19. November 2025 | News | New Position
Neue Max-Planck-Forschungsgruppe zum Thema „Reproductive Ageing”
Interview mit Susie Lee, Leiterin der neu gegründeten Forschungsgruppe
Seit über 50 Jahren sind die Max-Planck-Forschungsgruppen eine wichtige Stütze für Nachwuchswissenschaftler*innen. Sie bieten Postdoktorand*innen erstklassige Unterstützung, um ihnen den wissenschaftlichen Karrieresprung zu ermöglichen. Das Auswahlverfahren für die Positionen als Gruppenleitende ist streng. Susie Lee, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR), ist eine der erfolgreichen Bewerberinnen. Sie wird eine Forschungsgruppe leiten, die sich mit dem Thema „Reproductive Ageing“ beschäftigt.

Die neue Forschungsgruppe wird verschiedene Indikatoren für die reproduktive Alterung von Frauen und Männern untersuchen. Der Fokus liegt dabei auf der Pubertät, Unfruchtbarkeit und Menopause sowie den Folgen der reproduktiven Alterung, beispielsweise den Auswirkungen des Alters der Eltern.
© iStockphoto.com / kate_sept2004

Susie Lee wird eine Max-Planck-Forschungsgruppe zum Thema "Reproductive Aging" leiten, die im April 2026 ihre Arbeit aufnehmen wird. © MPIDR
Susie Lee bewarb sich im September 2024 für die Max-Planck-Forschungsgruppe. Sie gehörte zu den erfolgreichen Bewerber:innen, denen die Möglichkeit eingeräumt wurde, ein eigenes Forschungsteam zum Thema „Reproductive Ageing” zu leiten. Susie Lee wird ihre Gruppe am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ansiedeln. Die Arbeit des Teams wird am 1. April 2026 aufgenommen. Derzeit sucht sie nach Kandidat*innen für ihr Team.
Was ist das zentrale Forschungsthema deiner Gruppe?
„Meine Forschungsgruppe geht von der Prämisse aus, dass sich unsere Reproduktionsfunktionen im Laufe des Lebens verändern, also reproduktiv altern. Ein Kernthema unserer Forschungsgruppe ist das Verständnis der Unterschiede im Tempo und den Auswirkungen des reproduktiven Alterns aus demografischer Perspektive. Untersucht werden verschiedene Indikatoren des reproduktiven Alterns, von der Pubertät über Unfruchtbarkeit bis hin zur Menopause bei menstruierenden Personen, sowie die Folgen des reproduktiven Alterns, z. B. die Auswirkungen des Alters der Eltern.
Warum ist es wichtig, das reproduktive Altern zu untersuchen?
Das Bestreben, das reproduktive Altern zu verlangsamen und seinen negativen Folgen entgegenzuwirken, ist groß. Es herrscht jedoch nach wie vor die Ansicht vor, dass sich das reproduktive Altern bei allen Menschen in ähnlichem Tempo vollzieht und ausschließlich Frauen betrifft. Die vorhandene Literatur weist jedoch bereits auf eine große Heterogenität im Tempo des reproduktiven Alterns hin, die über genetische Unterschiede hinausgeht, sowie auf das eindeutige Vorhandensein und die Bedeutung des reproduktiven Alterns bei Männern. Wir möchten einen Schritt weitergehen und neue Erkenntnisse gewinnen, um die Fragen zu beantworten, warum sich das Tempo des reproduktiven Alterns zwischen einzelnen Menschen und Bevölkerungsgruppen unterscheidet und wie sich das reproduktive Altern bei Männern auf die Nachkommen auswirkt.
Inwiefern unterscheidet sich der Ansatz deiner Forschungsgruppe von bestehenden Forschungsansätzen?
Das reproduktive Altern ist von zentraler Bedeutung für wichtige demografische Trends wie die spätere Elternschaft und die längere Lebenserwartung. Dennoch wurde das reproduktive Altern bisher als biologische Konstante betrachtet, die oft nur für Frauen relevant ist. Aus einer demografischen Perspektive werden wir uns intensiv mit den Unterschieden im reproduktiven Altern, ihren Ursachen und Folgen für verschiedene Geschlechter und Bevölkerungsgruppen befassen.
Was motiviert Dich persönlich, sich mit dem Alterungsprozess der Fortpflanzungsorgane zu beschäftigen?
Meine Ausbildung in biologischer/evolutionärer Anthropologie sowie meine Faszination und Wertschätzung für die biosoziale Natur der menschlichen Fertilität waren der Ausgangspunkt für meine Forschung. Als Demografin bin ich außerdem stets bestrebt, Erkenntnisse auf Bevölkerungsebene zu gewinnen. Letztendlich hoffe ich, dass die Forschungsgruppe einen Beitrag dazu leistet, eine Brücke zwischen den Biowissenschaften und den Sozialwissenschaften zu schlagen. In letzter Zeit wurden in der Fortpflanzungs-, Alterungs- und Gesundheitsforschung spannende Fortschritte erzielt, die jedoch bislang weitgehend unzusammenhängend sind.