14. September 2022 | Pressemitteilung

Wie wirkt sich späteres Kinderkriegen auf die Geschlechterungleichheit im Bildungswesen und am Arbeitsmarkt aus?

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Ein Team unter der Leitung von MPIDR-Wissenschaftlerin Jessica Nisén fand heraus, dass spätere Elternschaft den Bildungsvorsprung von Frauen gegenüber Männern vergrößert und den Einkommensvorsprung von Männern abschwächt. Die Forschenden stützen ihre Analyse auf eine neue Methode und qualitativ-hochwertige finnische Registerdaten.

„Wir wollten herausfinden, ob junge Frauen und Männer höhere Bildung erreichen und besser bezahlte Jobs bekommen, wenn sie drei Jahre später ihr erstes Kind bekommen“, sagt Jessica Nisén, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock und an der Universität Turku, Finnland.

Nisén und ihre MPIDR-Kollegen Maarten Bijlsma, Pekka Martikainen, Mikko Myrskylä sowie Ben Wilson von der Universität Stockholm veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Advances in Life Course Research.

Die Forschenden zeigen, dass eine spätere Elternschaft den Bildungsvorsprung von Frauen im Vergleich zu Männern vergrößert. Gleichzeitig schwächt eine spätere Elternschaft den Einkommensvorteil von Männern im jungen Erwachsenenalter ab. „Die Ergebnisse belegen auf Bevölkerungsebene, dass eine spätere Elternschaft wahrscheinlich dazu beigetragen hat, die Bildungsposition von Frauen zu stärken“, sagt Jessica Nisén.

Finnische Registerdaten

Die Forschenden verwendeten Daten aus finnischen Registern, die vom finnischen Statistikamt mit den Sozialversicherungsnummern verknüpft wurden. Sie analysierten eine Bevölkerungsstichprobe von Frauen und Männern, die in den Jahren 1974 und 1975 in Finnland geboren wurden. Methodisch verwendeten sie einen neuen Ansatz der Längsschnittanalyse, parametric g-formula: Mit ihr lassen sich Effekte berechnen, gemittelt über die ganze Bevölkerung von allen Männern und Frauen sowie durchschnittliche Behandlungseffekte von Müttern und Vätern.

Auf diese Weise fanden die Forschenden heraus, dass eine verzögerte Elternschaft das Einkommen von Vätern zum Zeitpunkt des Eintritts in die Elternschaft noch stärker verbessert als das von Müttern. „Unter unseren aktuellen Ergebnissen finde ich besonders interessant, wie sich die Verzögerung der Elternschaft auf das Einkommen von Männern auswirkt, wenn sie Väter werden. Das ist bisher übersehen worden“, sagt Nisén. Die Ergebnisse helfen dabei zu erklären, warum die Geschlechtergleichstellung bei der Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit in den Familien nur langsam vorankommt.

Originalpublikation

Nisén, J., Bijlsma, M. J., Martikainen, P., Wilson, B., Myrskylä, M.: The gendered impacts of delayed parenthood: A dynamic analysis of young adulthood. Advances in Life Course Research (2022). DOI: 10.1016/j.alcr.2022.100496

Autor*innen und Institutionen

Jessica Nisén, Universität Turku; Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

Maarten J. Bijlsma, Universität Groningen; Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

Pekka Martikainen, Universität Helsinki; Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock

Ben Wilson, Universität Stockholm; London School of Economics and Political Science

Mikko Myrskylä, Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock; Universität Helsinki

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MPIDR-Autor*innen der Studie

Gastwissenschaftlerin

Jessica Nisén

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Gastwissenschaftler

Maarten Jacob Bijlsma

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Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Pekka Martikainen

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Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.