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Rostock´s Eleven | 04.06.2019

Gleichberechtigung setzt sich nur langsam durch

© javiindy / photocase.com

Wer einen hohen sozialen Status hat, genießt Ansehen und wird für kompetent gehalten. Wer einen geringen sozialen Status hat, dem traut man weniger zu. Doch wie kann sich langfristig die überwiegende Haltung einer Gesellschaft gegenüber einer ihrer Subgruppen ändern? Dieser Frage geht der MPIDR-Forscher André Grow nach. Das ist wichtig, weil die Antwort zum Beispiel auch die Erklärung dafür liefern könnte, warum Frauen in Industrienationen immer noch einen geringeren sozialen Status haben als Männer, obwohl sie im Schnitt besser gebildet sind. Über seine Ergebnisse berichtet der Forscher am 5. Juni 2019 anlässlich von Rostock's Eleven.

Wer einen hohen sozialen Status hat, dem spricht man Kompetenz zu. Wer einen geringen sozialen Status hat, dem traut man weniger zu. Es gibt Studien, die zeigen, dass Afroamerikaner als weniger kompetent wahrgenommen werden als ihre weißen Mitbürger*innen. In Ungarn sind es die Roma, die, unabhängig von ihrer tatsächlichen Qualifikation, als weniger fähig angesehen werden. Nicht anders ergeht es den Frauen in den Industrienationen, die trotz ihres im Schnitt höheren Bildungsniveaus immer noch einen geringeren sozialen Status haben. Die klassischen Modelle, die sich an der Erklärung versuchen, wie sich der soziale Status in einer Gesellschaft bildet, gehen davon aus, dass sich Menschen in der persönlichen Interaktion eine Meinung über den sozialen Status und die Kompetenz ihres Gegenübers bilden. Diese Meinung verbreitet sich nach und nach in der Bevölkerung. MPIDR-Forscher André Grow hat seine Zweifel an den bestehenden Modellen und hat sie deshalb ergänzt. In seinem erweiterten Modell geht er zum einen davon aus, dass Menschen ihre Meinung nicht so einfach ändern, wenn in ihrem direkten sozialen Umfeld Konsens über den sozialen Status einer Bevölkerungsgruppe besteht. Er nimmt außerdem an, dass persönlicher Austausch sehr häufig nur innerhalb von festen, regionalen Netzwerkstrukturen stattfindet, was einen Umschwung der Haltung gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen erschwert. Solche Modelle zu entwickeln ist wichtig, denn sie helfen den Wissenschaftler*innen besser zu verstehen, wie gesellschaftliche Veränderungen vonstattengehen. André Grows Modell könnte zum Beispiel die Erklärung dafür liefern, warum Frauen in Industrienationen immer noch einen geringeren sozialen Status als Männer haben, obwohl sie gebildeter sind und auch das Lohnniveau zwischen den Geschlechtern sich langsam angleicht.

Über Rostock's Eleven

Rostock's Eleven ist ein gemeinsames Projekt aller Forschungseinrichtungen in Rostock. Im Rahmen des Projektes stellen sich elf junge Nachwuchswissenschaftler*innen aus elf Rostocker Forschungseinrichtungen elf Wissenschaftsjournalisten aus dem gesamten Bundesgebiet und präsentieren ihnen ihre Forschungsprojekte. Am Endes des Tages wird der beste Vortrag ausgezeichnet.

Mehr Informationen

Broschüre Rostock's Eleven 2019 (PDF, 2 MB)

www.rostock365.de

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