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Neue Veröffentlichung | 06.01.2016

Gewalt lässt Lebenserwartung in Mexiko sinken

Verbesserungen in der Gesundheitsversorgung, in der Ernährung und im Lebensstandard haben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dazu beigetragen, dass die Lebenserwartung in Mexiko anstieg. Dieser Trend verlangsamte sich aber Anfang des neuen Jahrhunderts und kehrte sich ab 2005 um. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Studie, die der EDSD-Doktorand José Manuel Aburto gemeinsam mit Kollegen aus Mexiko, den USA und Dänemark heute in der Zeitschrift Health Affairs veröffentlicht hat. Die Wissenschaftler stellten fest, dass der Grund für die Stagnation der Lebenserwartung der Anstieg der Mordraten ist.

Wie in den meisten lateinamerikanischen Ländern wuchs die Lebenserwartung in Mexiko in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stetig. Von 1940 bis 2000 erhöhte sie sich um etwa vier Jahre pro Jahrzehnt. Dieser Trend kehrte sich aber ab 2005 ziemlich abrupt um: Die Lebenserwartung der Frauen wuchs langsamer und die Sterblichkeit bei den Männern stieg drastisch an, was zu einer Verringerung der Lebenserwartung in allen 32 mexikanischen Staaten führte. Und das obwohl in der gleichen Zeit eine Gesundheitsreform auf den Weg gebracht wurde, die allen Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung verschaffte. In der Studie, die jetzt in der Fachzeitschrift Health Affairs erschienen ist, untersuchten José Manuel Aburto und seine Kollegen welche Auswirkungen verschiedene Faktoren auf die Lebenserwartung in Mexiko haben. Das ist zum einen der Zugang zu medizinischer Versorgung, der von der Gesundheitspolitik gesteuert werden kann. Zum anderen untersuchten sie, inwieweit Diabetes-Erkrankungen und Mord Einfluss auf die Entwicklung der Mortalität in dem südamerikanischen Land haben.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass der Anstieg der Mortalität bei den Männern zum Teil auf Diabetes-Erkrankungen zurückführen ist. Deutlich mehr ins Gewicht fielen aber die Morde.  Die Mordrate hat sich in Mexiko zwischen 2005 und 2010 mehr als verdoppelt und ist in einigen Gegenden geradezu in die Höhe geschnellt. So zum Beispiel in Chihuahua, dem nördlichsten mexikanischen Bundesstaat der an New Mexico und Texas in den Vereinigten Staaten grenzt. In dem Staat sank die Lebenserwartung in dem Zeitraum von 2005 bis 2010 um drei Jahre.

Ein weiteres Ergebnis: Obwohl heute die meisten Menschen in Mexiko Zugang zu Gesundheitsleistungen haben, bleiben weiterhin große gesundheitliche Ungleichheiten zwischen den Staaten bestehen. Doch besorgniserregender ist die hohe Mordrate: "Der Anstieg der Mordrate in Mexiko seit 2005 hat die Errungenschaften der verbesserten Gesundheitsversorgung zunichte gemacht", sagt José Manuel Aburto. Es sei offensichtlich, dass die Politik der mexikanischen Regierung in den vergangenen 10 Jahren nicht dazu beigetragen habe, die Gewalt in den Griff zu kriegen. Diese Politik sollte beendet und neue Strategien entwickelt werden, mit denen man die negativen Auswirkungen der Gewalt auf den Gesundheitszustand der mexikanischen Bevölkerung zurückdrängen kann, fassen die Autoren zusammen.

José Manuel Aburto ist Doktorand in der European Doctoral School of Demography (EDSD), die in diesem Jahr an der Università de la Sapienza in Rom, Italien stattfindet. Betreut wird er von den MPIDR-Wissenschaftlern Alyson van Raalte und Tim Riffe.

Die European Doctoral School of Demography (EDSD) ist ein elfmonatiges Ausbildungsprogramm, das vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) organisiert wird. Es richtet sich an Studenten mit einem Masterabschluss, die sich im ersten Jahr ihrer Promotion befinden. In der Schule wird den Studenten ein solides Basiswissen über die Ursachen und Konsequenzen des demografischen Wandels, über Populationsdaten, statistischen und mathematische Demografie, Modellierung, Simulation und Vorhersagen vermittelt. Die Lehre übernehmen führende internationale Experten für ihr jeweiliges Fachgebiet.

Mehr Informationen

Homicides in Mexico reversed life expectancy gains for men and slowed them for women, 2000–10, José M. Aburto, Hiram Beltrán-Sánchez, Victor M. García-Guerrero, and Vladimir Canudas-Romo,  Health Affairs 35, No. 1 (2016), DOI: 10.1377/hlthaff.2015.0068

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