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Neue Publikation | 18.09.2019

Mit Facebook-Daten Migration nachvollziehen

© BackyardProduction/ iStockphoto.com

Nach Naturkatastrophen ist es fast unmöglich zeitnah Zahlen über Migrationsbewegungen zu liefern, wenn man nur traditionelle Daten verwendet. Hier bietet sich Facebook als ergänzende Informationsquelle an. Emilio Zagheni und Kolleg*innen vollzogen die Wanderungsbewegungen nach dem Hurrikan Maria von Puerto Rico in die USA nach und entdeckten auch Rückkehrer.

Was taten die Menschen nach dem verheerenden Hurrikan Maria auf Puerto Rico im September 2017? Wie viele sind geblieben? Wer ist gegangen? Diese und viele weitere Fragen müssen schnell und präzise beantwortet werden, damit die Behörden die Betroffenen unterstützen können: egal ob sie geblieben sind, nach Hause zurückkehren oder ein neues Leben woanders beginnen wollen. Traditionelle Datenquellen liefern keine Informationen über Umzüge wie etwa zwischen US-Bundesstaaten und US-Gebieten wie Puerto Rico auf monatlicher Basis. Aber diese Daten - sehr regelmäßig gemessene Migrationswerte - sind genau das, was politische Entscheidungsträger benötigen, um im Katastrophenfall zu planen.

Emilio Zagheni, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung und Leiter der Arbeitsgruppe Digitale und computergestützte Demografie, konnte mit einer anderen Datenquelle arbeiten: Facebook. Im Vergleich zu Quellen wie Fluggastdaten, Handydaten oder Adressänderungen und Schulanmeldungen bieten anonyme Facebook-Daten, die routinemäßig für Werbetreibende veröffentlicht werden, präzise demografische Informationen über Geschlecht und Alter - ein entscheidender Vorteil in diesem Fall. Denn erst so ist es möglich, nicht nur zu verfolgen, wie viele Personen migrierten, sondern auch, welche Eigenschaften sie haben. "Meine Kolleg*innen Monica Alexander, Kivan Polimis und ich haben seit 2017 Daten der Facebook-Werbeplattform gesammelt. Wir haben also Informationen über Migrationsbewegungen vor und nach der Naturkatastrophe", erklärt Zagheni.

Dies ist wichtig, da die Facebook-Daten nicht repräsentativ wären, wenn sie nur für einen bestimmten Zeitpunkt ausgewertet würden. Es ist notwendig, Trends über längere Zeit zu beobachten und diese mit den Migrationsdaten von Facebook für andere Länder zu vergleichen. Dann ist ein plötzlicher Anstieg der Migration von der Insel in die USA nach dem Hurrikan Maria in Puerto Rico deutlich erkennbar. Zagheni und seine Kollegen veröffentlichten ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Population and Development Review.


180.000 Menschen verließen Puerto Rico, hauptsächlich junge Männer.

Die Forscher fanden heraus, dass unmittelbar nach dem Hurrikan etwa 180.000 Menschen von der Insel in die USA ausgewandert sind, hauptsächlich junge Männer zwischen 15 und 30 Jahren. Darüber hinaus zeigte sich, dass diese jungen Erwachsenen mit Vorliebe in US-Staaten mit bestehenden puertoricanischen Communities gezogen sind: In Florida, New York und Pennsylvania nahm die Bevölkerung am stärksten zu.

Umgekehrt blieben ältere Menschen zurück. "Im Allgemeinen kann man daraus schließen, dass Menschen ein gewisses Maß an Mitteln benötigen, um schnell umziehen zu können. Ihre Bewegungsmöglichkeiten hängen von ihrer Gesundheit und ihrer finanziellen Lage ab. Menschen ohne Mittel bleiben vor Ort unabhängig davon, was passiert", sagt Emilio Zagheni. Er berücksichtigte auch, dass weniger ältere Menschen Facebook nutzen, daher im Datensatz unterrepräsentiert sind mit geeigneten statistischen Modellrechnungen.


Arbeiten auf solider Basis mit Facebook-Daten

Da die Forscher*innen einen längeren Zeitraum ausgewertet haben, fanden sie auch heraus, dass Anfang 2018 rund 20.000 Menschen nach Puerto Rico zurückgekehrten. Nachdem die schlimmsten Folgen des Hurrikans behoben waren, begann ein Trend zur Rückkehr nach Hause.

Diese Art der Daten gut aufzubereiten und auszuwerten, erfordert Kenntnisse in Statistik und im Programmieren. "Dieses Projekt erforderte ein Team mit Expertise in Demografie, Datenwissenschaft und modernen statistischen Ansätzen. Gemeinsam haben wir neue Methoden entwickelt und unsere Ergebnisse unabhängig voneinander mit zusätzlichen Datenquellen validiert", erklärt Zagheni. Deshalb ist Zagheni überzeugt, dass er auf solidem Basis arbeitet, wenn er mit Facebook-Werbedate und statistischen Modellrechnungen die Wanderungsbewegungen in Folge des Hurrikan Maria von Puerto Rico in die USA abschätzt.

Originalpublikation

Alexander, M., Polimis, K. Zagheni, E.: The impact of Hurricane Maria on Out-migration from Puerto Rico: Evidence from Facebook Data. Population and Development Review (2019) DOI: https://doi.org/10.1111/padr.12289

Kontakt

Telefon +49 (0)381 2081-104
Direktor; Leiter des Arbeitsbereichs Digitale und computergestützte Demografie

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