29. Oktober 2025 | News | Heirat oder Trennung
Wie Alter und Dauer des Zusammenlebens den Partnerschaftsstatus beeinflussen
Neues statistisches Modell, um die Übergänge von Partnerschaften zu Ehe oder Trennung zu verstehen
Forschende haben ein Modell entwickelt, um die Übergänge von nicht-ehelichen Lebensgemeinschaften zu Ehen oder Trennungen zu analysieren. Neu ist, dass das Modell zwei Zeitskalen gleichzeitig berücksichtigt: das Alter der Person und die Dauer der Lebensgemeinschaft.

Mithilfe einer neuen statistischen Methode haben Forschende des MPIDR untersucht, wie der Übergang zu Heirat oder Trennung stattfindet. Dazu haben sie erstmals zwei Zeitskalen betrachtet. © Novak – stock.adobe.com
Wann ist in Paarbeziehungen der Punkt erreicht, an dem man heiratet oder sich trennt? Reicht es, hierfür die Dauer der Beziehung zu betrachten, oder spielt auch das Alter der Partner*innen eine Rolle? Forschende des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR), des Leiden University Medical Centers, und des Erasmus University Rotterdam Medical Center sind dieser Frage nachgegangen. Dazu verwendeten sie ein kürzlich entwickeltes Modell, welches erlaubt, zwei Zeitskalen gleichzeitig zu betrachten.
„Wir untersuchen, wie die Übergangsraten von einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft zu entweder Heirat oder zur Auflösung der Partnerschaft von zwei Zeitskalen abhängen: dem Alter der Person und der Dauer der Lebensgemeinschaft. Außerdem diskutieren wir, wie Verweildauern, die von mehreren Zeitskalen abhängen, generell in soziodemografischen Prozessen analysiert werden können“, erklärt Angela Carollo, Wissenschaftlerin am MPIDR und Erstautorin der Studie. Für ihre Untersuchungen verwendete das Forschungsteam Daten des Deutschen Familienpanels (pairfam).
Die Studie analysiert die Übergänge von nichtehelicher Lebensgemeinschaft zu Ehe oder Trennung getrennt nach Geschlecht der Personen und nach Wohnort (Ost- vs. Westdeutschland) „Wir stellen fest, dass für den Übergang zur Ehe Alter und Dauer der Partnerschaft in komplexer Weise zusammenwirken. Im Gegensatz dazu werden Übergänge zur Trennung in viel einfacherer Weise von Alter und der Dauer des Zusammenlebens bestimmt“, sagt die Forscherin.

© MPIDR
Westdeutsche Männer, die im Alter zwischen 25 und 30 Jahren eine Lebensgemeinschaft eingehen, haben in den ersten Jahren des Zusammenlebens eine steigende Heiratsrate, die etwa fünf Jahre nach Beginn des Zusammenlebens ihren Höhepunkt erreicht. Frauen und Männer, die in Ostdeutschland leben, heiraten hingegen viel seltener als Personen, die in Westdeutschland leben.
Die Übergangsraten vom Zusammenleben zur Auflösung der Partnerschaft sind einheitlicher. Personen, die vor ihrem 20. Lebensjahr die Partnerschaft eingehen, haben die höchsten Trennungsraten und zwar nur wenige Jahre nach Beginn der Lebensgemeinschaft. Mit zunehmender Dauer des Zusammenlebens und mit steigendem Alter der Personen nehmen die Trennungsraten stetig ab.
„Frühere Forschungen zum Thema Beziehungsergebnisse von nichtehelichen Lebensgemeinschaften modellieren in der Regel die Heirats- oder Trennungsraten über die Dauer der Lebensgemeinschaft. Das Alter wird oft nur in vergröberter Form berücksichtigt. Unser Ansatz erlaubt, beide Zeitskalen flexibel und gleichberechtigt einzubeziehen und auch ihr Zusammenwirken zu analysieren“, erklärt Carollo. „In der soziodemografischen Forschung gibt es viele Beispiele für Prozesse, die sich über mehr als eine Zeitskala entwickeln. Unser Ansatz eröffnet somit die Chance auf neue Erkenntnisse über die konkrete Anwendung der Studie hinaus.“
Originalpublikation
Angela Carollo, Hein Putter, Paul H.C. Eilers, Jutta Gampe: Analysis of Time-to-Event Data With Two Time Scales. An Application to Transitions out of Cohabitation in Sociological Methods & Research (2025); DOI: 10.1177/00491241251374193
Carollo, A.; Eilers, P. H. C.; Gampe, J.:
Software. The Comprehensive R Archive Network: CRAN. (2024)
Keywords
Zeit-bis-zum-Ereignis-Daten; Bivariate Hazard-Glättung; P-Splines; Zusammenleben; Ehe; Trennung