Arbeitsbereich

Fertilität und Wohlbefinden

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Ausführliche Beschreibung

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Im frühen 21. Jahrhundert herrschen weltweit große Unterschiede im Geburtenverhalten. Wir beobachten jedoch auch eine Reihe von Regelmäßigkeiten in vielen Gesellschaften: der Geburtenaufschub tritt sowohl in Ländern mit hohem Einkommen als auch in vielen Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen auf. In den meisten Ländern mit hohem Einkommen scheint die Ära der niedrigen oder niedrigsten Fertilität zu Ende gegangen zu sein, jedoch gibt es erhebliche Unterschiede in der Art und Weise, wie Bevölkerungen von dieser Ära abgewichen sind. Viele Gesellschaften sind mit einer sozialen Polarisierung konfrontiert, die sich auf die Familienbildung und die Unterschiede im Geburtenverhalten nach sozialem Status auswirkt. Gleichzeitig scheint der seit langem bestehende negative Zusammenhang zwischen Fertilität und Entwicklung Veränderungen unterworfen zu sein. Auf hohem Entwicklungsniveau beobachten wir Anzeichen einer Abschwächung oder Umkehrung dieser Beziehung. In einigen Teilen der Welt sind Männer zunehmend an der Kindererziehung beteiligt, obwohl Geschlechterfragen nach wie vor ein Thema sind, bei dem die Wahrnehmungen in den einzelnen globalen Gesellschaften sehr unterschiedlich sind.

Die Forschung im Arbeitsbereich Fertilität und Wohlbefinden konzentriert sich darauf, unser Verständnis der Einflussfaktoren und Folgen heutiger Trends in der Geburtenentwicklung zu verbessern. Wir befassen uns vorwiegend mit spezifischen Themengebieten. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt auf der Erforschung der Vielfalt der sozioökonomischen und entwicklungspolitischen Bedingungen, die es den heutigen Gesellschaften ermöglichen könnten, ein Geburtenniveau zu erreichen, das nahe dem des Ersatzniveaus liegt, also zwei Kinder pro Paar. Dies beinhaltet Untersuchungen, wie sich wirtschaftliche Unsicherheit und subjektives Wohlbefinden auf Fertilitätsentscheidungen auswirken und welchen Einfluss soziale Polarisierung innerhalb von Gesellschaften (die besonders die unteren Gesellschaftsschichten zu treffen scheint) auf Unterschiede im Geburtenverhalten hat. Wohlbefinden ist mehr als nur das Notwendigste zu besitzen, und ob das Wohlbefinden davon abhängt, dass jemand ein Elternteil ist, hängt nicht nur von den Merkmalen auf individueller Ebene ab, sondern auch von der Wahrnehmung von Elternschaft und Kinderlosigkeit im sozialen Umfeld.

Wachsende Unsicherheit und neue Bildungs- und Berufschancen waren die Schlüsselfaktoren für den Anstieg des Alters von Müttern und Vätern bei der Geburt des ersten Kindes. Dieser Prozess des Geburtenaufschubs hat Anlass zur Sorge über die gesundheitlichen Auswirkungen auf individueller und Bevölkerungsebene gegeben, die mit älteren Eltern verbunden sind. Wir wollen die einzelnen Beiträge des biologischen Alterns der Eltern, der Ressourcenakkumulation und der sich ändernden Periodenbedingungen im Zusammenhang zwischen dem Alter der Eltern und den Folgen für das Kind unterscheiden, um unser Verständnis für die Auswirkungen einer veränderten Altersverteilung der Eltern auf die Bevölkerung zu verbessern

Die beobachteten Tendenzen zu einer stärkeren Beteiligung von Männern an der Kindererziehung erfordern eine stärkere Fokussierung auf Entwicklungstrends im reproduktiven Verhalten von Männern und auf Paarkonstellationen. Ein Forschungsschwerpunkt in diesem Bereich ist die Verbesserung der globalen Dateninfrastruktur zum Reproduktionsverhalten des Mannes durch methodische Fortschritte. Damit begegnen wir der Herausforderung, dass die Angaben zu Vätern in der amtlichen Statistik oft weitaus weniger vollständig sind als jene für Mütter.

In allen Forschungsbereichen legen wir großen Wert auf Trends auf der Bevölkerungsebene und Mikro-Makro-Mechanismen, die diese Makroentwicklungen vorantreiben. Das vertiefte Wissen über Fertilitätsverläufe ermöglicht es uns, Prognosen zum Geburtenverhalten zu verbessern. Wir tragen mit der Entwicklung neuer Methoden dazu bei.

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.