21. April 2026 | News
Zukunft der Bildung: Max-Planck-Gesellschaft startet interdisziplinäres Forschungsprojekt „EduTrack“
Die Max-Planck-Gesellschaft startet ein Forschungsprojekt um zu untersuchen, wie sich Bildung angesichts rascher gesellschaftlicher Veränderungen wandeln muss. Ab April 2026 schafft das sechsjährige Projekt „EduTrack“ den Rahmen für eine Zusammenarbeit zwischen Forschenden aus drei Max-Planck-Instituten. Expertinnen und Experten aus den Bereichen Demografie, Geschichte, Informatik und Politikwissenschaft werden zusammenarbeiten, um neue Erkenntnisse über digitale Bildung, die Globalisierung von Wissen sowie die Auswirkungen von Bildung auf Aufstiegschancen, Krisenresilienz und Demokratie zu gewinnen.

© istockphoto.com / Unaihuiziphotography
Das Projekt wird von Population Europe geleitet, einem europaweiten Wissenschaftsnetzwerk, das die politische Relevanz der Forschung sicherstellt.
EduTrack wurde initiiert als Reaktion auf eine Reihe globaler Megatrends, welche die Funktionalität von Bildungssystemen gefährden, wenn politisch nicht reagiert wird. Zwei dieser Megatrends sind der demografische und der technologische Wandel. Da das Erwerbsleben länger wird und die Digitalisierung Arbeitsplätze in immer schnellerem Tempo verändert, steigt das Risiko, dass die Qualifikationen der Menschen im Laufe ihres Berufslebens mindestens einmal vollständig veralten. Ein aktueller Bericht der Europäischen Kommission warnt vor einer solchen „Veralterung von Qualifikationen“ und fordert „einen strukturellen Wandel, weg von einem linearen ‚Pipeline‘-Karrieremodell hin zu einem ‚zyklischen‘ Modell, das lebenslanges Lernen institutionalisiert“. (Quelle)
Gleichzeitig wird Wissen einerseits zunehmend globalisiert und andererseits immer stärker geschichtet. Berichte zeigen, dass Bildung in Europa nicht mehr als „sozialer Aufzug“ fungiert (Quelle).
Dies kann zu einem Problem für den Zusammenhalt und die Entwicklung von Gesellschaften werden. Als Präsident der MPG erklärte Patrick Cramer 2025 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Bildungsdefizite verringern die Startchancen vieler junger Menschen, hängen mit sozialer Benachteiligung zusammen und wirken sich negativ auf die Gesundheit der Menschen aus.“ (Quelle) Der MPG-Präsident forderte von der Wissenschaft ihrer Rolle als Politikberaterin zu erfüllen und betonte, dass Wissenschaft „eine solide Grundlage für den politischen Entscheidungsprozess bietet, vermeintlich einfache Lösungen als unzureichend entlarvt und nachhaltige Handlungsoptionen aufzeigt.“
Die vier Partner von EduTrack werden neue Erkenntnisse gewinnen, die als Ausgangspunkt für die Transformation des Lernens, der Forschungslandschaft und des Arbeitslebens dienen sollen.
Die Partner und ihre Forschungsschwerpunkte:
Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock: Soziodemografische Rahmenbedingungen prägen Bildungswege – und umgekehrt. Das MPI für demografische Forschung ist weltweit führend in der Analyse von Bevölkerungsdynamiken. Die EduTrack-Forscherinnen und -forscher in Rostock werden das Zusammenspiel von Bildung mit Gesundheit, Familiengründung, Beschäftigung und Migration untersuchen. Dies wird uns helfen, die Rolle der Bildung bei der Chancengleichheit zu verstehen sowie Ungleichheiten und Barrieren aufzudecken, die Bildungs- und Karrierewege beeinflussen. Das Team wird von Daniela Perrotta und Alyson van Raalte geleitet (Direktoren: Emilio Zagheni und Mikko Myrskylä).
Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin: Gesellschaften erschaffen wissenschaftliches und technologisches Wissen, doch wie geben sie dieses über Epochen und Regionen hinweg weiter und gestalten es neu? Am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin wird das EduTrack-Forschungsteam untersuchen, wie Migration, soziale Mobilität und digitaler Zugang den Wissensaustausch zwischen Asien und Europa neu gestalten. Ausgehend von historischen Perspektiven wird das Projekt die Auswirkungen aktueller Entwicklungen untersuchen – von „Grassroots“-Wissenspraktiken bis hin zu nationalen Digitalisierungsstrategien. Die Forschung wird die jüngere Vergangenheit in einen längeren historischen Kontext einordnen und dadurch neue vergleichende Erkenntnisse gewinnen, welche die die Zusammenarbeit im Hochschulbereich und der akademischen Forschung stärken sollen. Das Team wird von Lisa Onaga und Shih-Pei Chen geleitet (Direktorin: Dagmar Schäfer).
Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialwissenschaft, Göttingen: Aufgrund von Unterfinanzierung, Digitalisierung und der Anfechtung liberal-demokratischer Werte stehen öffentliche Bildungssysteme weltweit unter zunehmendem Druck. Wie entwickeln sich die Überzeugungen und Einstellungen von Lehrkräften, während Bildungssysteme raschen Wandel durchlaufen? Die Forschungsgruppe „Teachers, Inequality, and Collective Action“ (TICA) untersucht Lehrkräfte als soziale und politische Akteure. Die Gruppe erforscht die Wahrnehmung von Bildungswandel und Ungleichheit durch Lehrkräfte, ihre politischen Werte und ihr kollektives Engagement, wobei der empirische Schwerpunkt vor allem auf dem Nahen Osten und Nordafrika liegt. Die Gruppe wird von Hania Sobhy unter der Leitung von Steven Vertovec geführt.
Population Europe (Berlin): Neben der Forschung wird ein „Policy Lab“ den Dialog zwischen Forschenden und dem politischen Betrieb fördern. Dieses Lab besteht aus öffentlichen Dialogveranstaltungen während der gesamten Laufzeit des EduTrack-Projekts. Es wird von Population Europe betrieben – dem Netzwerk der führenden demografischen Forschungszentren Europas. Das Netzwerk bietet einen internationalen Wissenspool aus politikrelevanter Forschung. 41 Partnerinstitute und mehr als 250 Expertinnen und Experten beraten zu Themen wie Bildung, sozialer Zusammenhalt, Gesundheit, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.
Anfang 2026 haben die Teams mit der Einrichtung ihrer Forschungsprojekte begonnen. Öffentliche Veranstaltungen, um Entscheiderinnen und Entscheider in die Forschung einzubeziehen, beginnen Anfang 2027.
EduTrack, finanziert von der Max-Planck-Gesellschaft:
www.population-europe.eu/edutrack
Pressekontakt: press@population-europe.eu
