31. März 2003 | Pressemitteilung

Nichteheliche Geburten in Ostdeutschland in den 90-er Jahren - Alte Gewohnheiten oder neue Familienformen?

Seit den 60-er Jahren sind in Westdeutschland das Alter bei der Erstgeburt und das Heiratsalter gestiegen, und die Kinderlosigkeit hat zudem stark zugenommen. Eheschließung und Geburt des ersten Kindes sind jedoch nach wie vor eng miteinander verknüpft. Demgegenüber betrug der Anteil nichtehelicher Geburten in der DDR 1989 rund 33 Prozent. Da mit der Wiedervereinigung und der Übernahme des westdeutschen Institutionensystems in den neuen Ländern zugleich sozialpolitische Anreize zur nichtehelichen Elternschaft entfallen sind, wurde erwartet, dass sich auch in Ostdeutschland das westdeutsche Muster der kindorientierten Eheschließung durchsetzen würde. Die Nichtehelichenquote ist in den neuen Ländern jedoch in den 90-er Jahren weiter angestiegen.

Wir gehen in diesem Projekt mit Hilfe von Daten des Mikrozensus und des Familiensurveys der Frage nach, ob nichteheliche Geburten in Ostdeutschland eher Ausdruck alter und überlebter DDR-Muster der Familienbildung oder einer Modernisierung von Familienformen sind. Untersucht wird vor allem, ob die niedrige Heiratsneigung von ostdeutschen Paaren mit Kindern auf eine höhere Erwerbsorientierung von Frauen zurückzuführen ist. Unsere Ergebnisse zeigen in Ost- und Westdeutschland zwei unterschiedliche Muster. Während westdeutsche Frauen mit höherer Ausbildung und Erwerbsneigung eine geringere Wahrscheinlichkeit der Eheschließung aufweisen, finden wir in Ostdeutschland keine vergleichbaren Zusammenhänge.

370.000 im ersten Lebensjahr gestorben.

Über das MPIDR

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock untersucht die Struktur und Dynamik von Populationen. Die Wissenschaftler*innen des Instituts erforschen politikrelevante Themen wie den demografischen Wandel, Altern, Geburtendynamik und die Verteilung der Arbeitszeit über die Lebensspanne, genauso wie den digitalen Wandel und die Nutzbarmachung neuer Datenquellen für die Erforschung von Migrationsströmen. Das MPIDR ist eine der größten demografischen Forschungseinrichtungen in Europa und zählt international zu den Spitzeninstituten in dieser Disziplin. Es gehört der Max-Planck-Gesellschaft an, der weltweit renommierten deutschen Forschungsgemeinschaft.

Publikationen zu diesem Thema:

Konietzka, D. and M. R. Kreyenfeld: Neue Familienformen im konservativen Wohlfahrtsstaat? Der Zusammenhang von Eheschließung und Familiengründung in Ost- und Westdeutschland. In: J. Allmendinger (ed.), Entstaatlichung und soziale Sicherheit, 31. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Kongressband II (CD-ROM) (2003 / in print).

Konietzka, D. and M. R. Kreyenfeld: Nichteheliche Geburten in Ostdeutschland in den 90er Jahren - Alte Gewohnheiten oder neue Familienformen? In: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (ed.): Materialien zur Bevölkerungswisssenschaft (2003 / in print).

Konietzka, D. and M. R. Kreyenfeld: Women's employment and non-marital childbearing: a comparison between East and West Germany in the 1990s. Population (English edition) 57(2002)2, 331-358.

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.