16. November 2021 | News | Interview

Nachhaltiger Forschen am MPIDR

Im Sommer 2021 blühte auf dem Gelände des Instituts zum ersten Mal eine Wildblumenwiese. © Jan Waßmuth

Sophie Lohmann gründete vor eineinhalb Jahren eine Gruppe, die sich am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) für nachhaltige Wissenschaft einsetzt. Dabei geht es vor allem darum, CO2-Emissionen zu senken. Warum das wichtig ist und wie das geschafft werden soll, erzählt die Forscherin im Interview.

Dr. Lohmann, seit zwei Jahren gibt es nun schon eine Gruppe, die sich am MPIDR für Nachhaltigkeit stark macht, wie kam es dazu?

Sophie Lohmann: Stimmt. Schon vor der Pandemie haben einige Kolleg*innen und ich uns gefragt, wie das eigentlich ist mit den Dienstreisen. Auf der einen Seite sind sie eine tolle Möglichkeit, mit anderen Forschenden in Austausch zu treten und Erfahrungen zu sammeln. Andererseits tragen Dienstreisen auch einen großen Teil zu unserem CO2-Fußabdruck bei. Deshalb haben wir angefangen, uns als Gruppe zum Mittagessen zu treffen. Wir wollten Daten sammeln, über CO2-Emissionen durch Dienstreisen; wir sind ja schließlich ein datengetriebenes Institut.

Haben Sie die Daten dazu jetzt?

Ja, wir haben die CO2-Menge zuerst abgeschätzt und landeten bei rund 500 Tonnen Kohlenstoffdioxid, das alle Mitarbeitenden des MPIDR durch Dienstreisen pro Jahr ausstoßen. Wir haben unsere Hochrechnung dann mit Daten aus unserer Reisebuchungssoftware verglichen und festgestellt, dass wir ziemlich gut geschätzt haben.

Wie gehen Sie persönlich mit der Frage zu Dienstreisen um?

Ich frage mich, ohne welche Konferenz es gar nicht geht und ob dafür ein gutes hybrides Konzept ausreichend ist. Oder ob es Kontakte gibt, die ich gerne vor Ort knüpfen möchte. Danach entscheide ich. Nach Amerika und Asien kommt man ja eigentlich nur mit dem Flugzeug. Da gibt es nur die Lösung, Dienstreisen soweit wie möglich zusammenzufassen oder mit einem Forschungsaufenthalt zu kombinieren. Zu Konferenzen in Europa reise ich nur mit Bus und Bahn. Leider lässt sich CO2-Kompensation innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft im Moment noch nicht mit Geldern der öffentlichen Hand umsetzen, das ändert sich hoffentlich bald. Deshalb suche ich privat und individuell nach einer passenden Kompensationsmöglichkeit.

Welche Ziele strebt die Nachhaltigkeits-Gruppe für das MPIDR an?

Als Erstes möchten wir eine CO2-Baseline berechnen. Das heißt, wir wollen erfassen, wie viel CO2 unser Institut jährlich im derzeitigen Betrieb ausstößt. Dazu zählen dann nicht nur die Dienstreisen, sondern zum Beispiel auch Heizung und Strom. Außerdem haben wir Zahlen über den Materialverbrauch bei den Kolleg*innen aus der Verwaltung angefragt.

Gibt es schon Beispiele, an denen Sie sich bei der Berechnung des Fußabdrucks orientieren?

Ja, zwei Institute haben ihren Fußabdruck schon berechnet: das MPI für Physik in München und das MPI für Astronomie in Heidelberg; die Kolleg*innen dort haben sogar eine Publikation in Nature Astronomy daraus gemacht.

Nicht nur am MPIDR gibt es eine Nachhaltigkeits-Gruppe. Das Max-Planck-Nachhaltigkeitsnetzwerk (MPSN) verbindet einzelne Initiativen. Wie kam es dazu?

Das MPSN ist eine Graswurzelbewegung. Die Kolleg*innen an Max-Planck-Instituten in ganz Deutschland hatten das Bedürfnis, etwas zu tun. Im Mai 2019 gab es erstmal ein Treffen von MPI-Mitarbeitenden, die sich über Nachhaltigkeitsthemen auszutauschen wollten. Dort war dann der Enthusiasmus so groß, dass noch vor Ort das Netzwerk gegründet wurde.

Das MPSN schlägt in einem Empfehlungskatalog weitere Maßnahmen vor. Dazu zählen: Fassaden zu dämmen, Photovoltaik-Anlagen zu installieren, Vogelschlag an Glasfassaden zu verhindern oder nachhaltige Lebensmittel anzubieten. Was davon ist für das MPIDR aus Ihrer Sicht relevant?

Sicherlich sind Dienstreisen bei uns der Posten mit dem größten Einsparungspotential. Deshalb wünsche ich mir, dass Online- und Hybrid-Veranstaltungen stärker unterstützt werden. Natürlich ist mir bewusst, dass nicht alles digital stattfinden kann. Gleichzeitig geht es auch um Gleichberechtigung: ich möchte keine Lösung, die es nur noch erfahrenen Forschenden ermöglicht, zu Konferenzen zu reisen und junge Wissenschaftler*innen ausschließt.

… und die anderen Maßnahmen?

Essen spielt bei uns am Institut nur eine kleine Rolle, weil wir keine Kantine haben. Was die Biodiversität betrifft: die abgestorbenen Eichen auf unserem Parkplatz sind dieses Jahr durch neue Pflanzen ersetzt worden. Toll ist auch, dass hinter dem Institut zum ersten Mal in diesem Sommer eine Wildblumenwiese geblüht hat. Photovoltaik und Vogelschlag sind die nächsten Themen auf unserer Liste, die wir diskutieren wollen.

Haben Sie den Eindruck, die Pandemie hat etwas verändert?

Die digitale Infrastruktur ist gewachsen. Gleichzeitig gibt es an einigen Stellen mehr Bewusstsein dafür, wie die Gesundheit des Planeten und das Klima zusammenhängen.

Wie geht es mit der Gruppe am MPIDR weiter?

Wir planen eine interne Umfrage am Institut. Wir wollen zum einen mehr über das Dienstreiseverhalten unserer Kolleg*innen wissen und auch darüber, wie sie täglich zur Arbeit kommen. Mit Hilfe dieser Daten wollen wir dann unsere CO2-Baseline berechnen. Sie soll die Grundlage dafür sein, über Maßnahmen zu entscheiden, die unseren CO2-Fußabdruck am MPIDR reduzieren. Ich persönlich denke, dass bei den CO2-Emissionen das schnellste Handeln notwendig ist.

Mehr Infos

Nachhaltigkeitsgruppe am MPIR

Wer mitmachen will oder Fragen hat, kann diese gerne an folgende E-Mail-Adresse schreiben: sustainability@demogr.mpg.de

Treffen finden jeden vierten Montag im Monat um 15 Uhr statt, momentan digital.

MPSN, das Nachhaltigkeitsnetzwerk der Max-Planck-Gesellschaft

frontiersin.org/articles/10.3389

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