17. Januar 2020 | News | Lebenserwartung in Deutschland

Im internationalen Vergleich gering: Regionale Unterschiede in der Lebenserwartung

Auch wenn es wirtschaftliche Unterschiede zwischen den Bundesländern in Deutschland gibt, sind die Unterschiede in der Lebenserwartung gering.
© ewg3D/iStockphoto.com

Verglichen mit anderen OECD-Staaten sind die regionalen Unterschiede in der Lebenserwartung in Deutschland gering – trotz unterschiedlicher Wirtschaftsleistung.

Reich wird reicher, arm bleibt arm: Seit einigen Jahren wachsen in den meisten Wirtschaftsnationen die Unterschiede in der Wirtschaftsleistung ihrer einzelnen Regionen. Deutschland ist da keine Ausnahme: starker Süden, schwächelnder Norden. Forschende gingen lange davon aus, dass aus dieser Entwicklung auch wachsende regionale Unterschiede in der Lebenserwartung folgen. Für Deutschland gilt das so nicht. Obwohl es in Deutschland von Bundesland zu Bundesland recht große Unterschiede im Bruttoinlandsprodukt pro Kopf gibt, sind die regionalen Unterschiede in der Lebenserwartung sehr gering. Das fand ein Forscher*innen-Team um Alyson A. van Raalte heraus und publizierte die Ergebnisse jüngst im Wissenschaftsjournal International Journal of Epidemiology.

„Die gute Nachricht ist, dass die Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen den einzelnen Bundesländern in Deutschland im internationalen Vergleich eher klein sind“, sagt Alyson A. van Raalte, Leiterin der Arbeitsgruppe Ungleichheiten im Sterbealter am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. Doch das gilt nur für die Situation heute.

Unterschiede wurden seit der Wiedervereinigung deutlich kleiner

Noch vor nur knapp 30 Jahren, in der Zeit nach der Wiedervereinigung, wies Deutschland im Vergleich zu anderen OECD-Ländern die höchsten regionalen Unterschiede in der Lebenserwartung auf. So schwankte damals bei Frauen die regionale Lebenserwartung im Vergleich zu allen anderen OECD-Staaten am meisten; Deutsche Frauen waren also Spitzenreiterinnen in ungleicher Lebenserwartung. Deutsche Männer lagen an zweiter Stelle hinter den USA.

Aktuell zählen die regionalen Unterschiede bei der Lebenserwartung von Frauen dagegen zu den kleinsten im internationalen Vergleich. Für deutsche Frauen haben sich die Vorzeichen gedreht. Sie führen nun tatsächlich die Liste der Staaten mit den ähnlichsten Lebenserwartungen im regionalen Vergleich an. „Wir waren sehr überrascht, wie schnell sich die regionalen Unterschiede nach der Wiedervereinigung verkleinert haben. Das ist eine absolut bemerkenswerte Leistung“, sagt Alyson A. van Raalte. Denn auch bei den Männern sind die Unterschiede heute im internationalen Vergleich nur noch moderat.

Je stärker sich in einem Jahr die Lebenserwartungen zwischen den Regionen eines Landes unterscheiden, desto größer ist der Wert auf der Kurve. Die Werte sind als sogenannte Standardabweichungen angegeben. Für jedes Jahr gibt die Standardabweichung an, wie weit die Lebenserwartungen der einzelnen Regionen im Mittel vom Landesdurchschnitt abweichen. Sie ist damit ein Maß für die Ungleichheit der Lebenserwartungen zwischen den Regionen. Für die Frauen in Deutschland liegt sie bei knapp einem halben Jahr.
© MPIDR

Dabei haben nicht nur Männer und Frauen im Osten Deutschlands aufgeholt und ihre Lebenserwartung gesteigert. Denn auch innerhalb der früheren Bundesrepublik sind die regionalen Unterschiede seit der Wiedervereinigung deutlich kleiner geworden. Sie haben sich fast halbiert. „Es kann sein, dass das historisch einzigartige Ereignis des Mauerfalls einen besonderen Fokus darauf gelegt hat, vergleichbare Lebensbedingungen im wiedervereinten Deutschland zu schaffen“, sagt Alyson A. van Raalte. Davon haben dann wohl auch die ökonomisch schwächeren Bundesländer im früheren Westdeutschland profitiert.

Originalpublikation

van Raalte, A., Klüsener, S., Oksuzyan, A., Grigoriev, P.: Declining regional disparities in mortality in the context of persisting large inequalities in economic conditions: the case of Germany. International Journal of Epidemiology (2020). DOI: https://doi.org/10.1093/ije/dyz265

Kontakt

Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Silvia Leek

E-Mail

+49 381 2081-143

Wissenschaftskommunikation

Christine I. Ruhland

E-Mail

+49 381 2081-157

Autoren der Studie

Leiterin der Forschungsgruppe Ungleichheiten im Sterbealter

Alyson van Raalte

E-Mail

+49 381 2081-139

Wissenschaftler im Datenlabor

Pavel Grigoriev

E-Mail

+49 381 2081-255

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.