31. März 2003 | Pressemitteilung

Fertilitätsentscheidungen in Zeiten gesellschaftlicher und ökonomischer Umbrüche - Ostdeutschland in den 1990-er Jahren

Fast zeitgleich mit der Wiedervereinigung sanken die ostdeutschen Geburtenraten auf ein beispiellos niedriges Niveau. Das Ziel dieser Studie ist es, die Rolle des Arbeitsmarktes und der familienpolitischen Rahmenbedingungen für Fertilitätsentscheidungen in den 1990-er Jahren zu analysieren. Darüber hinaus werden die Faktoren diskutiert, welche - trotz der politischen und rechtlichen Vereinigung der ehemals getrennten Staaten - einer Konvergenz der Fertilitätsraten in Ost und West entgegenwirken. Neben der Arbeitsmarktentwicklung wird insbesondere auf die Unterschiede in der Frauenerwerbstätigkeit und den Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Kind und Beruf eingegangen. Als Datenbasis werden der Mikrozensus und das Sozio-Oekonomische Panel verwendet, wobei ereignisanalytische Modelle für den Übergang zum ersten und zweiten Kind geschätzt werden.

Ein wesentliches Ergebnis der empirischen Analysen ist, dass ostdeutsche Frauen weiterhin etwas jünger sind als westdeutsche Frauen, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. Überraschenderweise bewirkt weder Arbeitslosigkeit der Frau noch die ihres Partners einen erkennbaren Aufschub des ersten Kindes. Beim zweiten Kind kehrt sich das Bild um: Ostdeutsche Paare entscheiden sich seltener für ein zweites Kind. Darüber hinaus ist die Arbeitsmarktsituation, insbesondere die des Partners, für die Entscheidung für eine größere Familie von entscheidender Bedeutung.

Über das MPIDR

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock untersucht die Struktur und Dynamik von Populationen. Die Wissenschaftler*innen des Instituts erforschen politikrelevante Themen wie den demografischen Wandel, Altern, Geburtendynamik und die Verteilung der Arbeitszeit über die Lebensspanne, genauso wie den digitalen Wandel und die Nutzbarmachung neuer Datenquellen für die Erforschung von Migrationsströmen. Das MPIDR ist eine der größten demografischen Forschungseinrichtungen in Europa und zählt international zu den Spitzeninstituten in dieser Disziplin. Es gehört der Max-Planck-Gesellschaft an, der weltweit renommierten deutschen Forschungsgemeinschaft.

Publikationen zu diesem Thema:

Kreyenfeld, M.: Crisis or adaptation reconsidered: a comparison of East and West German fertility in the first six years after the 'Wende'. MPIDR Working Paper No. 2002-032.

Kreyenfeld, M.: Employment and fertility - East Germany in the 1990s. Dissertation. Rostock University (2001).

Kreyenfeld, M.: Changes in the timing of first birth in East Germany after re-unification. Schmollers Jahrbuch - Zeitschrift für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 120(2000)2, 169-186.

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.