfolgreiches Altern? Nur so können sie sich schrittweise an die fortschreitende Alterung der Bevölkerung anpassen. Gleichzeitig erleben unsere Gesellschaften aber einen schnellen technologischen Wandel, Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) erneuern sich in immer rascheren Zyklen. Wie und wie häufig und zu welchem Zweck IKT genutzt werden, variiert je nach demografischen Merkmalen deutlich. Deshalb bewerten die Forscher*innen die unterschiedlichen demografischen Auswirkungen neuer Technologien.

3. Dynamiken in Gesellschaft und Umwelt

Demografisches Verhalten, das zum Wohlbefinden Einzelner beiträgt, ist abhängig von sozialen Kräften und Umwelteinflüssen. So prägt zum Beispiel die Entscheidung, ob und wann wir Kinder bekommt, wie wir unsere Zeit verbringen, unser emotionales Wohlbefinden und auch unsere Gesundheit.

Zudem verändern neue Technologien wie das Smartphone unseren Alltag. Mit klassischen Umfragen sind diese Veränderungen schwer zu fassen. Deshalb überdenken die Forscher*innen des Arbeitsbereichs die Methoden der Datenerhebung und –erprobung. Mit neuen Theorien interpretieren sie, wie sich verändernde soziale Kräfte auf das Leben Einzelner und ihre Rolle in der Gesellschaft auswirken.

Neben der Gesellschaft hat auch die Umwelt einen Einfluss auf den Einzelnen. Naturkatastrophen wirken sich unterschiedlich auf demografischen Ergebnisse wie Mortalität und Migration aus. Andererseits beeinflussen demografische Merkmale der Bevölkerung, wie etwa ihre Altersstruktur, den Energieverbrauch und damit die Kohlenstoffemissionen. Was sich letztendlich auf den Klimawandel auswirkt.

 

Ausgewählte Veröffentlichungen

Alburez-Gutierrez, D.; Aref, S.; Gil-Clavel, B. S.; Grow, A.; Negraia, D. V.; Zagheni, E.:
In: Arbia, G.; Peluso, S.; Pini, A.; Rivellini, G. (Hrsg.): Smart statistics for smart applications : book of short papers SIS2019, 23-30. -: Pearson (2019).
Estiri, H.; Zagheni, E.:
Energy Research and Social Science 55, 62-70 (2019).
Stewart, I. B.; Flores, R. D.; Riffe, T.; Weber, I.; Zagheni, E.:
In: Liu, L.; White, R.; Mantrach, A.; Silvestri, F.; McAuley, J.; Baeza-Yates, R.; Zia, L. (Hrsg.): Proceedings of the World Wide Web Conference WWW 2019: May 13-17, 2019, San Francisco, CA, USA, 3258-3264. New York: ACM (2019).
Nomes, E.; Grow, A.; van Bavel, J.:
Historical Life Course Studies 8, 1-26 (2019).
 

Kontakt

Leitung
Telefon +49 (0)381 2081-104
Sekretariat
Liebich, Ulrike
Telefon +49 (0)381 2081-102

 

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