30. September 2026 | News | News

Neues Horizon-Europe-Projekt LIFe untersucht Ungleichheiten im Lebensverlauf und zwischen Generationen


Kurz gesagt

  • 3,5 Millionen Euro, 4 Jahre, 8 Partner: LIFe bringt Forschungs und Politikberatungsinstitutionen aus ganz Europa zusammen, um zu untersuchen, wie sich Lebenschancen im Zeitverlauf und über Generationen hinweg entwickeln
  • MPIDR verantwortlich für die  Analysemodelle für  Demografie und Gesundheit: Die von Emilio Zagheni geleitete Abteilung Digitale und Computergestützte Demografie modelliert, wie Fertilität, Migration, Gesundheit und Familienstrukturen Lebensverläufe prägen
  • Evidenz für langfristige politische Entscheidungen: LIFe stellt politischen Entscheidungstragenden Daten und Instrumente zur Verfügung, um Generationengerechtigkeit zu bewerten und langfristige Folgen demografischer Veränderungen und politischer Entscheidungen abzuschätzen

 

 

Menschen unterschiedlichen Alters beim Tauziehen

Generationengerechtigkeit ist mehr als Jung gegen Alt: LIFe untersucht, wie sich Vor- und Nachteile im Laufe eines Lebens aufbauen. © iStockphoto.com / Wavebreakmedia

Ein Kind, das in eine finanziell abgesicherte Familie mit guten Bildungschancen hineingeboren wird, startet unter anderen Voraussetzungen ins Leben als ein gleichaltriges Kind, das mit weniger Ressourcen aufwächst. Zugleich leben beide möglicherweise unter ganz anderen gesellschaftlichen Bedingungen als Menschen, die Jahrzehnte früher geboren wurden. Wie stark sollten die Umstände, in die wir hineingeboren werden (sowohl als Individuen als auch als Angehörige einer Generation) bestimmen, wo wir später im Leben stehen?

Das mit rund 3,5 Millionen Euro im Rahmen von Horizon Europe geförderte Projekt LIFe (Intergenerational Fairness: A Life-Course Approach) soll Instrumente entwickeln, die untersuchen, wie sich Vor- und Nachteile über den gesamten Lebensverlauf hinweg aufbauen. LIFe wird von einem Konsortium aus Forschungs- und Politikberatungsinstitutionen aus ganz Europa getragen. Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) übernimmt dabei eine führende Rolle bei der Modellierung demografischer und gesundheitlicher Entwicklungen.

MPIDR analysiert Lebenswege und demografischen Wandel

„LIFe verfolgt einen Lebensverlaufsansatz. Statt Generationen nur zu einem bestimmten Zeitpunkt miteinander zu vergleichen, also gewissermaßen Momentaufnahmen gegenüberzustellen, wollen wir verstehen, wie sich Vor- und Nachteile im Laufe des Lebens und über Generationen hinweg entwickeln“, erklärt Emilio Zagheni, Direktor am MPIDR und Leiter der Abteilung Digitale und Computergestützte Demografie. „Dabei betrachten wir auch langfristige demografische Entwicklungen und die Rolle politischer Maßnahmen.“

Zwei Menschen, die im selben Jahr und im selben Land geboren wurden, können unterschiedliche Bildungswege einschlagen, mehr oder weniger stabile Beschäftigungsverhältnisse erleben oder zeitweise unbezahlte Sorgearbeit übernehmen. Gleichzeitig erleben beide Entwicklungen, die ihre gesamte Generation prägen können: Sie leben möglicherweise länger als ihre Großeltern, wachsen in einer Gesellschaft mit niedrigeren Geburtenraten oder veränderten Migrationsmustern auf und erleben Reformen bei Rente, Arbeit oder Pflege. LIFe will erfassen, wie solche individuellen Lebenswege mit demografischen und gesellschaftlichen Veränderungen zusammenwirken. Dafür verbindet das Projekt eine Mikroperspektive auf individuelle Lebenswege mit einer Makroperspektive auf ganze Generationen.

Zaghenis Abteilung bringt Expertise in der computergestützten Demografie, insbesondere in computergestützter Modellierung und Mikrosimulation, in das Projekt ein. Das Team wird Prognosen dazu erstellen, wie sich Fertilität, Migration, Gesundheit und Familienstrukturen im Laufe der Zeit entwickeln können, und untersuchen, wie unterschiedliche demografische Entwicklungen oder politische Entscheidungen individuelle Lebenswege verändern könnten.

Evidenz und Instrumente für Entscheidungstragende

LIFe ist von Anfang an darauf ausgelegt, über die Wissenschaft hinaus nutzbar zu sein. Das Projekt startet kurz nachdem die Europäische Kommission im März 2026 ihre erste Strategie zur Generationengerechtigkeit verabschiedet hat. Die Partner bündeln Expertise aus unterschiedlichen Disziplinen und Ländern und entwickeln länderübergreifend einsetzbare Open-Source-Instrumente, die auch über die Projektlaufzeit hinaus genutzt werden können.

Ein Atlas zur Generationengerechtigkeit soll beispielsweise Vergleiche zwischen Ländern ermöglichen. Ein Open-Source-Simulationswerkzeug wird es erlauben, unterschiedliche demografische Entwicklungen und politische Szenarien durchzuspielen. Ziel ist es, Instrumente zu schaffen, die langfristig genutzt und angepasst werden können, um zu zeigen, wie sich unterschiedliche Entscheidungen und Entwicklungen im Laufe der Zeit auswirken könnten.

Letztlich soll LIFe der Politik eine bessere empirische Grundlage für Entscheidungen bieten, deren Folgen sich möglicherweise erst über Jahrzehnte zeigen. Policy Labs, Umfrageexperimente und Dialoge mit relevanten Akteur*innen bringen Forschende mit potenziellen Nutzer*innen zusammen, damit Methoden und Ergebnisse auch außerhalb wissenschaftlicher Kreise diskutiert und erprobt werden.

Projektpartner

Schlagwörter

Generationengerechtigkeit | computergestützte Demografie | Fertilität | Migration | Familienstrukturen | Ungleichheit | Politiksimulation | evidenzinformierte Politikgestaltung

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