Arbeitsbereich

Bevölkerung und Gesundheit

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Forschungsfeld

Soziale und ökonomische Determinanten in der Gesundheit und der Lebenserwartung

Dem Thema Ungleichheit kommt im 21. Jahrhundert eine zentrale Bedeutung zu. Die Vermögensungleichheiten sind seit den 1920er Jahren noch nie so groß gewesen wie heute und die Unzufriedenheit der benachteiligten Menschen mit den stagnierenden sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen wird maßgeblich als eine Mitursache für die politischen Turbulenzen in demokratischen Gesellschaften rund um den Globus und für den Aufstieg verschiedener „starker Führungspersönlichkeiten“ seit der Großen Rezession gesehen. Auch wenn das akademische Interesse an den sozialen Gradienten der Gesundheit und Sterblichkeit seit den bahnbrechenden Ergebnissen der Whitehall-Studien ausgeprägt ist, haben diese Studien in unserem Zeitalter drastischer und wachsender sozialer und ökonomischer Disparitäten eine neue Dringlichkeit erhalten. In diesem Forschungsfeld analysieren wir die sozialen und ökonomischen Einflussfaktoren verschiedener Dimensionen der Gesundheit und Sterblichkeit und wie sich Unterschiede in der Lebenserwartung sozial und räumlich konzentrieren.

Wir untersuchen die Auswirkungen auf verschiedene Bereiche der Gesundheit, wie kognitive Funktionen, verschiedene Dimensionen der mentalen Gesundheit, Hospitalisierung und verschiedene Maßzahlen der Morbidität, Mittelwertunterschiede in Mortalitätsraten und Schätzungen der Lebenserwartung. Unsere Forschung erkennt an, dass Analysen zu den sozialen und ökonomischen Disparitäten in der Sterblichkeit und zu den verschiedenen Dimensionen der Gesundheit von einer Lebensverlaufsperspektive geleitet werden sollten, bei der die Gesundheit in allen Stationen des Lebensverlaufes von früheren Erfahrungen aber auch von aktuellen Lebensumständen beeinflusst wird. Dieser Ansatz erkennt an, dass eine schlechte Gesundheit und ein früher Tod einer langen Ansammlung von Erlebnissen vorausgeht, die sich negativ auf die Gesundheit auswirkt und dass kritische Belastungen im frühen Leben noch viele Jahrzehnte später schädliche Auswirkungen haben können. Entsprechend sind Ungleichheiten bei der Sterblichkeit im gesamten Lebensverlauf unter anderem auf Unterschiede im sozialen Status zurückzuführen. Unser Ansatz in der Analyse von sozialen Unterschieden in der Sterblichkeit und von verschiedenen Dimensionen der Gesundheit erkennt auch ausdrücklich an, dass verschiedene Prozesse der Verursachung und Selektion in diese Unterschiede hineinspielen und dass diese Prozesse miteinander verflochten sind.

Ein bedeutendes Merkmal der Bevölkerungsstruktur in vielen der von uns untersuchten Ländern ist die rasch fortschreitende Alterung. Ein wesentlicher Teil unserer Forschungsarbeiten basiert daher auf Daten zu der 50 Plus Generation in Bevölkerungen; diese Daten kommen bspw. aus der Health and Retirement Survey (in den Vereinigten Staaten erhoben) und ähnliche Erhebungen in Europa, China und Mexiko. Durch die Ähnlichkeit dieser Erhebungen können wir die sozialen und ökonomischen  Determinanten verschiedener Dimensionen der psychischen, physischen und kognitiven Gesundheit im höheren Lebensalter vergleichend und in verschiedenen Ländern untersuchen. Ein weiteres wesentliches Merkmal der heutigen Verteilung der Bevölkerungsgesundheit ist die geografische Clusterbildung in der Gesundheit und Sterblichkeit. Anhaltende Urbanisierungsprozesse und strukturelle Veränderungen in Wirtschaft und Arbeitsmarkt haben zu wachsenden Unterschieden in den sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen zwischen städtischen und ländlichen Gebieten und zu einer geografischen Ballung von Gesundheit und Sterblichkeit geführt. Wir untersuchen diese Clusterbildung anhand von aggregierten Daten zu Sterblichkeitsraten und zur Lebenserwartung. Diese Daten kommen von nationalen Statistikämtern.

Als übergreifendes Ziel unserer Forschungsarbeiten möchten wir die Anteile und Entwicklungstrends gesundheitlicher Unterschiede dokumentieren und ein tiefgreifenderes Verständnis über die grundlegenden Ursachen und Prozesse gewinnen, auf denen die sozialen Disparitäten in Gesundheit und Mortalität beruhen.

Schlagworte:

Alterung, Sterblichkeit und Langlebigkeit, Gesundheitsversorgung, Public Health, Medizin und Epidemiologie

Projekte dieses Forschungsfelds

Soziale und ökonomische Determinanten von Krankenhausaufenthalten, Morbidität und Mortalität im Lebensverlauf Details
Soziale und ökonomische Determinanten der psychischen und kognitiven Gesundheit Details
Räumliche Ungleichheiten in Gesundheit und Sterblichkeit Details
Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.