11. Januar 2022 | Pressemitteilung

Fertilität in den USA: Beeinflusst Migration den Zeitpunkt der ersten Geburt für Mütter aller ethnischer Gruppen gleichermaßen?

© iStockphoto.com/kate_sept2004

Der Geburtsort von Frauen trägt dazu bei, Unterschiede in der Fertilität zwischen ethnischen Gruppen in den USA zu erklären. MPIDR-Forscher Andrés Castro und Emilio Parrado, Professor an der University of Pennsylvania zeigen, dass im Ausland geborene hispanische Mütter für das Fertilitätsmuster der ethnischen Gruppe der Hispanics in den USA ausschlaggebender sind als im Ausland geborene schwarze oder weiße Frauen für die Fertilität ihrer ethnischen Gruppe.

In den USA haben sich die Unterschiede bei den Geburtenraten zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen in den vergangenen Jahrzehnten allmählich angeglichen. Unterschiede in der Altersstruktur der Frauen, die zum ersten Mal Mutter werden, bleiben jedoch bestehen. Welche Rolle dabei Frauen spielen, die im Ausland geboren wurden, untersucht eine Studie, die in Demographic Research veröffentlicht wurde.

„Wir analysieren, wie der Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes je nach Geburtsort der Mütter variiert und wie diese Variation zu größeren Unterschieden zwischen den Gruppen hispanischer, weißer und schwarzer Frauen beiträgt“, sagt Andrés Castro, bis Ende 2021 Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock.

Nach ihrer Ankunft in den USA bekommen im Ausland geborene hispanische Frauen mit größerer Wahrscheinlichkeit ihr erstes Kind

Unter den Hispanics hat das besondere Erstgeburtsmuster bei im Ausland geborenen Frauen einen deutlichen Einfluss auf das Fertilitätsmuster der gesamten Gruppe der Hispanics. In den ersten Jahren nach ihrer Ankunft in den USA bekommen im Ausland geborene hispanische Frauen mit größerer Wahrscheinlichkeit ihr erstes Kind - unabhängig vom Alter bei ihrer Ankunft - als in den USA geborene hispanische Frauen im gleichen Alter. Das bedeutet, dass die altersspezifischen Fertilitätsraten bei im Ausland geborenen hispanischen Frauen höher sind, als bei einheimischen hispanischen Frauen.

Wenn man diese zeitliche Korrelation zwischen Migration und Übergang zur Mutterschaft berücksichtigt, verringern sich die Unterschiede zwischen hispanischen und weißen Frauen beim Durchschnittsalter bei der ersten Geburt und beim Anteil der kinderlosen Frauen.

Im Gegensatz dazu ist der Einfluss der im Ausland geborenen weißen oder schwarzen Frauen auf die Erstgeburtenmuster ihrer ethnischen Gruppe eher gering.

Für ihre Studie verwendeten die Forscher Daten aus dem National Survey of Family Growth von 1997 bis 2017.

Der Status „im Ausland geboren“ ist ein zusätzlicher Faktor, der Heterogenität innerhalb ethnischer Gruppen erklärt

Bei dem Versuch in den USA Gesundheitsverhalten zu fördern, das frühe und ungeplante Geburten verringert, muss die besondere Position von im Ausland geborenen Frauen berücksichtigt werden. „Unsere Analyse macht deutlich, dass der Status der im Ausland geborenen Frauen eine zusätzliche Quelle der Heterogenität darstellt, die bei der Formulierung von Maßnahmen im Bereich der reproduktiven Gesundheit nicht immer erkannt wird“, sagt Andrés Castro.

Originalpublikation

Castro, A., Parrado, E.: Nativity differentials in first births in the United States: Patterns by race and ethnicity. Demographic Research (2021). DOI: 10.4054/DemRes.2022.46.2

Autoren und Institutionen

Andrés Castro, Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

Emilio Parrado, University of Pennsylvania

Kontakt

Leiterin des Arbeitsbereichs Öffentlichkeitsarbeit und Publikationen

Silvia Leek

E-Mail

+49 381 2081-143

Redakteurin Wissenschaftskommunikation

Christine Ruhland

E-Mail

+49 381 2081-157

Autor der Studie

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.