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Arbeitsbereich

Fertilität und Wohlbefinden

Ausführliche Beschreibung

© kallejipp / photocase.com

In zwei zentralen Punkten hat sich das Geburtenverhalten im 20. und im beginnenden 21. Jahrhundert in Ländern mit hohem Einkommen grundlegend verändert: Frauen und Paare bekommen deutlich weniger und deutlich später Kinder. Der Arbeitsbereich Fertilität und Wohlbefinden untersucht die ursächlichen Faktoren und Konsequenzen der niedrigen und späten Fertilität in modernen Gesellschaften.

In der entwickelten Welt werden die Menschen weltweit immer später Eltern. Das höhere Alter gibt auch Anlass dazu, sich darüber Gedanken zu machen, welche gesundheitlichen Folgen dieses Aufschieben für den Nachwuchs hat –  für das einzelne Kind und auf Ebene der Bevölkerung. Wir untersuchen, welchen Zusammenhang es zwischen dem Alter der Eltern und  der Gesundheit und dem Wohlbefinden des einzelnen Kindes gibt, ob es Mechanismen gibt, die diesen Zusammenhang erklären können und ob diese Zusammenhänge kausaler Natur sind. Wir wollen  herausfinden, inwieweit jeweils die biologische Alterung der Eltern, ihre Ressourcenausstattung und die sich ändernden Lebensbedingungen einen Einfluss auf den Zusammenhang zwischen dem Alter der Eltern und der Gesundheit und dem Wohlbefinden des Kindes hat bzw. haben. Ferner untersuchen wir, welche gesundheitliche und andere Folgen eine veränderte Altersverteilung der Eltern für den Nachwuchs auf Ebene der Gesamtbevölkerung hat.

Neben den individuellen Folgen für den Nachwuchs führt der Aufschub der Familiengründung auch zu einer Absenkung der Perioden-Geburtenraten. Es ist allgemein bekannt, dass Kennziffern der Periodenfertilität nicht unbedingt das tatsächliche Geburtenverhalten der weiblichen Kohorte wiedergeben. Um zu verstehen, wieviele Kinder diese wirklich bekommen, müssen wir das Geburtenverhalten aus der Kohortenperspektive betrachen. Aber oftmals sind die für uns interessanten Kohorten noch zu jung, weil ihre Familienbildung noch nicht als abgeschlossen angesehen werden kann. Wie viele Kinder werden Frauen im Laufe ihres Lebens bekommen, die zum Beispiel erst im Jahre 1980 geboren sind? Wir entwickeln neue Methoden, mit denen die endgültigen Geburtenraten von jüngeren Kohorten aus unvollständigen Daten prognostiziert werden können. Dabei verwenden wir verschiedene Ansätze, die sich jeweils in ihrer Komplexität und ihren Datenanforderungen unterscheiden: Methoden, mit denen es möglich ist, auf Basis der bisherigen Entwicklungen Extrapolationen vorzunehmen, stochastische Diffusionsmodelle und Bayes'sche Modelle. Unsere Modellierungen berücksichtigen sozio-ökonomische Faktoren, von denen wir wissen, dass diese das Geburtenverhalten beeinflussen. So könnte zum Beispiel der sozio-ökonomische Entwicklungsstand und das Maß an Gleichberechtigung der Geschlechter einen Einfluss darauf haben, ob sich der Abwärtstrend der Geburtenraten umkehrt oder nicht.

Um  das Geburtenverhalten besser zu verstehen, betrachten wir es im Zusammenhang mit dem subjektivem Wohlbefinden. Die Vorstellung, dass Kinder positiv zum Wohlbefinden der Eltern beitragen – und insbesondere das der Mutter  – ist in den Kulturen tief verankert, weltweit verbreitet und hat die gesellschaftliche Norm verstärkt,  dass es wünschenswert ist, Kinder zu haben. Mittlerweile hat das Tabu gegen Kinderlosigkeit in weiten Teilen Europas und Nordamerikas stark an Bedeutung verloren und trotzdem bleibt die Anzahl derer, die kinderlos sind, gering. Nicht zuletzt wird diese kulturelle Vorstellung von akademischen Studien untermauert, die darauf hinweisen, dass Kinder (und übrigens auch die Ehe) die Lebenszufriedenheit dieser Eltern erhöhen. Ein großer Fundus an Literatur aus Amerika belegt jedoch einen negativen bzw.  nicht-signifikanten Zusammenhang zwischen elterlichem Lebensglück und Kinderzahl. Bisher ist noch wenig darüber bekannt, inwieweit der Zusammenhang zwischen Geburtenverhalten und elterlichem Wohlbefinden von bestimmten Merkmalen dieser Eltern abhängt, so zum Beispiel dem Alter oder dem sozio-ökonomischen Status. Es ist ebenfalls unklar, ob dieser Zusammenhang abhängig vom jeweiligen Kontext ist, und wie unbeobachtete Selektionsprozesse diesen Zusammenhang beeinflussen. Mittels eines länderübergreifenden Ansatzes untersuchen wir den Zusammenhang zwischen subjektivem Wohlbefinden von Eltern und Geburtenverhalten und prüfen verschiedene Mechanismen, die diesen Zusammenhang erklären könnten.
 

 

Ausgewählte Veröffentlichungen

LAPPEGÅRD, T.; KLÜSENER, S.; VIGNOLI, D.:
Why are marriage and family formation increasingly disconnected across Europe? A multi-level perspective on existing theories
Population, Space and Place Early View (2017).

NISÉN, J.; MARTIKAINEN, P.; MYRSKYLÄ, M.; SILVENTOINEN, K.:
Education, other socioeconomic characteristics across the life course and fertility among Finnish men
European Journal of Population (2017). Forthcoming.

PIFFARE I AROLAS, H.:
A cohort perspective of the effect of unemployment on fertility
Journal of Population Economics 30:4, 1211-1239 (2017).

BARCLAY, K. J.; MYRSKYLÄ, M.:
Advanced maternal age and offspring outcomes: reproductive aging and counterbalancing period trends
Population and Development Review 42:1, 69-94 (2016).

MYRSKYLÄ, M.; MARGOLIS, R.:
Happiness: before and after the kids
Demography 51:5, 1843-1866 (2014).

Mehr Informationen

1. Juni 2017 | PRESSEMITTEILUNG
Das Alter der Mutter ist egal
Neue MPIDR-Studie: Das höhere Alter später Mütter steigert nicht per se das Risiko einer Frühgeburt oder niedrigen Geburtsgewichts. Die Ursachen könnten eher in den persönlichen Lebensumständen und Verhaltensweisen der Mütter liegen. mehr

 

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