10. Februar 2022 | Pressemitteilung

Migrationsmuster spiegeln sich in Facebook-Daten zu beliebtem Essen und Trinken wider

© iStockphoto.com/DisobeyArt

Forschende haben eine neue Strategie entwickelt Facebook-Daten zu nutzen, um die kulturelle Ähnlichkeit zwischen Ländern zu messen und Zusammenhänge zwischen Migrationsmustern und den Interessen in Bezug auf Essen und Trinken aufzudecken. Carolina Coimbra Vieira und Kolleg*innen stellen diese Ergebnisse in PLOS ONE vor.

Migration kann eine Schlüsselrolle bei der Ausprägung kultureller Ähnlichkeiten zwischen Ländern spielen. Ihr Einfluss ist jedoch schwer zu untersuchen, was zum Teil auf die Schwierigkeit zurückzuführen ist, Kultur zu quantifizieren. In der Regel haben sich Forschende auf Umfragen gestützt, um kulturelle Erscheinungsformen verschiedener Länder zu vergleichen. Umfragen haben allerdings auch Nachteile, wie etwa ihre Kosten, der Möglichkeit von Verzerrungen bei ihrer Erhebung und der Schwierigkeit, sie auf eine große Anzahl von Ländern anzuwenden.

Zur Ergänzung von Umfragedaten haben Coimbra Vieira und Kolleg*innen nun eine neue Analysemethode entwickelt, die auf früheren Erkenntnissen beruht, dass die Vorlieben für Speisen und Getränke ein Indikator für kulturelle Ähnlichkeiten zwischen Ländern sein können. Die neue Methode verwendet Daten über die 50 wichtigsten Essens- und Getränkevorlieben für ein bestimmtes Land, die von der Facebook-Werbeplattform erfasst werden.

Neue Methode nutzt Ess- und Trinkvorlieben, um die kulturelle Ähnlichkeit zwischen Ländern zu quantifizieren

Um die neue Methode zu demonstrieren, wendeten die Forschenden sie auf 16 Länder an und stellten fest, dass die Interessen für Speisen und Getränke im Allgemeinen die Migrationsmuster widerspiegeln. In den meisten Ländern, auch in den USA, stimmen die Vorlieben für ausländische Speisen und Getränke mit den beliebtesten Speisen und Getränken der Länder überein, aus denen die meisten eingewanderten Personen stammen. Länder mit weniger Migrant*innen, wie Indonesien, Japan, Russland und die Türkei, heben sich von den anderen Ländern ab und zeigen mehr Eigenheiten ihrer Vorlieben für ausländische Speisen und Getränke.

Die Ergebnisse stimmen gut mit früheren Umfragedaten überein und unterstreichen die Asymmetrie zwischen den Ländern. So sind beispielsweise die 50 beliebtesten Lebensmittel und Getränke aus Mexiko in den USA beliebter als die 50 beliebtesten Lebensmittel und Getränke aus den USA in Mexiko, was ein größeres Ausmaß der Einwanderung aus Mexiko in die USA widerspiegelt als umgekehrt.

Insgesamt, so die Forschenden, deutet diese Studie darauf hin, dass Eingewanderte tatsächlich die Kultur ihres Ziellandes mitgestalten. Künftige Forschungsarbeiten könnten die in dieser Studie beschriebene neue Methode verfeinern oder sie für die Untersuchung und den Vergleich anderer Interessen als Essen und Trinken neu nutzen.

Die Autor*innen fügen hinzu: „Wir analysieren Daten von Facebook-Nutzer*innen über ihre Essens- und Getränkevorlieben, um die kulturelle Ähnlichkeit zwischen 16 Ländern zu messen. Beim Vergleich mit den offiziellen Migrationsdaten stellen wir fest, dass Länder mit mehr eingewanderten Personen eine höhere kulturelle Ähnlichkeit zwischen dem Herkunfts- und dem Zielland aufweisen.“

Die Pressemitteilung ist zuerst in englischer Sprache bei PLOS ONE press erschienen und kann bei Eurekalert  gelesen werden.

Weitere Informationen

Carolina Coimbra Vieira, wie oben erläutert, zeigt Ihre neueste Studie, dass die Lebensmittel- und Getränke-Vorlieben in vielen Ländern die Einwanderungsmuster widerspiegeln. Können Sie ein weiteres Beispiel dazu nennen?

Ja, in Spanien leben viele eingewanderte Personen aus Großbritannien, Argentinien, Frankreich und Brasilien. Unsere Auswertung der Essensvorlieben zeigt, dass Chile, Frankreich, Argentinien und Brasilien, die vier Länder sind, die Spanien am ähnlichsten sind. Das bedeutet, dass die Speisen und Getränke von vier der fünf großen Immigrant*innen Communities auch in Spanien sehr beliebt sind. Das gilt auch für die Açaí-Bowl, ein leckeres Gericht aus Brasilien!

Warum haben Sie sich mit diesem Thema beschäftigt?

Ich bin fasziniert davon, wie viele Menschen online große Mengen an Informationen austauschen und wie schnell soziale Netzwerke in den vergangenen Jahren gewachsen sind. Allein Facebook, das beliebteste soziale Netzwerk, hat fast 2,5 Milliarden aktive Nutzer*innen im Monat. Nutzer*innen geben dort sehr viele persönliche Informationen über ihre Vorlieben in Form von Likes und geteilter Inhalte weiter. Das ist eine ideale Grundlage dafür, Daten für demografische Fragestellungen zu gewinnen.

Und was ist für Sie besonders interessant?

Toll finde ich die Möglichkeit, mit Daten aus sozialen Netzwerken neue Wege zu gehen um alte Fragen zu beantworten.

Originalpublikation

C. Vieira, C., Lohmann, S., Zagheni, E., Vaz de Melo, P.O.S., Benevenuto, F., Ribeiro, F.N.: The Interplay of Migration and Cultural Similarity between Countries: Evidence from Facebook Data on Food and Drink Interests. PLOS ONE (2022). DOI:10.1371/journal.pone.0262947

Autor*innen and Institutionen

Carolina Coimbra Vieira, Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

Sophie Lohmann, Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

Emilio Zagheni, Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

Pedro O. S. Vaz de Melo, Computer Science Department, Federal University of Minas Gerais, Belo Horizonte

Fabrício Benevenuto, Computer Science Department, Federal University of Minas Gerais, Belo Horizonte

Filipe N. Ribeiro, Federal University of Ouro Preto, Ouro Preto

Open Source Code

Gemäß den Nutzungsbedingungen von Facebook können die von der Facebook Advertising Platform gesammelten Rohdaten nicht öffentlich zugänglich gemacht werden. In diesem Fall geben wir die Rohdaten nicht weiter. Stattdessen enthält das Repository alle aus den Facebook-Werbedaten abgeleiteten Messwerte und den Code, um alle Analysen zu replizieren und die Zahlen zu generieren: github.com/carolcoimbra/cultural-similarity-fb.

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