24. November 2020 | Pressemitteilung

Brustkrebs: Wissen über Untersuchung verändert Vorsorgeverhalten nicht

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Wer gut informiert ist, sorgt besser vor? Das stimmt so nicht immer. Demografie-Forscher Peter Eibich untersuchte, ob Frauen in der EU öfter zur Brustkrebsvorsorge gehen, weil sie im Einladungsschreiben über Untersuchung und Behandlung informiert werden. Das ist eher nicht der Fall.

Warum entscheiden sich Frauen dafür zu einer Vorsorgeuntersuchung gegen Brustkrebs zu gehen? Für Frauen, die in der Europäischen Union leben und zwischen 50 und 69 Jahren alt sind, untersuchte Peter Eibich, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock diese Frage zusammen mit einer Kollegin.

Mit der Einladung zur Vorsorgeuntersuchung erhalten Frauen üblicherweise auch Informationsmaterial, dadurch verbessert sich zwar ihr Wissen über die Möglichkeiten der Brustkrebsvorsorge und Behandlung. Trotzdem gehen nicht mehr Frauen zur Vorsorge. „Wissen allein sorgt nicht dafür, dass mehr Frauen zur Vorsorge gehen“, sagt Peter Eibich.

Daten des Eurobarometer ausgewertet

Für ihre Analysen verwendeten die Forschenden Umfragedaten aus dem Eurobarometer der Europäischen Union für die Jahre 1997 und 1998. Die Befragungen des Eurobarometer werden regelmäßig in allen EU-Mitgliedstaaten durchgeführt, Fragen zum Wissen über Brustkrebsvorsorge wurden aber nur in den beiden Jahren gestellt. „Obwohl die Daten schon etwas älter sind, bin ich überzeugt, dass sie allgemein aussagekräftig sind, und auch heute noch in ähnlicher Form gelten“, sagt Peter Eibich. Ihre Studie veröffentlichten die beiden Forschenden im Fachmagazin Social Science & Medicine.

In den meisten untersuchten Ländern ist der Anteil der Frauen, die zur Brustkrebsvorsorge gehen, mittlerweile recht hoch. Dazu trugen in den vergangenen Jahren vor allem die Einladungen bei. „Die beigelegten weiterführenden Informationen über Vorsorge und Behandlung spielen dabei allerdings eine sehr geringe Rolle“, sagt Peter Eibich. Andere Faktoren, deren Einfluss die Forschenden noch nicht bestimmen können, seien deutlich wichtiger. „Dazu könnten etwa das Angebot kostengünstiger oder kostenloser Untersuchungen zählen“, ergänzt Eibich.

Originalpublikation

Eibich, P., Goldzahl, L.: Health information provision, health knowledge and health behaviours: Evidence from breast cancer screening. Social Science & Medicine (2020) DOI: 10.1016/j.socscimed.2020.113505

Autor*innen und der Arbeitgeber

Peter Eibich: Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

Léontine Goldzahl: EDHEC Business School

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