30. Januar 2022 | Pressemitteilung

Wie hängen Testosteronspiegel und Gesundheit im Alter zusammen?

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In der zweiten Lebenshälfte haben Männer mit niedrigem Testosteronspiegel häufiger Vorerkrankungen als Männer mit durchschnittlichen Werten. Womit der Testosteronspiegel von Männern außerdem zusammenhängt und wie sich das im Laufe des Lebens ändert, untersuchte ein internationales Forscherteam mit Daten von rund 5600 Männern aus Großbritannien.

Wie wirkt sich das Altern auf den Testosteronspiegel bei Männern aus? Dieser Frage gingen Forschende des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock, der University of Bath und weiterer Institutionen nach und veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift The Aging Male.

„Wir haben mehrere Hypothesen auf Basis früherer Studienergebnisse formuliert, und überprüft, ob die beschriebenen Zusammenhänge auch im Alter weiter bestehen“, sagt Julian Schmied, aktuell Gast-Wissenschaftler am MPIDR.

Alle bis auf eine Hypothese können die Forschenden mit ihrer Analyse bestätigen. Dafür werteten sie Informationen der Datenreihe United Kingdom Household Longitudinal Study (UKHLS) aus. Für diese Längsschnittumfrage wurden zwischen 2010 und 2012 anhand von Blutbildern der teilnehmenden Männer zwischen 16 und 90 Jahren auch Daten über Hormone, wie Testosteron, erhoben.

Übergewicht senkt Testosteronspiegel

Die Forschenden zeigen, dass der Testosteronspiegel bei Männern nicht nur im Laufe des Lebens abnimmt, sondern auch im Laufe des Tages sinkt. Dieser Tageszeit-Rhythmus ist mit steigendem Alter jedoch weniger ausgeprägt.

Männer mit einem BMI über 30 haben im Vergleich zu Männern mit Normalgewicht im gleichen Alter einen niedrigeren Testosteronspiegel. Raucher haben dagegen einen höheren Testosteronspiegel.

Am Beispiel von Großbritannien zeigen die Forschenden, dass in Industrieländern der durchschnittliche Testosteronspiegel bei Männern ab 30 sinkt. Zudem haben verheiratete Männer einen niedrigeren Testosteronspiegel als Alleinstehende im gleichen Alter. Der Unterschied wird mit zunehmendem Alter allerdings kleiner.

Testosteron steigert die Risikobereitschaft nicht

Mit ihrer Datenanalyse bestätigen die Forschenden auch, dass gesunde Männer in der zweiten Lebenshälfte einen etwas höheren Testosteronspiegel haben als Männer mit Vorerkrankung wie Diabetes mellitus oder Herz-Kreislauf-Problemen.

Nicht bekräftigen können die Forschenden dagegen die Hypothese, dass ein erhöhter Testosteronspiegel bei Männern auch zu höherer Risikobereitschaft führt.

„In der Sozialwissenschaft zählt Testosteron zu den Hormonen, über das am meisten geforscht wird. Wie sich die Wechselwirkungen von Testosteron im Laufe des Lebens ändern, darüber gab es bislang allerdings wenige Erkenntnisse, das haben wir nun ein Stück weit geändert“, sagt Julian Schmied.

Originalpublikation

Kanabar, R., Mazur, A., Plum, A., Schmied, J.: Correlates of Testosterone Change as Men Age. The Aging Male (2022). DOI:10.1080/13685538.2021.2023493

Autor*innen und Institutionen

Ricky Kanabar, University of Bath

Allan Mazur, Syracuse University

Alexander Plum, Auckland University of Technology

Julian Schmied, Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

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MPIDR-Autor der Studie

Gastwissenschaftler

Julian Schmied

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