01. Dezember 2021 | Pressemitteilung

Ältere Geschwister beeinflussen die MINT-Fächer-Präferenz von jüngeren Schwestern

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MPIDR-Forscherin Natalie Nitsche und Kolleg*innen zeigen in ihrer aktuellen Studie, dass die Zusammensetzung einer Geschwistergruppe wahrscheinlich die Entscheidung jüngerer Schwestern für ein Studium in einem MINT-Fach beeinflusst, die Entscheidung jüngerer Brüder aber nicht.

Geschwister beeinflussen wahrscheinlich die MINT-Präferenz von jungen Frauen, aber nicht die von jungen Männern. Ein Team mit Forschenden des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock, der Bar-Ilan-Universität, Israel, und der Universität Hawai'i fand Hinweise darauf, dass junge Frauen sich eher für ein Studium in einem MINT-Fach entscheiden, wenn sie mit einer geringen Anzahl von Geschwistern oder mit mehr Brüdern als Schwestern aufgewachsen sind oder wenn sie eine ältere Schwester mit guten mathematischen Leistungen hatten. Im Gegensatz dazu stellte das Team fest, dass bei jungen Männern die Präferenz für ein MINT-Studium vor allem von den eigenen mathematischen Fähigkeiten abhing.

Die Zusammensetzung der Geschwistergruppe spielt für Mädchen wohl eine wichtige sozialisierende Rolle

„Diese Studie erweitert unser Verständnis für die möglichen Einflüsse des Geschlechts und der Rollenvorbilder älterer auf jüngere Geschwister“, sagt Natalie Nitsche, stellvertretende Leiterin des Arbeitsbereichs Fertilität und Wohlbefinden am MPIDR.

Die Ergebnisse der Studie, die in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Sex Roles veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass die Zusammensetzung der Geschwistergruppe selbst wohl eine wichtige sozialisierende Rolle für Mädchen spielt, da sie ihre Bildungsentscheidungen vorhersagt. Der prognostizierte Unterschied zwischen jungen Frauen und Männern ein Studium in einem MINT-Fach anzufangen, verringerte sich von 13 Prozent auf 6 Prozent und verlor an statistischer Signifikanz, wenn die Geschwisterzusammensetzung berücksichtigt wurde.

Mädchen blühen auf, wenn sie eine leistungsstarke ältere Schwester haben

Die Zusammensetzung der Geschwistergruppe kann die Bildungspräferenzen im Allgemeinen und die Wahl der MINT-Fächer im Besonderen beeinflussen. Die Forschenden fanden Unterstützung für die Theorie der Ressourcenverknappung, die besagt, dass Mädchen aus größeren Familien nicht nur in Bezug auf den Umfang der Schulbildung benachteiligt sein können, sondern auch in Bezug auf ihre Chancen, sich für ein MINT-Fach an der Uni einzuschreiben.

Darüber hinaus fanden die Forschenden Belege dafür, dass es Rollenmodelle unter Schwestern gibt; nämlich dann, wenn die ältere Schwester gut in Mathematik war. Das stützt die Hypothese, dass Rollenmodelle dann auftreten, wenn es um akademischen Wettbewerb unter Frauen geht.

Das wichtigste Ergebnis ist jedoch, dass diese Effekte bei allen betrachteten Konzepten nur für junge Frauen und nie für junge Männer gelten.

Daten aus der National Longitudinal Survey of Youth

Natalie Nitsche und ihre Kolleg*innen Limor Gabay-Egozi und Lloyd Grieger verwendeten Daten aus dem Modul für Kinder und junge Erwachsene des National Longitudinal Survey of Youth der Kohorte 1979. Dabei handelt es sich um eine landesweit repräsentative Stichprobe der US-Bevölkerung, bestehend aus 12 686 Personen, die am 31. Dezember 1978 zwischen 14 und 22 Jahre alt waren. Die Teilnehmenden wurden bis 1994 jährlich und danach alle zwei Jahre befragt.

„Ich kam auf die Idee, diese Frage zu untersuchen, als ich meine damals fünfjährige Tochter beim Spielen mit ihrer Freundin beobachtete. Die Tatsache, dass die Freundin mit den Spielsachen ihres älteren Bruders und dessen männlichen Freunden spielte, bedeutete, dass sie viel mehr mit Konzepten in Berührung kam, die gesellschaftlich als 'männlich' konstruiert worden sind, als meine Tochter, eine Erstgeborene mit einer jüngeren Schwester. Es wurde deutlich, wie sehr sich Geschwister gegenseitig beeinflussen“, sagt Natalie Nitsche.

Originalpublikation

Gabay-Egozi, L., Nitsche, N., Grieger, L.: In Their Footsteps or Shadow? Gender Differences in Choosing a STEM Major as a Function of Sibling Configuration and Older Sibling’s Gender and Math Ability. Sex Roles (2021). DOI: 10.1007/s11199-021-01255-0

Autor*innen und Institutionen

Limor Gabay-Egozi, Bar-Ilan University

Natalie Nitsche, Max Planck Institute for Demographic Research, Rostock

Lloyed Grieger, University of Hawai’i

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Autorin der Studie

Stellvertretende Leiterin (Fertilität und Wohlbefinden)

Natalie Nitsche

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Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.