21. September 2022 | Pressemitteilung

Schweden: Große Unterschiede bei lebenslanger Rente wegen ungleicher Lebenserwartung

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Je besser ausgebildet und reicher man ist, desto länger lebt man. Je länger man lebt, desto mehr Rente erhält man im Laufe seines Lebens. Jiaxin Shi, Doktorand am MPIDR, hat zum ersten Mal die Unterschiede bei den lebenslangen Renten in Bezug auf Bildung und Einkommen in Schweden berechnet. Er fand heraus, dass die Diskrepanz zwischen den lebenslangen Renten von 1925 geborenen Männern mit neun oder weniger Jahren Schulbildung und Männern mit Hochschulbildung etwa 3 Millionen Schwedische Kronen (etwa 375 000 US Dollar) beträgt. Fast ein Viertel dieses Unterschieds war darauf zurückzuführen, dass die besser Ausgebildeten länger lebten, wobei die Einkommensunterschiede den größten Teil des gesamten Renteneinkommens ausmachten.

Um zu verstehen, wie Rentensysteme Geld tatsächlich verteilen, ist es wichtig, die lebenslangen Renten zu berechnen. Jiaxin Shi, Doktorand am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock und der Universität Oxford, und sein Kollege Martin Kolk von der Universität Stockholm untersuchten die Rolle der Lebenserwartung, des letzten Einkommens vor Renteneintritt und des Rentensystems um sozioökonomische Unterschiede bei den lebenslangen Rente zu bestimmen.

Entscheidungsträger*innen, die Rentensysteme entwerfen, streben häufig eine progressive Gestaltung des Rentensystems an. Das bedeutet, dass Personen mit einem niedrigeren Einkommen einen höheren Prozentsatz ihres früheren Einkommens in der Rente erhalten als Personen mit einem höheren Einkommen. Aber die Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen gut ausgebildeten Menschen mit höherem Einkommen und Menschen mit geringerer Bildung und niedrigerem Einkommen führen dazu, dass das Rentensystem dieses Ziel verfehlt. Personen mit geringerer Bildung und geringerem Einkommen leben tendenziell kürzer und haben daher weniger Lebensjahre, in denen sie Rente beziehen.

Für Schweden stellten Jiaxin Shi und Martin Kolk erhebliche Unterschiede bei der lebenslangen Rente zwischen den Bildungs- und Einkommensgruppen fest. Ähnlich wie bei Männern verschiedener Bildungsniveaus fanden sie auch zwischen Frauen verschiedener Bildungsniveaus Unterschiede bei der lebenslangen Rente. Frauen mit mindestens einem Hochschulabschluss erhalten im Durchschnitt etwa 2,5 Millionen Schwedische Kronen mehr als Frauen mit neun Jahren Schulbildung oder weniger.

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Zudem fanden die Forscher große Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Männer hatten eine höhere durchschnittliche lebenslange Rente als Frauen, aber eine kürzere Lebenserwartung. Mit anderen Worten: Frauen haben einen Vorteil, weil sie länger leben als Männer aber einen Nachteil, da sie weniger Rente im Monat bekommen. Dieser Umstand gleicht den Vorsprung in der Lebenserwartung mehr als aus und führt zu einem Gesamtvorteil der Männer bei den lebenslangen Renten.

Bis zu einem Viertel der Ungleichheit bei den lebenslangen Renten ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass gut gebildete und einkommensstarke Bevölkerungsgruppen länger leben - dies gilt insbesondere für Männer. Die Ungleichheiten bei der Lebenserwartung spielen eine wichtige Rolle, aber weniger als die Ungleichheiten beim monatlichen Einkommen vor der Rente.

„Das schwedische Rentensystem ist weniger progressiv als wir dachten“

Die Forscher verwendeten schwedische Steuerdaten aus fünf Jahrzehnten, die mit dem Geburtenregister von 1925 und den Sterberegistern von 1970 bis 2018 verknüpft sind und die gesamte schwedische Bevölkerung abdecken. Ihre Studie wurde kürzlich in der Zeitschrift Demography veröffentlicht.

„Wir haben festgestellt, dass das schwedische Rentensystem wegen der regressiven Rolle der Lebenserwartung weniger progressiv ist, als wir dachten. Diejenigen mit einem niedrigeren Einkommen müssen in Zukunft einen noch höheren Prozentsatz ihres früheren Einkommens als Rente erhalten, um die Auswirkungen der Lebenserwartungsunterschiede zwischen den sozioökonomischen Gruppen auszugleichen,“ sagt Jiaxin Shi.

Die Ergebnisse für Schweden sind wohl nicht auf andere Länder übertragbar, da sich nicht nur die Rentensysteme, sondern auch die Ungleichheit in der Lebenserwartung und die Einkommensungleichheit von Land zu Land unterscheiden.

Originalpublikation

Shi, J., Kolk, M.: How Does mortality contribute to lifetime pension inequality? Evidence from five decades of Swedish taxation data. Demography (2022). DOI: 10.1215/00703370-10218779

Autor*innen und Institutionen

Jiaxin Shi, Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Rostock; Leverhulme Centre for Demographic Science der Universität Oxford; Universität Stockholm

Martin Kolk, Universität Stockholm; Institut für Zukunftsstudien, Stockholm; Åbo Akademi Universität, Vaasa

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MPIDR-Autor der Studie

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.