05. Oktober 2021 | Pressemitteilung

Frauen in Europa gehen nach ihrem Renteneintritt seltener zur Mammographie

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Im Ruhestand nehmen europäische Frauen Vorsorgeuntersuchungen seltener wahr. Ein Grund dafür, könnte laut MPIDR-Forscher Peter Eibich und einer Kollegin sein, dass es mit dem Renteneintritt komplizierter wird Vorsorge zu erhalten.

Regelmäßige Untersuchungen sollen dazu beitragen, Krankheiten im frühen Stadium zu erkennen; dafür gibt es etwa Mammographien bei Brustkrebs. In Europa ist die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen im Ruhestand eine Mammographie durchführen lassen, um 16 Prozentpunkte geringer als bei berufstätigen Frauen. Sie nehmen auch seltener andere Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch, wie das Abtasten der Brust oder Untersuchungen der Eierstöcke. Diese Ergebnisse wurden in einer Studie im Fachjournal Economics & Human Biology veröffentlicht.

In Ländern mit einer weniger großzügigen Krankenversicherung ist der Effekt größer

„Wir haben mögliche Mechanismen für diese Effekte untersucht und festgestellt, dass die Wahrscheinlichkeit, an einer Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung teilzunehmen, für Frauen in Ländern ohne allgemeine Vorsorgeprogramme deutlich geringer ist“, sagt Peter Eibich, stellvertretender Leiter der Forschungsgruppe Demografie der Arbeit am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock.

Der Renteneintritt hat auch in Ländern mit weniger großzügigen Krankenversicherungssystemen mehr Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit zur Vorsorge zu gehen. „Das deutet darauf hin, dass der Zugang zur Vorsorge durch eine vom Arbeitgeber bezahlte Krankenversicherung wohl ebenfalls eine Rolle spielt“, sagt Peter Eibich.

Der Forscher und seine Kollegin Léontine Goldzahl verwendeten Informationen über medizinische Untersuchungen und Diagnosen von Frauen aus fünf Eurobarometer-Umfragen. Sie wurden zwischen 1996 und 2006 in allen EU-Mitgliedstaaten erhoben. Das Eurobarometer erhebt regelmäßig Umfragen zu verschiedenen Themen, um den Informationsbedarf des Europäischen Parlaments und der Europäischen Kommission zu decken.

„In unserer Studie haben wir systematisch die möglichen Mechanismen untersucht, die sich darauf auswirken Gesundheitsleistungen nach dem Renteneintritt wahrzunehmen. Unsere länderübergreifenden Daten ermöglichen es uns, die Rolle von allgemeinen Vorsorgeprogrammen und arbeitgeberabhängigen Krankenversicherungssystemen zu berücksichtigen“, sagt Peter Eibich.

Originalpublikation

Eibich, P., Goldzahl, L.: Does retirement affect secondary preventive care use? Evidence from breast cancer screening. Economics & Human Biology (2021). DOI: 10.1016/j.ehb.2021.101061

Autor*innen und Institutionen

Peter Eibich, Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock; Health Economics Research Centre, Nuffield Department of Population Health, University of Oxford

Léontine Goldzahl, EDHEC Business School, Roubaix Cedex, France

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