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Sabbatical Award | 29.08.2019

Tragen Todesfälle in der Familie zu sozialer Ungleichheit bei?

Emily Smith-Greenaway im Bus mit Frauen, die die Forschungsumfrage als Intervwierinnen durchführten.

© Emily Smith-Greenaway

Beeinflusst der Tod eines Familienmitglieds die Wahrnehmung, das Verhalten und das Wohlbefinden der Hinterbliebenen so sehr, dass er zu sozialer Ungleichheit beiträgt? Emily Smith-Greenaway geht dieser Frage nach und wertet deshalb Daten aus einer Forschungsumfrage aus, die sie im Moment in Malawi durchführt. Ihr Projekt wird durch den Max Planck Sabbatical Award finanziert.

Frau Smith-Greenaway, Sie arbeiten derzeit in Malawi in Südostafrika an einem Feldforschungsprojekt und führen eine Umfrage unter jungen Frauen durch. Was genau machen Sie?

Wir stellen jungen Frauen breitgefächert Fragen über ihr Leben. Mit Hilfe der Ergebnisse untersuchen Forscher*innen wichtige demografische Prozesse wie Fertilität, Migration und Mortalität. Außerdem haben wir Umfragemodule eingebaut, die es erlauben, auch weniger eindeutig messbare Forschungsfelder der Demografie zu beleuchten: etwa das Sexual- und Reproduktionsverhalten von Frauen, ihr Wohlbefinden und ihre Gesundheit, ihre Erfahrungen mit HIV, ihre Wahrnehmung von sozialen Veränderungen, ihren Blick auf die Zukunft oder ihr Vertrauen in Institutionen.

Wie sieht diese Forschungsumfrage genau aus?

Wir sammeln eine neue Welle Paneldaten einer Kohorte junger Frauen im Alter von 21 bis 35 Jahren, die in Balaka in Malawi leben. Sie haben sich für die Längsschnittforschungsumfrage Tsogolo la Thanzi angemeldet, die schon 2009 begann. Um sicherzustellen, dass unsere Befragung repräsentativ ist, haben wir etwa 1.200 neue Frauen in die Studie aufgenommen. Dieses Projekt können wir dank der Finanzierung durch die Max-Planck-Gesellschaft und den Max Planck Sabbatical Award durchführen.

Frauen in Malawi, die als Interviewerinnen die Umfrage Tsogolo la Thanzi durchführen.

© Emily Smith-Greenaway

Warum sind diese Daten wichtig?

Diese Daten werden für Sozialwissenschaftler*innen und Demograf*innen mit ganz verschiedenen Forschungsschwerpunkten interessant sein. Deshalb wollen wir eine anonymisierte Version der Daten für jeden, der sie nutzen möchte, online öffentlich anbieten.

Das alles klingt nach viel Arbeit, sehr wahrscheinlich zu viel für eine Forscherin allein. Wer arbeitet mit Ihnen am Projekt?

Genau! Deshalb habe ich die ganze Zeit von „wir“ gesprochen! Es ist ein großes Projekt, und zum Glück haben wir richtig viele talentierte und erfahrene Köpfe an Board. „Wir“ und damit Teil vom Team sind: unsere malawischen Mitarbeiter*innen, darunter unser Projektkoordinator, Empfangspersonal und Datenteam. Außerdem arbeiten 16 Interviewer, meine Kooperationspartnerinnen in den USA, Jenny Trinitapoli und Sara Yeatman, sowie Student*innen und Doktorand*innen der University of Southern California, University of Chicago und der University of Texas in Austin am Projekt mit.

Wie sieht ein typischer Tag für Ihr Team und Sie aus?

Wir hatten einen sehr produktiven Sommer! Keine zwei Tage waren gleich.

Jetzt werden wir neugierig...

Mit der Datenerhebung haben wir im Juni begonnen: ein Team aus 25 Interviewern hat eine vollständige Liste aller Haushalte im Umkreis von sieben Kilometern um die Stadt Balaka erstellt. Das Team ist dafür in mehr als 200 Dörfern zu jedem Haus gegangen und sammelte Daten über die gut 17.000 Haushalte und 78.000 Menschen in unserem Untersuchungsgebiet. Daraus zogen wir eine neue Stichprobe der Umfrageteilnehmerinnen. Anschließend haben wir den Fragebogen fertiggestellt, ihn in die Landessprache Chichewa übersetzen und zurückübersetzen lassen, neue Interviewer*innen eingestellt und ausgebildet, und den Fragebogen programmiert. In zwei Nachbardörfern führten unsere Interviewer*innen dann testweise die Umfrage durch. Nach dem Pilotprojekt und der Anpassung des Fragebogens schickten wir unsere Interviewer wieder in die Dörfer. Die Interviews mit 2.400 Umfrageteilnehmerinnen begannen Anfang August 2019 und dauern bis November 2019.

Mitglieder des Projektteams in Malawi.

© Emily Smith-Greenaway

Das klingt nach einem wirklich erfolgreichen Sommer. Was wollen Sie machen, wenn die Umfrage abgeschlossen ist?

Mir ermöglichen diese Daten, ein neues Forschungsprojekt anzustoßen. Aktuell untersuche ich, wie Lebensbedingungen in jungen Jahren zu gesundheitlicher Ungleichheit und später auch zu höherem Sterberisiko beitragen. Deshalb schaue ich mir an, wie Sterbefälle in der Familie die Wahrnehmung, das Verhalten und das Wohlbefinden der Hinterbliebenen grundlegend verändern.

Und wie unterstützt der mit 150.000 Euro dotierte Max Planck Sabbatical Award Ihre Forschung?

Der Sabbatical Award hat wesentlich dazu beigetragen, das Projekt umzusetzen. Die Auszeichnung ermöglichte es mir nicht nur, ein Semester am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) zu forschen, sondern finanzierte auch unser Budget für die neue Umfrage. Ich freue mich sehr darüber, als junge Wissenschaftlerin mit diesem Preis ausgezeichnet worden zu sein und bin mir sicher, dass es meine weitere Karriere positiv beeinflusst.

Mehr Informationen

Emily Smith-Greenaways Webseite: emilysmithgreenaway.org

Über die Längsschnittstudie Tsogolo la Thanzi (TLT)  in Balaka, Malawi: tsogololathanzi.uchicago.edu and onlinelibrary.wiley.com

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