07. August 2025 | News | Spotlight

Die Fähigkeit zu führen hilft Männern, eine Familie zu gründen

Am Beispiel Führungsqualitäten lässt sich vorhersagen, wie sich Familienbildung über einen längeren Zeitraum hinweg entwickelt

Steffen Peters, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR), nutzte Registerdaten, um anhand der Führungsqualitäten junger Männer in Schweden die Wahrscheinlichkeit einer späteren Familiengründung vorherzusagen. Dabei stellte er fest, dass diejenigen, die im Alter von 17 bis 20 Jahren über höhere Führungsqualitäten verfügten, mit einer um 10 bis 15 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit bis zum Alter von 39 Jahren verheiratet waren.

Führungsqualitätenn zu haben, gehen mit 0,2 Kindern mehr im Durchschnitt und einer um zehn Prozent geringeren Wahrscheinlichkeit einher, mit 39 Jahren und älter kinderlos zu bleiben. © istockphoto.com/StefaNikolic

Führungskompetenzen, im Kontext der dienenden Führung, können zukünftige Familienbildungsprozesse vorhersagen. In ihrer Studie zeigen der MPIDR-Forscher Steffen Peters und Kieron Barclay von der Universität Stockholm, dass junge schwedische Männer mit höheren Führungskompetenzen im frühen Erwachsenenalter mit einer um 10 bis 15 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit bis zum Alter von 39 Jahren verheiratet sind. Darüber hinaus haben Männer mit Führungskompetenzen durchschnittlich 0,2 Kinder mehr und eine um 10 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit  mit 39 Jahren und älter kinderlos zu bleiben. Diese Zusammenhänge gelten auch für Geschwistervergleiche und lassen sich nicht vollständig auf gemeinsame familiäre Faktoren wie Genetik oder elterliche Einflüsse zurückführen. Darüber hinaus wird dieser Zusammenhang nur teilweise durch sozioökonomische Faktoren (SES) wie Bildung oder Einkommen beeinflusst.

„Es ist besonders interessant, dass die Auswirkungen von Führungsqualitäten im jungen Erwachsenenalter auf die Ehe und die Kinderzahl im mittleren Erwachsenenalter so deutlich sind und dass diese Auswirkungen auch dann bestehen bleiben, wenn der familiäre Hintergrund und SES-Indikatoren berücksichtigt werden. Dies deutet darauf hin, dass psychologische Faktoren wie Führungsqualitäten die Familienbildung über einen längeren Zeitraum hinweg vorhersagen können“, sagt Steffen Peters.

Führungskompetenzen wurden in der Forschung bislang weitgehend übersehen

Führungskompetenzen sind in der Regel mit höheren Positionen in hierarchischen Strukturen verbunden und bieten Zugang zu Ressourcen, um die potenzielle Partner und Kinder unterstützen zu können. Wie psychologische Faktoren im Allgemeinen wurden jedoch auch Führungskompetenzen in der Forschung zur Familienbildung bislang weitgehend übersehen.

„Nach unserem Kenntnisstand gibt es bisher nur eine Studie, die den Zusammenhang zwischen Führungskompetenzen und Fertilität untersucht hat. Diese Studie basierte auf einer kleinen Stichprobe von Personen aus Finnland. Unsere Ergebnisse stützen den positiven Zusammenhang zwischen Führungskompetenzen und Fertilität“, so Peters. Aufbauend auf früheren Untersuchungen betrachtete die Studie einen längeren Zeitraum, in dem die Familienbildung häufig abgeschlossen ist. Da die Studie Informationen über die gesamte männliche Bevölkerung bestimmter Geburtskohorten liefert, sind die Selektionseffekte, die bei Untersuchungen mit Umfragedaten auftreten, hier nicht relevant. „Psychologische Faktoren haben ein enormes Potenzial, das Ehe- und Fertilitätsverhalten zu erklären“, sagt Steffen Peters.

Originalpublikation

Peters, S., Barclay, K.: Leadership skills and family formation among males. A study based on Swedish register data. Vienna Yearbook of Population Research (2025). DOI: 10.1553/p-kbjc-5fmn

Autor*innen und Affiliationen

Steffen Peters, Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

Kieron Barclay, Universität Stockholm

Keywords

Fertilität, Familienbildung, Schweden, Registerdaten

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