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News | 04.02.2018

Emilio Zagheni ist neuer MPIDR-Direktor

Emilio Zagheni ist zum neuen Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) ernannt worden. Der 36-jährige Italiener wird das Institut gemeinsam mit Mikko Myrskylä leiten. Einer seiner Forschungsschwerpunkte wird das Thema Migration sein.

Nachdem Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, die Verträge unterzeichnet hat, tritt Zagheni mit sofortiger Wirkung die Nachfolge von Gründungsdirektor James W. Vaupel an.

In den ersten Monaten wird er zeitweise am Institut arbeiten, um seine derzeitigen Aufgaben als Professor für Soziologie an der Universität von Washington, Seattle, USA, weiter wahrnehmen zu können.

Zagheni studierte Wirtschafts-, Statistik- und Sozialwissenschaften an der Bocconi Universität in Mailand, Italien, gefolgt von einem Master in Statistik und einer Promotion in Demografie an der University of California, Berkeley, USA. Bevor er die Professur an der University of Washington antrat, war Zagheni Assistant Professor an der City University New York und Wissenschaftler am MPIDR.

"Ich glaube, dass eine der wichtigsten Fragestellungen, die Demografen jetzt bearbeiten müssen, die folgende ist: ‘Wie können wir Migration und die Integration von Migranten vor dem Hintergrund  alternder Bevölkerungen und unerwartet auftretender Krisen bewältigen?’,” sagt Zagheni. Er ist davon überzeugt, dass diejenigen Gesellschaften, die die positive Kraft der Migration gut zu nutzen wissen und sich an die Veränderungen in der Zusammensetzung und in der Altersstruktur ihrer Bevölkerung anpassen, erfolgreich sein werden. Er fügt hinzu: “Dies werden die Gesellschaften sein, denen es gelingen wird, ein hohes Wohlstandsniveau zu erreichen.”

"Populationsdynamiken im Kontext von Migration, Altern und Generationenbeziehungen können nicht losgelöst von der gleichzeitig stattfindenden digitalen Revolution betrachtet werden. Die weltweite Verbreitung von Internet, sozialen Medien, Smartphones und aller Arten von Ortungsgeräten sowie die deutlich verbesserten Rechenleistungen revolutionieren nicht nur unser Leben, sondern auch die Sozialwissenschaften,” sagt er. Deswegen ist eine seiner Prioritäten die Entwicklung der digitalen und computergestützten Demografie weiter voranzutreiben. Dieses Forschungsfeld konzentriert sich auf die Nutzung der so genannten “digital bread crumbs”, also der digitalen Spuren, die jeder einzelne hinterlässt, um den demografischen Wandel zu messen und zu prognostizieren. Diese Daten können auch dabei helfen, die Auswirkungen der digitalen Revolution auf das demografische Verhalten zu bewerten.

Zagheni hat auch vor, Partnerschaften mit Universitäten, der Industrie und anderen Organisationen in Deutschland und Europa zu stärken und neue Kooperationen über Europa hinaus zu schaffen. Zum Beispiel plant er gemeinsame Ausbildungsinitiativen für Doktoranden mit der University of Washington, Seattle.

Zagheni, der in Italien geboren und aufgewachsen ist, kommt gerne nach Rostock zurück, wo er bereits von 2010 bis 2012 am MPIDR forschte: "Nach Rostock zurückzukehren schliesst den Kreis und eröffnet zugleich ein neues Kapitel. Bei meinem ersten Aufenthalt in Rostock hatte ich erstmals die Möglichkeit, ein neues wissenschaftliches Feld zu erkunden und mit digitalen Trace-Daten zu arbeiten, indem ich E-Mail-Daten von yahoo! nutzen konnte, um Migrationsströme zu schätzen. Das war der Anfang der digitalen Demografie. Damals habe ich zusammen mit einer kleinen interdisziplinären Gruppe von Forschern den Grundstein für die Bildung einer Gemeinschaft gelegt, die sich darauf konzentriert, digitale Trace-Daten für die demografische Forschung zu nutzen. Jetzt fühle ich mich geehrt, das Institut zu einer Heimat für die digitale und computergestützte Demografie zu machen. Ich bin gespannt darauf, jungen Forschern am MPIDR zu ermöglichen, große Ideen zu verfolgen, die die Demografie grundlegend voranbringen. Zudem ich freue mich, diese Reise gemeinsam mit der tollen Gemeinschaft von Wissenschaftlern und Mitarbeitern des MPIDR anzutreten."

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