16. August 2018 | News | Neue Veröffentlichung

Überlebensvorteil von Frauen steigt nach Krankenhaus-Aufenthalt

Männer haben in jedem Alter ein höheres Sterberisiko als Frauen. Werden Menschen alt und krank, gleicht es sich nicht etwa an. Der absolute Überlebensvorteil der Frauen wird sogar deutlich größer.

© Photographee.eu / Fotolia.de

Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die Andreas Höhn, Demograf am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR), zusammen mit anderen Wissenschaftlern des MPIDR und der University of Southern Denmark jetzt im Open Access-Journal "BMJ Open" veröffentlicht hat.

Um zu untersuchen, ob und wie eine schwere Krankheit in der zweiten Lebenshälfte den Überlebensvorteil der Frauen verändert, analysierten die Forscher Daten von dänischen Frauen und Männern im Alter von 50 bis 79 Jahren und erfassten, ob sie nach einem stationären Krankenhausaufenthalt innerhalb eines Jahres starben.

Dies geschah bei Männern wesentlich häufiger als bei Frauen. Die Über-Sterblichkeit der Männer (also ihr Überlebensnachteil) wurde dabei, absolut gemessen, sogar noch deutlich größer als er normalerweise in der Gesamtbevölkerung ist:

Daten: dänisches Zentrales Bevölkerungsregister gelinkt mit dem Nationalen Patientenregister Dänemarks (fünfprozentige Zufallsstichprobe der dänischen Bevölkerung)

Innerhalb eines Jahres nach Krankenhaus-Aufenthalt starben 43,8 mehr Männer als Frauen pro 1.000 Betroffenen im Alter von 50 bis 79 Jahren. Im Gegensatz dazu starben in der vergleichbaren Gesamtbevölkerung, in der die meisten Menschen nicht innerhalb des letzten Jahres in einer Klinik aufgenommen worden waren, nur 13,5 mehr Männer als Frauen pro 1.000 Menschen.

Und unter denen, die im Jahr zuvor gar nicht im Krankenhaus waren, betrug die Über-Sterblichkeit der Männer nur 6,6 Tote pro 1.000 Betroffenen.

Nicht nur über die gesamte Altersspanne von 50 bis 79 Jahre verstärkte sich der Überlebensnachteil der Männer. Für jedes einzelne Altersjahr galt dies ebenso (Siehe Grafik). Schon im Alter von 50 Jahren stand einem Sterberisiko von 5,2 Prozent bei den zuvor eingewiesenen Männern ein Risiko von nur 3,0 Prozent bei den Frauen gegenüber.

In der Gesamtbevölkerung war der Abstand des Sterberisikos mit 0,5 Prozent (Männer) zu 0,4 Prozent (Frauen) deutlich geringer.

Frauen sind in jedem Alter im Vorteil

Je älter die Frauen und Männer wurden, desto größer wurden die Unterschiede: Im Alter von 79 Jahren war nicht nur das Niveau der Sterblichkeit für alle Gruppen deutlich gestiegen, sondern auch der Vorteil der Frauen. Männer, die maximal ein Jahr zuvor in einer Klinik gewesen waren, kamen auf ein Sterberisiko von 26,6 Prozent Sterberisiko, und damit auf über sieben Prozentpunkte mehr als Frauen, deren Sterberisiko bei 19,1 Prozent lag. In der Gesamtbevölkerung lag der Abstand bei weniger als vier Prozentpunkten (Männer 9,3 Prozent, Frauen 5.6 Prozent).

Insgesamt fanden die Forscher um Andreas Höhn in jeder Bevölkerungsgruppe und in jedem Alter für Männer eine höhere Sterblichkeit als für Frauen. Dies galt sowohl insgesamt, als auch für jede einzelne der Todesursachen, die sie untersuchten: Krebs, Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen.

Männer sollten öfter zum Arzt gehen

Der Grund für den gesteigerten Überlebensnachteil der Männer nach einem Klinikaufenthalt ist nicht die Zeit im Krankenhaus selbst, glaubt Studienautor Andreas Höhn. Männer können also gegenüber Frauen ihre Überlebenschancen nicht dadurch erhöhen, dass sie Krankenhäuser und Ärzte möglichst meiden. Ihnen würde eher das Gegenteil helfen: Sie sollten sich früher und öfter in medizinische Behandlung begeben.

Weil die meisten Männer viel seltener zum Arzt gehen als Frauen, ist es für sie öfter schon zu spät, wenn sie den Schritt endlich tun, vermutet Demograf Höhn: Ihre Krankheiten könnten dann schon so weit fortgeschritten sein, dass sich kaum mehr etwas gegen sie unternehmen lässt. In der Folge sterben sie häufiger als Frauen.

Weitere Informationen

Originalveröffentlichung: Andreas Höhn, Lisbeth Aagaard Larsen, Daniel Christoph Schneider, Rune Lindahl-Jacobsen, Roland Rau, Kaare Christensen, Anna Oksuzyan: Sex differences in the 1-year risk of dying following all-cause and cause-specific hospital admission after age 50 in comparison with a general and non-hospitalised population: a register-based cohort study of the Danish population, BMJ Open, DOI 10.1136/bmjopen-2018-021813

Kontakt

Presse und Öffentlichkeitsarbeit

Silvia Leek

E-Mail

+49 381 2081-143

Wissenschaftskommunikation

Christine Ruhland

E-Mail

+49 381 2081-157

Was nun?

Zur Startseite

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.