16. Dezember 2025 | News | Letter to the Editor PNAS

Migration ging während der Pandemie zurück, aber nicht so, wie gedacht

MPIDR-Forscher veröffentlicht Letter to the Editor in PNAS

Eine aktuelle PNAS-Studie mit dem Titel Messung globaler Migrationsströme anhand von Online-Daten von Guanghua Chi, Guy J. Abel, Drew Johnston, Eugenia Giraudy und Mike Bailey nutzt Facebook-Daten, um die monatlichen internationalen Migrationsströme weltweit zu schätzen. Die Autoren berichten, dass die globale Migration während der COVID-19-Pandemie stark zurückgegangen ist und im Jahr 2020 um schätzungsweise 64 Prozent gesunken ist, was zum Teil auf die Einführung von Grenzkontrollen zurückzuführen ist, bevor sie im Jahr 2022 wieder stark angestiegen ist. Die Studie hat breite internationale Aufmerksamkeit erregt, darunter auch eine Berichterstattung in der New York Times.

Digitale Weltkarte mit leuchtenden Verbindungslinien, die globale Netzwerke und Datenströme symbolisieren.

© iStockphoto.com / imaginima

In einer früheren Arbeit untersuchten Jordan Klein, Ingmar Weber und Emilio Zagheni anhand von Facebook-Werbedaten, wie sich die Reisebeschränkungen aufgrund von COVID-19 auf die Migration auswirkten. In ihrem 2024 in Demography veröffentlichten Artikel Stop, in the Name of COVID! Using Social Media Data to Estimate the Effects of COVID-19-Related Travel Restrictions on Migration analysierten sie die Veränderungen der Zahl der Migrant*innen zwischen Februar und Juni 2020. Während einfache Modelle Einreiseverbote mit einem kurzfristigen Rückgang der Zahlen in Verbindung brachten, änderte sich dieses Bild, sobald umfassendere pandemiebedingte Störungen berücksichtigt wurden. Unter diesen Bedingungen verzeichneten Länder, die Reiseverbote verhängt hatten, einen Anstieg der Zahl der Migrant*innen, was bedeutet, dass jeder Rückgang der Zuwanderung durch einen noch größeren Rückgang der Abwanderung aufgewogen wurde.

Diagramm zeigt geschätzte Veränderungen der Migrantenpopulation nach einem einmonatigen Reiseverbot in fünf Zielländern, differenziert nach Herkunftsländern Algerien, Côte d´Ivoire, Marokko und Senegal.

© MPIDR

Diagramm zeigt geschätzte Veränderungen der Migrantenpopulation aus Algerien, Côte d´Ivoire, Marokko und Senegal in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien und USA nach einmonatigem Reiseverbot.

© MPIDR

Klein und Weber haben nun einen Leserbrief in PNAS veröffentlicht, in dem sie diese Ergebnisse mit der Arbeit von Chi et al. in Verbindung bringen. In dem Brief wird argumentiert, dass eine ausschließliche Fokussierung auf die gesamten Migrationsströme die Mechanismen verschleiern kann, durch die Krisenpolitik wirkt.

„Die COVID-19-Pandemie wirkte sich in unterschiedlicher Weise auf die Migration aus“, sagt Jordan Klein. „Inländische Beschränkungen reduzierten hauptsächlich die Zuwanderung, während Grenzschließungen oft die Abwanderung einschränkten, wodurch Migrant*innen effektiv gestrandet waren und die Rückkehr in ihre Herkunftsländer verhindert wurde. Wenn man nur die Gesamtmigrationsströme betrachtet, läuft man Gefahr, diese Dynamik und mögliche unbeabsichtigte Folgen der Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung zu übersehen.“

Die Autoren betonen, dass die von Chi et al. vorgestellten globalen Migrationsdaten genau die zeitlichen und richtungsbezogenen Details bieten, die für die Untersuchung dieser Auswirkungen erforderlich sind, und sie regen an, bei der Bewertung der Migrationsreaktionen auf große Krisen künftig ausdrücklich zwischen Zu- und Abwanderungen zu unterscheiden.

Letter to the Editor 

Jordan D. Klein, Ingmar Weber: The COVID-19 pandemic had heterogeneous effects on migration dynamics in PNAS (2025); DOI: 
10.1073/pnas.2529730122

Referenz

G. Chi, G. J. Abel, D. Johnston, E. Giraudy, M. Bailey: Measuring global migration flows using online data in PNAS (2025); DOI: 10.1073/pnas.2409418122

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