08. Juli 2025 | News | Leseempfehlung
Wie hängt Depression mit Kinderlosigkeit zusammen?
Eigene Depression, Depression des Partners und Kinderlosigkeit: Eine landesweite, registerbasierte Studie
In einer im November veröffentlichten Studie untersuchten Sanna Kailaheimo-Lönnqvist, Mikko Myrskylä und ihre Kolleg*innen vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) sowie der Universität Helsinki den Zusammenhang zwischen Depressionen, gemessen anhand der Einnahme von Antidepressiva, und Kinderlosigkeit. Mithilfe von Daten aus dem finnischen Bevölkerungsregister für Kohorten, die zwischen 1977 und 1980 geboren wurden, stellten sie einen positiven Zusammenhang zwischen Depressionen und Kinderlosigkeit fest.

Die jährliche Wahrscheinlichkeit, Vater zu werden, war bei Männern mit Depressionen um 1,6 Prozentpunkte niedriger. © istockphoto.com/KatarzynaBialasiewicz
- Der aktuelle Beziehungsstatus erklärt diesen Zusammenhang teilweise.
- Sowohl eigene Depressionen als auch die des Partners stehen in einem positiven Zusammenhang mit Kinderlosigkeit.
- Die Wahrscheinlichkeit, kinderlos zu bleiben, ist höher, wenn beide Partner an Depressionen leiden.
Die Forschenden kamen zu dem Ergebnis, dass Depressionen Kinderlosigkeit vorhersagen. Die jährliche Wahrscheinlichkeit, ein Kind zu bekommen, war bei Frauen mit Depressionen um 2,7 Prozentpunkte und bei Männern mit Depressionen um 1,6 Prozentpunkte niedriger als bei Menschen ohne Depressionen. Nach Berücksichtigung von Hintergrundvariablen wie Bildung war die Wahrscheinlichkeit, ein Kind zu bekommen, bei Frauen mit Depressionen um 1,9 Prozentpunkte und bei Männern mit Depressionen um 0,3 Prozentpunkte niedriger. Ein Teil dieses Zusammenhangs ließ sich durch den Partnerschaftsstatus erklären, insbesondere bei Männern: Depressionen stehen in Zusammenhang mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit, einen Partner zu haben, was wiederum die Kinderlosigkeit erhöht.

© MPIDR
Insgesamt waren 41 % der Männer und 26 % der Frauen, die im Alter zwischen 18 und 38 Jahren an Depressionen litten, im Alter von 39 Jahren kinderlos, verglichen mit 30 % der Männer und 22 % der Frauen ohne Depressionen. Die Prävalenz der Kinderlosigkeit war besonders hoch, wenn beide Partner an Depressionen litten. Somit scheint die Häufung von Depressionen innerhalb von Paaren ein wichtiger Faktor für die Wahrscheinlichkeit zu sein, ein Kind zu bekommen.
Diese Studie über Depressionen und Kinderlosigkeit unterstreicht die Notwendigkeit verbesserter Unterstützungssysteme für Menschen mit Depressionen. Die Forscher*innen zeigen, dass die Folgen von Depressionen aus einer breiteren Perspektive betrachtet werden sollten, indem die Partnerschaftsgeschichte des Einzelnen und mögliche Merkmale des Partners bzw. der Partnerin einbezogen werden. Bei der Unterstützung von Menschen, die sich eine bestimmte Anzahl von Kindern wünschen, sollten Fachleute einen breiteren Fokus auf das Leben der Betroffenen legen und sich nicht nur auf einzelne Aspekte konzentrieren. Dies wird durch die Studie deutlich.
Originalpublikation
Kailaheimo-Lönnqvist, S., Moustgaard, H., Martikainen, P., Myrskylä, M.: Own depression, partner's depression, and childlessness: A nationwide register-based study. Social Science & Medicine (2024). DOI: 10.1016/j.socscimed.2024.117356
Keywords
Depression, Kinderlosigkeit, Mentale Gesundheit, Finnland