12. Januar 2022 | News | Neue Veröffentlichung

Geringes Geburtsgewicht bei Kindern aus künstlicher Befruchtung nicht Folge der Behandlung

© Foto: Jenzig71 / photocase.com

Kinder, die durch medizinisch unterstützte Befruchtung gezeugt wurden, sind häufiger Frühgeburten und haben ein größeres Risiko, bei der Geburt klein zu sein als natürlich gezeugte Babys. Laut der neuen Studie des UCL Centre for Longitudinal Studies, der Universität Utah und des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) sind die Unterschiede bei Geburtsgewicht und Zahl der Frühgeburten allerdings nicht auf die Behandlungen selbst zurückzuführen, sondern auf familiäre und gesundheitliche Umstände der Eltern.

Die Studie, an der fast 250 000 Familien beteiligt waren, kommt zum Schluss, dass die Unterschiede in Bezug auf Geburtsgewicht und Schwangerschaftsdauer zwischen medizinisch unterstützter Befruchtung – mit Methoden wie In-vitro-Fertilisation, Samenübertragung und fruchtbarkeitsfördernder Medikamente - und natürlich gezeugten Kindern nicht auf die Fruchtbarkeitsbehandlungen zurückzuführen sind.

Die Erst-Autorin der Studie, Alina Pelikh (UCL Centre for Longitudinal Studies), erklärt: „Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass nicht die Behandlung selbst, sondern die zugrundeliegenden Fruchtbarkeitsprobleme und der Gesundheitszustand der Eltern sowie die Geburtsmerkmale des Kinder, wie etwa ihre Geburtsreihenfolge und ob sie Zwillinge sind, für das Geburtsgewicht und die Schwangerschaftsdauer von Bedeutung sind.“

Mikko Myrskylä, Direktor am Max-Planck-Institut für demografische Forschung und Mit-Autor der Studie, sagt: „Die Ergebnisse sind wichtig, um die Risiken richtig zu bewerten, die mit medizinisch unterstützter Befruchtung verbundenen sind. Sie deuten darauf hin, dass die Behandlungen möglicherweise sogar sicherer sind als bislang angenommen.“

Die Forschenden analysierten Daten von 248.000 Babys, die zwischen 2009 und 2017 in Utah (USA), geboren wurden und deren Geburtsdaten Teil der Utah Population Database sind. Sie untersuchten umfangreiche Daten über den Gesundheitszustand der Mütter, einschließlich des Body-Mass-Index (BMI) und des Blutdrucks vor der Schwangerschaft, sowie das Alter und den Bildungsstand der Eltern, bevor sie Informationen über die Geburtsreihenfolge des Kindes und über Mehrlingsgeburten betrachteten.

Etwa 5 Prozent der Kinder wurden durch medizinisch unterstützte Befruchtung gezeugt, dabei nutzten 60 Prozent fruchtbarkeitsfördernde Medikamente, 26 Prozent künstliche Befruchtung einschließlich In-vitro-Fertilisation und 14 Prozent Samenübertragung.

Dieser Text ist eine gekürzte Übersetzung einer Pressemitteilung des UCL Centre for Longitudinal Studies. Den ganzen Text auf Englisch lesen 

Originalpublikation

Pelikh, A., Smith, K.R., Myrskylä, M., Goisis, A.: Medically Assisted Reproduction Treatment Types and Birth Outcomes: A Between- and Within-Family Analysis. Obstetrics & Gynecology (2022) DOI:10.1097/AOG.0000000000004655 

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MPIDR-Autor der Studie

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.