17. Juni 2020 | News | Auszeichnung

Diego Alburez-Gutierrez erhält Otto-Hahn-Medaille

Diego Alburez-Gutierrez ist Forscher im Arbeitsbereich Digitale and computergestützte Demografie. © MPIDR

Diego Alburez-Gutierrez, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) ist mit der 7500 Euro dotierten Otto-Hahn-Medaille für seine Forschungsarbeit ausgezeichnet worden. Er entwickelte in seiner Dissertation neue Methoden, um die langfristigen Auswirkungen von Massenmorden auf lokale Bevölkerungen zu untersuchen.

„Mich treibt vor allem die anhaltende demografische Ungleichheit zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden an“, sagt Diego Alburez-Gutierrez. Der Schwerpunkt seiner Doktorarbeit lag auf einem Extremfall: die demografischen Folgen des Völkermords für die indigene Bevölkerung der Maya-Achi.

Tausende Menschen aus den Maya-Gemeinschaften wurden während des Bürgerkriegs in Guatemala in den 1980er-Jahren von staatlich unterstützten Kräften ermordet. In Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen sammelte Diego Alburez-Gutierrez Hunderte von Stammbäumen von Überlebenden, um die physische und sexuelle Gewalt zu dokumentieren, der die Maya Achi ausgesetzt waren. Der guatemaltekische Anthropologe und Demograf verbrachte ein Jahr vor Ort und arbeitete mit Überlebenden des Völkermords zusammen, um die genealogischen Daten zu rekonstruieren und zu analysieren.

„Ich freue mich über die Auszeichnung. Gleichzeitig hoffe ich, dass sie das Bewusstsein für die schrecklichen Ereignisse in Guatemala schärft“, sagt Diego Alburez-Gutierrez, „und dass die Überlebenden eines Tages Gerechtigkeit erfahren“.

Seine Promotionsarbeit mit dem Titel „Beyond excess mortality: the demographic life of a Mayan community after a war of massacres“ hat er an der London School of Economics and Political Science abgeschlossen. Die Arbeit wurde von Arjan Gjonca, Tiziana Leone und Ernestina Coast betreut.

Seit Januar 2019 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Research Area Chair (Ageing and Generational Processes) am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock. Er hat sich auf  intergenerationelle Demografie spezialisiert. In seiner Arbeit verwendet Diego Alburez-Gutierrez mathematische Modelle, Mikrosimulationen und empirische Daten, um Veränderungen in der Erfahrung von Lebensereignissen weltweit zu untersuchen. Dazu zählen unter anderem der Kontakt zu Angehörigen, Trauerfälle in der Familie oder Betreuung und Pflege innerhalb der Familie.

Die Max-Planck-Gesellschaft zeichnet jedes Jahr junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für herausragende wissenschaftliche Leistungen, die sie in der Regel im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit erbracht haben, mit der Otto-Hahn-Medaille aus. Diese ist mit einem Anerkennungsbetrag von 7500 Euro verbunden. Durch die Preisverleihung sollen besonders begabte Nachwuchswissenschaftler zu einer späteren Hochschul- oder Forscherkarriere motiviert werden.

Seit 1978 wurden bereits über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Otto-Hahn-Medaille ausgezeichnet. Die Auszeichnung wird normalerweise während der Hauptversammlung der Max-Planck-Gesellschaft verliehen. Die Veranstaltung 2020 wurde wegen der Corona-Pandemie auf das folgende Jahr verlegt.

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Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.