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Pressemitteilung | 19.04.2004

Das MPIDF im Überblick

Am Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock, bestehen zwei wissenschaftliche Abteilungen. Die Forschungsprogramme der beiden Abteilungen befassen sich zum einen mit Altern, zum anderen mit Fertilität und Familienentwicklungen. Für beide Abteilungen leistet das Labor für demografische Daten Zuarbeit. Diese beinhaltet die Sammlung, Aufbereitung und Bereitstellung demografisch relevanter Daten wie auch eigene Datenerhebungen, die in Kooperation mit den beiden Abteilungen unter Bezug auf deren Forschungsprogramme durchgeführt werden.
Die Arbeit des Instituts konzentriert sich auf Grundlagenforschung, die interdisziplinär angelegt ist; insbesondere werden Bio- und Sozialwissenschaften miteinander verbunden. Demografen, Mathematiker, Statistiker, Soziologen, Ökonomen, Biologen, Anthropologen, Mediziner, Psychologen, Politikwissenschaftler und Geografen forschen gemeinsam. Sie kommen aus über 20 Ländern, unter anderem aus Deutschland, Russland, den USA, aus China, Österreich, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Japan und Skandinavien.
Das Forschungsprogramm Altern (Prof. James W. Vaupel) widmet sich der Erforschung jener Faktoren, die Altern, Langlebigkeit und Sterblichkeit bestimmen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung der Mortalität im hohen Alter, da die medizinischen und ökonomischen Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte Todesfälle weitgehend auf das fortgeschrittene Alter verschoben haben. Vor dem Hintergrund steigender Lebenserwartung und einer zunehmenden Zahl älterer Menschen richtet sich das Interesse darauf, allgemeine Trends wie auch Unterschiede von Alterungsprozessen und Entwicklungen von Langlebigkeit und Mortalität in verschiedenen Ländern zu erfassen. Untersucht wird insbesondere, welche sozialen und biologischen Faktoren einen Einfluss auf Langlebigkeit haben und wie diese durch spezifische Bedingungen in den einzelnen Ländern geprägt werden. Dabei wird auch versucht, genaueren Aufschluss über die Lebenserwartung in früheren Gesellschaften und Kulturen zu erhalten. Einen Schwerpunkt bilden dabei neue Methoden, mit denen Altersbestimmungen, die sich auf archäologische Funde stützen, genauer vorgenommen und exaktere Aussagen als bisher gemacht werden können.

Bestandteil des Forschungsprogramms ist außerdem die theoretisch geleitete Weiterentwicklung mathematisch-statistischer Methoden und Analyseverfahren, um aus der Vielzahl potentieller "Überlebens"-Eigenschaften diejenigen herauszufiltern, die Langlebigkeit entscheidend beeinflussen, und um das relative Gewicht einzelner solcher Faktoren bestimmen zu können. Schließlich werden Erkenntnisse der Biodemografie einbezogen, die Langlebigkeit an Hand von Experimenten mit Kleinstlebewesen zu erklären versucht. Im Institut werden dazu Experimente mit Hefekulturen durchgeführt.
Im Forschungsprogramm Fertilität und Familienentwicklungen (Prof. Jan M. Hoem) werden Geburten- und Familienentwicklungen im heutigen Europa untersucht. Ausgangspunkt ist dabei, dass in allen hochentwickelten Gesellschaften (besonders ausgeprägt in Europa) die Geburtenraten sinken und neue Familienformen, wie nichteheliche Lebensgemeinschaften, Einelternfamilien und Stieffamilien, immer häufiger werden. Obwohl es ausgeprägte regionale Unterschiede im Fertilitäts- und Familienverhalten in Europa, zum Beispiel zwischen Ost- und Westdeutschland, zwischen Süd- und Norditalien, zwischen den skandinavischen Ländern sowie zwischen nord-, zentral-, süd- und osteuropäischen Ländern gibt, zeigen sich auch allgemeine Trends. Es ist das Ziel dieses Forschungsprogramms, Ausprägungen und Abläufe solcher Entwicklungen sowie die dafür ausschlaggebenden Faktoren interdisziplinär zu untersuchen und zu erklären.
Aus demografischer, ökonomischer, soziologischer, politikwissenschaftlicher und geschlechtsspezifischer Perspektive wird dabei zu bestimmen versucht, wie bedeutsam soziale, ökonomische, kulturelle und wohlfahrtsstaatliche Einflüsse für sich und im jeweiligen Zusammenspiel miteinander sind und wie sich Wertvorstellungen und Wertewandel auf Familien- und Geburtenverhalten auswirken.
Zur Zeit stehen folgende Themen im Fokus: (1) Parallelität demografischer Prozesse im Lebensverlauf, (2) Zusammenhänge zwischen institutionellen und politischen Rahmenbedingungen auf der einen Seite und generativem Verhalten auf der anderen, sowie (3) Einfluss individueller sozialer Kontexte auf Fertilität und Familiendynamik.
Diesem Forschungsprogramm ist seit November 2003 eine neue selbstständige Nachwuchsgruppe zugeordnet, die sich unter dem Titel Die Kultur der Reproduktion (Dr. Laura Bernardi) mit kulturellen Aspekten von Familien- und Fertilitätsentscheidungen befasst.
Als Ergänzung der eigenen Forschungsarbeit gibt das Institut die online-Zeitschrift Demographic Research heraus, und es ist die Kernorganisation der International Max Planck Research School for Demography. Sie beruht auf einer Kooperation des Instituts mit der Universität Rostock, weiteren europäischen Universitäten und Forschungseinrichtungen und bietet Doktoranden aus dem In- und Ausland mit einer breiten Palette von Fortgeschrittenen-Kursen und intensiver wissenschaftlicher Betreuung, die einzelne Institutionen kaum anbieten können, die Möglichkeit, sich unter exzellenten Forschungs- und Lernbedingungen auf die Promotion vorzubereiten. Zudem richtet das Institut gegenwärtig zusammen mit der Universität das Rostocker Zentrum zur Erforschung der Ursachen und Konsequenzen des demografischen Wandels ein.

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