30. April 2026 | News | Blog@MPIDR

Mein Praktikum am MPIDR

Johann Behrendt war von Februar bis April Gast am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock. Er ist aktuell Psychologiestudent in Leipzig. Im MPIDR-Blog beschreibt er seine Erfahrungen als wissenschaftlicher Praktikant, der in eine andere wissenschaftliche Disziplin als die eigene hineinschnuppert. 

Foto des Institutsgebäudes am Wasser

© MPIDR

Als ich Mitte Februar für mein sechswöchiges Praktikum in Rostock ankomme, regnet es in Strömen. Also verbringe ich den ersten Nachmittag in der Gästewohnung und versuche mir im Eiltempo die grundlegendsten Vokabeln der Demografie anzueignen: Birth rate, TFR, Quantum und so weiter. Denn die Wahrheit ist: Ich habe keine Ahnung von Demografie. In knapp 3 Jahren Psychologiestudium habe ich mich mit der Aktivierung von Gehirnarealen und dem Auftreten unterschiedlichster Wahrnehmungsphänome auseinandergesetzt oder Symptome und Ätiologie-Modelle verschiedenster psychischer Störungen auswendig gelernt. Die Begriffe Fertilität, Mortalität und Migration kenne ich nur aus den Nachrichten. Warum ich dann nach Rostock ans MPI komme? Das habe ich mich an diesem verregneten Nachmittag auch kurz gefragt.  Aber schon seit Schulzeiten habe ich ein ausgeprägtes Interesse daran auch gesellschaftliche Zusammenhänge in den Blick zu nehmen, eine Perspektive die im aufs Individuum-zentrierten Bereich der Psychologie naturgemäß häufig zu kurz kommt. Und da nach meinem Gefühl die Psychologie wichtige Erklärungen für demografische Entwicklungen liefern kann, fühlt sich das MPIDR nach einem Ort an, wo sich verschiedene Interessensgebiete von mir treffen könnten.

Person steht vor modernem Glasgebäude mit klaren Linien und reflektierenden Fenstern an einem sonnigen Tag.

Johann Behrendt berichtet über seine Erfahrungen als Praktikant am MPIDR.

Trotzdem fühle ich mich in den ersten Tagen wie ein Imposter. Ich esse Mittag mit Menschen, die beeindruckende Forschung im Bereich der Demografie leisten und muss mir selbst erstmal das Prinzip einer Hazard-Kurve erklären lassen. Nach dem ersten Lab Talk qualmt mein Kopf und ich verbringe die nächste Stunde damit, alle möglichen Vokabel nachzuschlagen (Salmon Bias usw.).

In der zweiten Woche kommt die Sonne raus (nicht nur metaphorisch): Kelsey sorgt als meine Betreuerin für eine extrem angenehme Atmosphäre, Angela gibt mir Statistik-Nachhilfe und Henrik klärt alle Fragen, die offen bleiben. Ich mache Fortschritte mit R, reviewe Literatur und arbeite mich in das Paper von Kelsey und Angela ein, bei dem ich unterstützen soll. In der dritten Woche wende ich die von Angela entwickelte Methode des Two-Time-Scales Model auf italienische Daten an: Es wird das Risiko eines 1. Kindes in Abhängigkeit von dem Alter beim Start der Beziehung und der Dauer der Beziehung geschätzt.

Wenn ich gerade nicht mit Kelsey und Angela an dem Paper arbeite, stehen im Rahmen der Labtalks oder Workshops immer wieder spannende inhaltliche Inputs auf der Tagesordnung. Trotzdem bleibt am Nachmittag genug Zeit, um mir beim Tischtennis mit den Doktoranden*innen und Postdocs die Grenzen aufzeigen zu lassen.

Ein weiteres Highlight stellen die vielen Gesprächsmöglichkeiten mit den Wissenschaftler*innen und Mitarbeitenden dar: Henrik berichtet mir über seinen Werdegang, Carolina gibt einen Einblick ins Datenmanagement und den Datenschutz, Steffen spricht mit mir über psychologische Variablen in der demografischen Forschung, Heiner erklärt mir die Doktorandenprogramme des MPIDR, Jonas beeindruckt mich mit einem (kleinen) Einblick in seine Markov-Erweiterung des Lee-Carter-Modells und in Gesprächen mit Josephine und Marcus lerne ich mehr über die Schnittstellen zwischen Demografie und Gesundheit.

Am Ende vergehen die sechs Wochen wie im Flug und das Fazit fällt sehr leicht: eine sehr spannende, inspirierende Zeit, in der ich viel gelernt habe (den routinierteren Umgang mit R, einen funktionierenden Workflow bei Literaturreviews aber auch eine verbesserte Vorhand beim Tischtennis ;) ) und einen echten Einblick in die Arbeitsweise am MPIDR gewinnen konnte. (umfangreicheres Fazit im Anhang :) )

Als ich Rostock Anfang April wieder verlasse regnet es wieder (oder noch?).

Anhang:

Dinge, die ich vermissen werde:

  • Die vielen inspirierenden und offenen Gesprächspartner*innen
  • Die tolle Betreuung durch Kelsey
  • Die wöchentlichen Vorträge im Rahmen der Labtalks
  • Die kompetitiven und sehr lustigen Tischtennisrunden am Nachmittag
  • Die KTV

Dinge, die ich nicht vermissen werde:

  • Den Salat von Edeka zum Mittagessen

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