22. Juli 2020 | Pressemitteilung

Sterblichkeit in Industrieländern: Todesursachen werden vielfältiger

In Ländern wie Deutschland, Frankreich, Japan oder den USA werden die Todesursachen vielfältiger. © iStockphoto.com/KatarzynaBialasiewicz

In den vergangenen gut 20 Jahren stieg die Vielfalt der Todesursachen in 15 Industrieländern. Mehr Menschen starben etwa an Nervenkrankheiten, wie Alzheimer, oder an Nierenerkrankungen. Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs bleiben aber die häufigsten Todesursachen.

In 15 untersuchten Industrieländern sterben die meisten Menschen an nur zwei verschiedenen Krankheitstypen: Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs. Allerdings ging in den vergangenen Jahren die Zahl der Herz-Kreislauftoten zurück. Dafür starben mehr Menschen an Krebs und weiteren, weniger häufigen Todesursachen. Damit hat sich das Verhältnis der Todesursachen neu verteilt.

„In Ländern wie Deutschland, Frankreich, Japan oder den USA werden die Todesursachen vielfältiger“, sagt Alyson van Raalte. Die Leiterin einer Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock ergänzt: „Bis ein Mensch im hohen Alter stirbt, vergeht mehr Zeit, in der er krank werden und chronische Leiden entwickeln kann, die schlussendlich zum Tod führen.“ Deshalb wachse mit der Lebenserwartung wohl auch die Vielfalt der Todesursachen. Für jüngere Altersgruppen ist dagegen im untersuchten Zeitraum kein steigender Trend zu erkennen.

Die Forschenden berechneten die sogenannte normalisierte Shannon-Entropie, um zu vergleichen, wie vielfältig Todesursachen in den einzelnen Ländern im Lauf der Zeit sind. Wenn alle an der gleichen Ursache sterben würden, wäre die Entropie gleich 0. Wären alle 19 untersuchten Todesursachen gleich häufig, hätte sie den Wert 1. © MPIDR

Zwischen den 15 untersuchten Ländern gibt es deutliche Unterschiede in der Auffächerung der Todesursachen. „In Frankreich ist der Variantenreichtum bei den Todesursachen am größten. In Deutschland, Österreich und Finnland ist er dagegen am kleinsten“, sagt Alyson van Raalte. Insgesamt zeige sich, dass Frauen an mehr verschiedenen Todesursachen sterben, als Männer.

Für ihre im Fachmagazin BMJ Global Health veröffentlichte Studie nutzte die internationale Forschendengruppe Daten der Human Mortality Database für den Zeitraum von 1994 bis 2017 und Daten der WHO, die Todesursachen nach der sogenannten ICD-10-Systematik in 19 Gruppen angeben. Mit Hilfe dieser Systematik bestimmen Mediziner die Todesursache und vermerken sie im Totenschein.

„Sicherlich spielt es auch eine Rolle, dass die Diagnosen der Ärzte in den vergangenen Jahren genauer wurden“, sagt Alyson van Raalte. Dieser Faktor allein erklärt aber den Trend der vergangenen Jahre nicht. Da alle Todesursachen nach den Herz-Kreislauferkrankungen häufiger auftreten, wird es immer schwieriger vorherzusagen, woran Menschen in Zukunft sterben werden. Deshalb beeinflusst die Forschung an Herz-Kreislauferkrankungen die Verbesserung der Lebenserwartung insgesamt immer weniger. Langfristig steigt die Lebenserwartung in den Industrienationen deshalb möglicherweise langsamer.

Originalpublikation

Bergeron-Boucher, M-P., Aburto, J.M., van Raalte, A.: Diversification in causes of death in low-mortality countries: Emerging patterns and implications. BMJ Global Health. 2020 DOI: 10.1136/bmjgh-2020-002414

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