12. November 2020 | Pressemitteilung

So erfüllt sich der Kinderwunsch für hochgebildete US-Amerikanerinnen

Nicht jede US-Amerikanerin bekommt so viele Kinder, wie sie sich gewünscht hat. © iStockphoto.com/SIphotography

Frauen mit Uni-Abschluss in den USA werden seltener als andere überhaupt Mutter, auch wenn sie sich in jungen Jahren eine große Familie gewünscht haben. Wenn diese Frauen aber eine Familie gründen, haben sie die meisten Kinder im Studienvergleich, hat Natalie Nitsche in ihrer aktuellen Veröffentlichung festgestellt.

Wie hängen Kinderwunsch in jungen Jahren, Bildungsgrad, Zeitpunkt der ersten Heirat und Zahl eigener Kinder im Alter 43 bei Frauen und Männer in den USA zusammen? Dieses komplexe Zusammenspiel untersuchte Natalie Nitsche, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock mit einer Kollegin und veröffentlichte die Studie im Fachmagazin Demography.

Die Forscherinnen entdeckten zwei entscheidende Zusammenhänge. Erstens Frauen mit Uniabschluss, die sich in der Jungend viele Kinder wünschten, werden seltener überhaupt Mutter als weniger gebildete Frauen, mit großem Kinderwunsch. Zweitens: der Zeitpunkt der ersten Eheschließung beeinflusst sowohl bei Männern als auch bei Frauen, ob sie überhaupt Eltern werden.

„Die Mehrheit der Frauen, die später einen Uni-Abschluss hat, wollte in ihrer Jugend eine große Familie. Unter all denen, die sich viele Kinder gewünscht haben, werden diese Frauen aber am seltensten überhaupt Mütter “, sagt Natalie Nitsche. „Bei Männern mit großem Kinderwunsch gibt es diesen Unterschied nach Bildungsgrad übrigens nicht“ ergänzt Nitsche.

Eher keine halben Sachen: Großfamilie oder gar keine Kinder

Wenn diese Frauen allerdings Mütter werden, dann haben sie die meisten Kinder im Studienvergleich. „Diese Frauen machen wohl seltener als andere halbe Sachen. Sie entscheiden sich eher entweder für eine Großfamilie oder dafür gar keine Kinder zu bekommen“, sagt Natalie Nitsche.

Für ihre Studie werteten die Wissenschaftlerinnen Daten der National Longitudinal Survey of Youth 1979 aus. In dieser repräsentativen Längsschnittbefragung berichten mehrere Tausend US-Amerikaner und US-Amerikanerinnen, die zwischen 1957 und 1964 geboren wurden, regelmäßig unter anderem über ihren Kinderwunsch, ihre Bildungsabschlüsse oder ihre Arbeitsmarkterfahrung. In den Analysen verwendeten die Forscherinnen Daten von mehr als 5000 Befragten. Diese teilten sie nach dem höchstem Bildungsabschluss in vier verschiedene Gruppen auf. Zudem teilten sie dieselben Befragten in drei Gruppen auf, nach ihrem Kinderwunsch in jungen Jahren. Je nachdem ob die Befragten als sie zwischen 14 und 18 Jahre alt waren, angaben entweder keine Kinder/ein Kind oder zwei Kinder oder mindestens drei Kinder haben zu wollen.

Nachwuchs erst im mittleren Alter: Gesellschaftliche Normen scheinen mindestens ebenso wichtig wie biologische Faktoren

Egal ob Mann oder Frau: wer erst im Alter über 30 Jahren zum ersten Mal heiratet oder ein feste Partnerschaft eingeht, kriegt seltener überhaupt Kinder. „Es scheint, als spielen biologische Faktoren eine geringere Rolle als gesellschaftliche Einflüsse.“, sagt Natalie Nitsche. Auch wenn Männer vermutlich länger Kinder zeugen können als Frauen, werden Männer trotzdem nicht wesentlich häufiger als Frauen noch Eltern, wenn die erste feste Partnerschaft jenseits der 35 eingegangen wird. Ob dieser Zusammenhang auch auf europäische Länder oder Männer und Frauen, die nach 1965 geboren wurde zutrifft, müssen weitere Studien erst zeigen.

Originalpublikation

Nitsche, N., Hayford, S.: Preferences, Partners, and Parenthood: Linking Early Fertility Desires, Marriage Timing, and Achieved Fertility. Demography (2020) DOI: 10.1007/s13524-020-00927-y

Autorinnen und Arbeitgeber

Natalie Nitsche, Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock, Deutschland

Sarah R. Hayford, Department of Sociology and Institute for Population Research, The Ohio State University, Columbus, OH, USA

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Autorin der Studie

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.