02. April 2026 | News | Übersicht
Leseempfehlung
Hier finden Sie eine Übersicht der neuesten Leseempfehlungen für Artikel, die von Wissenschaftler*innen des MPIDR veröffentlicht wurden.
Familienkomplexität beeinflusst Gesundheit im mittleren Erwachsenenalter
Erstveröffentlichung: 17. September 2025

© istockphoto.com / PeopleImages
Forschende des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR), der Universität Helsinki, der Tilburg Universität, des Centre for Research on Social Inequalities (CRIS) sowie der Universität Oxford und des Einstein Centers Population Diversity (ECPD) haben in einer Studie erstmals nachgewiesen, dass komplexe familiäre Lebensverläufe Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit im mittleren Erwachsenenalter hat. Auffällig sind dabei geschlechtsspezifische Unterschiede: Die körperliche Gesundheit von Frauen leidet besonders nach einer Trennung mit Kindern, während die psychische und körperliche Gesundheit von Männern stärker von jeder Art von Trennung betroffen ist.
Die Studie, die Daten aus der britischen „Understanding Society“-Studie nutzte, analysierte die Familiengeschichten und Gesundheit von 3.407 Frauen und 2.638 Männern im Alter von 55 Jahren. Dabei wurde die Familiengeschichte der Personen zwischen 18 und 55 Jahren betrachtet, einschließlich Partnerschaftsstatus und Elternschaft. Mit der Messung dieser „Familienkomplexität“, also der Anzahl und Unvorhersehbarkeit familiärer Übergänge, wie Trennungen, Partnerwechsel, Veränderungen des Beziehungsstatus oder des Familienstands zu „Alleinerziehend“, konnten die Forschenden zeigen, dass die gehäufte Belastung durch familiäre Veränderungen langfristig gesundheitliche Folgen hat.
Ein zentraler Befund: Besonders bei Frauen spiegelt die psychische Gesundheit den aktuellen Familienstatus wider, während die körperliche Gesundheit stark von der langjährigen Häufung familiärer Stressfaktoren abhängt. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Gesundheitsungleichheiten nicht nur durch den aktuellen Familienstatus, sondern durch den gesamten Lebensverlauf entstehen“, erklärt Philipp Dierker.
Originalpublikation
Dierker, P., M. Kühn and Z. Van Winkle (2026): "The Role of Family Complexity in Mental and Physical Health in Mid-Adulthood." Journal of Marriage and Family (JMF) DOI: 10.1111/jomf.70019
Keywords
Entwicklung im Erwachsenenalter und Altern | Demografie | Familie | Familienpolitik | Lebensereignisse und/oder Übergänge | Längsschnitt | psychische Gesundheit | Methode | Lebensmitte | Wohlbefinden
Analyse von Verzerrungen in Genealogien
Veröffentlichung: 5. Dezember 2025

Forschende des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) untersuchten die Genauigkeit von Daten aus aufsteigenden Genealogien zur Schätzung von Fertilitäts- und Mortalitätsraten. Liliana P. Calderón-Bernal et al. führten eine SOCSIM-Demografie-Mikrosimulation durch und verwendeten dabei Daten aus der Human Fertility Collection (HFC), der Human Fertility Database (HFD) und der Human Mortality Database (HMD) für Schweden im Zeitraum von 1751 bis 2022, um vollständige Aufzeichnungen von Personen einschließlich ihrer Verwandtschaftsbeziehungen zu simulieren. Auf der Grundlage dieser Simulationen rekonstruierten die Forschenden virtuelle Stammbäume und testeten, wie sich drei häufige Verzerrungen in Genealogien auf die Schätzungen auswirken.
- Bestimmte Familien fehlen vollständig, weil die Linie ausgestorben ist.
- Es werden nur direkte Vorfahren berücksichtigt, was zu fehlenden Daten über Seitenverwandte führt, insbesondere in Bezug auf Kinder und junge Erwachsene, die früh verstorben sind.
- Bestimmte Personen fehlen, weil sie keine Nachkommen hatten oder in den Aufzeichnungen nicht aufgeführt sind.
Die Ergebnisse:
- Wenn nur direkte Vorfahren berücksichtigt werden, wird die durchschnittliche Anzahl der Kinder deutlich unterschätzt (um etwa 42 %) und die durchschnittliche Lebenserwartung deutlich überschätzt (um etwa 33 %).
- Wenn die Nachkommen der Vorfahren einbezogen werden, werden die Schätzungen zur Fruchtbarkeit höher und die Schätzungen zur Lebenserwartung verbessern sich, sodass die Überschätzung nur noch bei etwa 1,8 % liegt.
Obwohl genealogische Daten aus Online-Datenbanken nützlich und leicht zugänglich sind, sind sie unvollständig. Ein Vergleich von „vollständig aufgezeichneten” und „verzerrten” Stammbäumen, die aus einer Simulation stammen, zeigt, dass die rückblickende Rekonstruktion und die Art der in einer Genealogie berücksichtigten Vorfahren zu einer Fehleinschätzung der Anzahl der Kinder und der Lebensdauer der Menschen führen können. Die Einbeziehung weiterer Verwandter in den Stammbaum macht die Informationen genauer.
Angesichts der Entstehung neuer Datenquellen durch die Digitalisierung und das Crowdsourcing historischer Aufzeichnungen, wie z. B. große Online-Genealogie-Datenbanken, ist diese Art der Analyse relevant. Obwohl diese Datenbanken für die historische und demografische Verwandtschaftsforschung vielversprechend sind, leiden sie unter Problemen hinsichtlich ihrer Abdeckung und Repräsentativität.
Originalpublikation
Liliana P. Calderón-Bernal, Diego Alburez-Gutierrez, Emilio Zagheni: Analysing Biases in Genealogies Using Demographic Microsimulation in European Journal of Population (2025); DOI: 10.1007/s10680-025-09756-4
Keywords
Genealogien, Mikrosimulation, Verzerrungen, Historische Demografie, Verwandtschaft
Wie mobil sind hochbegabte Akademiker*innen im Vergleich zu anderen Forschenden?
Studie veröffentlicht: 4. November 2025

In einer kürzlich erschienenen Studie haben Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR), der Universität Rostock, der Generalverwaltung der Max-Planck-Gesellschaft (Abteilung Wissenschaftspolitik/Strategieprozesse) und des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung untersucht, ob es bei der akademischen Mobilität regionale und geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen besonders talentierten Wissenschaftler*innen und anderen Wissenschaftler*innen gibt.
Zur Identifizierung der potenziell talentierten Akademiker*innen und der Vergleichsgruppe wurden Scopus-Bibliometriedaten verwendet. Damit konnten Mobilitäts- und Immobilitätsentwicklungen nachvollzogen werden. Das Forschungsteam verwendete drei verschiedene Geschlechtszuordnungen und drei verschiedene geografische Regionszuordnungen. Beide Gruppen wurden mithilfe von multinomialen Probit-Regressionsmodellen verglichen.
Die Ergebnisse zeigen, dass potenziell talentierte Forschende eine höhere Neigung zur Mobilität aufweisen. Dies gilt in stärkerem Maße für männliche als für weibliche talentierte Forschende. Unter den nicht mobilen Autor*innen in der Vergleichsgruppe sind Frauen überrepräsentiert. Eine höhere Mobilität ist ein Privileg, da bestimmte Wissenschaftler*innen einen besseren Zugang dazu haben.
Originalpublikation
Aliakbar Akbaritabar, Robin Haunschild, Lutz Bornmann: A study of gender and regional differences in scientific mobility and immobility among researchers identified as potentially talented in Journal of Informetrics (2025), DOI: 10.1016/j.joi.2025.101744
Keywords
Talentierte Akademiker*innen, bibliometrische Indikatoren, wissenschaftliche Mobilität und Immobilität, geschlechtsspezifische Mobilität
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