14. April 2020 | Pressemitteilung

Demografische Forschung zur Corona Pandemie: Das untersuchen die Wissenschaftler*innen am MPIDR

Wegen der Corona-Pandemie gehen Menschen weltweit nur mit Mundschutz auf die Straße. © iStockphoto.com/Powerofflowers

In kurzen Statements erklären Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR), welche Fragen sie aktuell im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie untersuchen. +++Zuletzt ergänzt: 22. Mai+++

Erste Ergebnisse der Facebook-Umfrage ausgewertet: Frauen haben ihr Hygiene-Verhalten stärker verändert als Männer

Daniela Perrotta: „Da noch keine Behandlung  oder Impfung für Covid-19 gefunden ist, können Veränderungen im Verhalten jedes Einzelnen/jeder Einzelnen entscheidend sein, um die Ausbreitung des Virus langfristig zu kontrollieren. Um solche Verhaltensweisen und Einstellungen im Laufe der Zeit zu beobachten, haben wir über mehrere Wochen eine Online-Umfrage, die COVID-19 Health Behavior Survey, in acht Ländern durchgeführt.

Wir schätzen deutliche Geschlechterunterschiede ab: Frauen nehmen Covid-19 als eine wesentlich größere Bedrohung wahr und vertrauen gleichzeitig dem Gesundheitssystem weniger.

Daniela Perrotta

In dieser Studie veröffentlichen wir Ergebnisse für den Umfragezeitraum vom 13. März bis 19. April 2020. Wir schätzen deutliche Geschlechterunterschiede ab: Frauen nehmen Covid-19 als eine wesentlich größere Bedrohung wahr und vertrauen gleichzeitig dem Gesundheitssystem weniger. Dazu passen geschlechtsspezifische Verhaltensweisen, denn Frauen übernehmen mit größerer Wahrscheinlichkeit verschiedene Hygiene- und Vorsorgemaßnahmen. Deshalb gehen wir davon aus, dass das angepasste Verhalten der Frauen wohl einer von mehreren Schutzfaktoren vor einer Covid-19-Infektion  ist.”

Vermindern die Abstandsregeln die Zahl sozialer Kontakte und verlangsamen die Übertragung von Covid-19?

Emanuele Del Fava: „Unsere vorläufige Veröffentlichung versucht, diese Frage für Deutschland, die USA, Großbritannien, Italien, Spanien, Frankreich, Belgien und die Niederlande zu beantworten. Das sind die drei wichtigsten Ergebnisse unserer Arbeit:

  1. In den USA, in Großbritannien und in Deutschland zeigte sich, dass die Zahl der sozialen Kontakte vor allem zu dem Zeitpunkt abnahm, als die Regierungen erklärten, wie das Distanzwahren durchgeführt werden solle. Die Ausgangsbeschränkung hatten in der Folge weniger Auswirkung auf die Zahl sozialer Kontakte der Umfrageteilnehmenden.
  2. Im Vergleich zu den Werten vor der Covid-19-Pandemie ging die Zahl der gesamten sozialen Kontakte zwischen 48 Prozent in Deutschland und 85 Prozent in Italien zurück. Obwohl das geringer ausfiel als in Wuhan (mit Ausnahme Italiens), reichten allein die Kontaktbeschränkungen aus, um die Reproduktionszahl R in fast allen untersuchten Ländern unter 1 zu senken. Ausnahmen waren Deutschland und Frankreich. Hier mussten Kontaktbeschränkungen mit weiteren Maßnahmen kombiniert werden, um Neuinfektionen zu verringern.
  3. Teilnehmer*innen, die älter als 65 Jahre waren, gaben an, ihre sozialen Kontakte mehr eingeschränkt zu haben, als jüngere Menschen. Dies deutet auf einen relativ höheren Schutz der Risikogruppen hin.”

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Projektteam: Daniela Perrotta, André Grow, Jorge Cimentada, Emanuele Del Fava, Sofia Gil ClavelFrancesco Rampazzo, Emilio Zagheni

Vorläufige Publikationen (Preprint ohne Peer Review):

Behaviors and attitudes in response to the COVID-19 pandemic: Insights from a cross-national Facebook survey DOI: doi.org/10.1101/2020.05.09.20096388

The differential impact of physical distancing strategies on social contacts relevant for the spread of COVID-19 DOI: doi.org/10.1101/2020.05.15.20102657

Wie schätzt man die Anzahl aller COVID-19-Infektionen richtig ab?

Christina Bohk-Ewald: „Die wirkliche Zahl und die Verbreitung der COVID-19-Infektionen ist weitgehend unbekannt, obwohl sie für die Bewältigung dieser Pandemie entscheidend ist. Die Zahl der bestätigten Fälle unterschätzt ziemlich sicher die wirkliche Zahl der Infektionen. Deshalb haben wir ein breit anwendbares Skalierungsmodell entwickelt, das COVID-19-Infektionen und ihre Verbreitung mit diesen wenigen Daten abschätzt: die Gesamtzahl der COVID-19-bezogenen Todesfälle, die COVID-19-Sterberate eines Landes und Sterbetafeln.

Wir stellen fest, dass die Zahl der Infektionen die Zahl der bestätigten Covid-19-Fälle um mehr als das Vierfache übersteigt.

Christina Bohk-Ewald

Wir wenden unser Skalierungsmodell auf die zehn Länder an, die bis 13. Mai 2020 die meisten COVID-19-Todesfälle gemeldet haben. Wir stellen fest, dass die Zahl der Infektionen die Zahl der bestätigten Fälle um mehr als das Vierfache übersteigt, wenn man die zentrale Schätzung zugrunde legt. Sie übersteigt die gemeldeten Zahlen sogar um das Elffache, wenn man die obere Grenze des 95%-Vorhersageintervalls zugrunde legt. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind groß, ebenso wie die Unsicherheit unserer geschätzten Infektionszahlen für jede Bevölkerung. Wir zeigen auch, dass unser Skalierungsmodell ein geeignetes Instrument ist, um die Aussagekraft anderer Infektionsschätzungen  zu beurteilen, die z.B. auf lokalen Seroprävalenzstudien oder simulationsbasierten Modellen basieren. Diese Analyse legt nahe, dass COVID-19-Infektionsschätzungen aus lokalen Seroprävalenzstudien wahrscheinlich nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung sind.”

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Projektteam: Christina Bohk-Ewald, Christian Dudel, Mikko Myrskylä

Vorläufige Publikation (Pre-print ohne Peer Review): A demographic scaling model for estimating the total number of COVID-19 infections DOI: doi.org/10.1101/2020.04.23.20077719

Wie erhalten wir korrekte und international vergleichbare Daten über Covid-19-Todesfälle?

Vladimir Shkolnikov: „Ein genauer Vergleich der Auswirkungen von Covid-19 auf die Sterblichkeit in verschiedenen Ländern ist wichtig, um die unterschiedlichen Maßnahmen der Regierungen zu bewerten. Die Daten über bestätigte Fälle und Todesfälle von Covid-19 hängen davon ab, wie viele Menschen auf eine Infektion getestet werden.

Wir sollten jede Woche die Zahl der Todesfälle mit den entsprechenden Werten aus den Vorjahren vergleichen. Erst diese Differenz bietet eine objektive und vergleichbare Möglichkeit, die Auswirkungen der Pandemie auf die Gesamtmortalität zu beurteilen.

Vladimir Shkolnikov

Ebenso problematisch ist die Zahl der Todesfälle, die Covid-19 zugeschrieben werden. Denn sie hängt sehr wahrscheinlich davon ab, ob der Verstorbene positiv auf Covid-19 getestet wurde. Außerdem hat eine gewisse Anzahl von Menschen, die als Covid-19-Todesfälle gezählt wurden, Vorerkrankungen, die ihre Wahrscheinlichkeit zu sterben auch ohne die Infektion mit dem Virus erhöht hatten. Einige Länder neigen dazu, fast alle infizierten Verstorbenen auf Covid-19 zurückzuführen. Andere Länder dagegen tendieren dazu, andere Todesursachen, oft chronische Krankheiten, als Todesursache zu vermerken, selbst wenn der Verstorbene Covid-19 hatte. Deshalb sollten wir jede Woche die Zahl der Todesfälle mit den entsprechenden Werten aus den Vorjahren vergleichen. Erst diese Differenz bietet eine objektive und vergleichbare Möglichkeit, die Auswirkungen der Pandemie auf die Gesamtmortalität zu beurteilen. So umgehen wir das Problem, alle Todesfälle, die auf Covid-19 zurückzuführen sind, zu zählen.”

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Projektteam: Vladimir Shkolnikov, Dmitri Jdanov, Ainhoa Alustiza Galarza, Karolin Kubisch, Domantas Jasilionis

Erste Daten veröffentlicht: Daten über COVID-19-Mortalität und die Gesamtsterblichkeit nach Alter und Geschlecht getrennt sind für 13 Länder in der Human Mortality Database (HMD) publiziert. Es werden fortlaufend neue Länder dazu kommen. www.mortality.org

Vorläufige Publikation (Pre-print ohne Peer-Review): "What can trends in hospital deaths from COVID-19 tell us about the progress and peak of the pandemic? An analysis of death counts from England announced up to 25 April 2020"

Hauptaussage: Die Zahl der täglich erfassten COVID-19-Todesfälle in Krankenhäusern überschätzt die maximale Anzahl der bisher tatsächlich aufgetretenen Todesfälle während der Epidemie in Großbritannien. Sie verschleiert zudem das Muster des Rückgangs der Sterbefälle. Wenn wir die Meldeverzögerungen berücksichtigen, könnte in England am 8. April ein Höhepunkt der Krankenhaus-COVID-19-Todesfälle erreicht worden sein.

Wie viele Schweden sind in den vergangenen Wochen mehr gestorben, als in einem durchschnittlichen Jahr?

Marcus Ebeling © MPIDR

Marcus Ebeling: „Mehrere Wissenschaftler*innen sind sich einig, dass Daten zur Gesamtsterblichkeit auf wöchentlicher Basis eine zuverlässige Grundlage bieten, um die Auswirkungen der Pandemie auf die Sterblichkeit zu bewerten. Schwedische Registerdaten sind in diesem Zusammenhang eine wertvolle Datenquelle. In dieser Studie verwenden wir diese Daten, um die aktuellen Auswirkungen der Pandemie auf die Todesfälle und die Sterberaten für verschiedene Altersgruppen jede Woche zu errechnen. Wir betonen besonders, dass unsere Ergebnisse nur eine Zusammenfassung der aktuellen Situation darstellen und keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung der Pandemie und den letztlichen Gesamteinfluss auf die Sterblichkeit zulassen.“

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Projektteam: Marcus Ebeling, Karin Modig

Vorläufige Publikation (Pre-print ohne Peer Review): Excess Mortality from COVID-19. Weekly Excess Death Rates by Age and Sex for Sweden.
DOI: doi.org/10.1101/2020.05.10.20096909

Warum so viele Daten über Covid-19-Fälle wie möglich gesammelt werden müssen

Tim Riffe © MPIDR

Tim Riffe: „Für so viele Länder und Regionen wie möglich sammeln wir die Zahlen über Covid-19-Infizierte und Todesfälle. Wir harmonisieren die Fallzahlen und bereiten sie in Altersgruppen aufgeteilt und nach Geschlecht getrennt auf. So machen wir die Daten einzelner Länder untereinander erst vergleichbar, und wir können untersuchen, wie sich die Epidemie in verschiedenen Ländern abspielt.“

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Projektteam: Tim Riffe, Enrique Acosta, Filipe Ribeiro, Alyson A. van Raalte, Catalina Torres, José Manuel Aburto, Cosmo Strozza, Silvia Rizzi, Chia Liu, Jorge Cimentada, Jorge López, Marius Pascariu, Viorela Diaconu, Francisco Rowe, Victor García Guerrero Emanuele Del Fava, Marília R. Nepomuceno, Ugofilippo Basellini, Diego Alburez-Gutierrez, Rafael Silva, Alain Gagnon, Irwin Hecker, Didier Breton, Sergi Trias-Llimos, Ryohei Mogi, Fumiya Uchikoshi, Filipe Ribeiro, Emmanuel Olamijuwon, Raquel Guimarães, Armando González, Toni F., Christian Dudel, Mikko Myrskylä

Die Datenbank auf GitHub: https://github.com/timriffe/covid_age

Das soll noch kommen

Wir wollen ein Methodenprotokoll und ein Einführungspaper zur Datenbank auf medarxiv und socarxiv veröffentlichen und bei einer Zeitschrift zur Publikation einreichen.

Warum sterben in manchen Ländern mehr Menschen an Covid-19 als in anderen?

Christian Dudel © MPIDR

Christian Dudel: „Wir haben untersucht, warum sich die momentan beobachtete Sterblichkeit durch Covid-19 von Land zu Land so stark unterscheidet. Wir wollten wissen, ob in bestimmten Ländern eher ältere Menschen erkrankt sind, die ein höheres Risiko haben an der Krankheit zu sterben. Und auch, wie Unterschiede in der Gesundheitsversorgung die Sterblichkeit beeinflussen. Beide Faktoren - Altersstruktur und Gesundheitsversorgung - können dazu beitragen, Länderunterschiede in der Sterblichkeit zu erklären. Unsere vorläufigen Ergebnisse zeigen, dass die Altersstruktur einen erheblichen Einfluss auf die Sterblichkeit haben kann. Allerdings müssen wir hier noch vorsichtig sein, da die Datenlage im Moment noch sehr schlecht ist und viele Faktoren die Ergebnisse verzerren können, wie beispielsweise Unterschiede in der Häufigkeit von Covid-19-Tests zwischen den Ländern. Wenn bessere Daten verfügbar sind, wollen wir die Analysen noch einmal durchführen.“

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Projektteam: Christian Dudel, Tim Riffe, Enrique Acosta, Alyson A. van Raalte, Mikko Myrskylä

Vorläufige Veröffentlichung (Pre-Print ohne Peer Review): Monitoring trends and differences in COVID-19 case fatality rates using decomposition methods: Contributions of age structure and age-specific fatality

Werden nach der Covid-19-Krise mehr oder weniger Kinder geboren?

Natalie Nitsche: „Es ist schwierig dazu Vorhersagen zu machen. Es gibt Untersuchungen, die kleinere Babyboom-Effekte nach kürzeren Krisen, wie mittelschweren Stürmen (Evans, Zu & Hao 2010), Erdbeben (Nandi, Mazumdar & Behrmann 2018) oder auch den Oklahoma City Attacken (Rodgers, John & Coleman 2005), zeigen.

Sicher scheint nur, dass es Veränderungen in der Fertilität geben wird, wohl auch von Land zu Land.

Natalie Nitsche

Andere Untersuchungen wiederum belegen genau das Gegenteil: besonders nach länger anhaltenden Krisensituationen wie Rezessionen werden weniger Kinder geboren (Matysiak, Sobotka & Vignoli 2020).
Es ist natürlich bisher nicht klar und auch noch in der Entstehung, ob nach Covid-19 mehr oder weniger Kinder geboren werden. Sicher scheint nur, dass es Veränderungen in der Fertilität geben wird, wohl auch von Land zu Land und regional unterschiedliche.“

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Projektteam: Natalie Nitsche, Christina Bohk-Ewald, Mikko Myrskylä

Bibliografie:

Evans, R. W., Hu, Y., & Zhao, Z. (2010). The fertility effect of catastrophe: US hurricane births. Journal of Population Economics, 23(1), 1-36.

Matysiak, A., Vignoli, D., & Sobotka, T. (2018). The Great Recession and fertility in Europe: A sub-national analysis European Journal of Population, online first https://doi.org/10.1007/s10680-020-09556-y

Nandi, A., Mazumdar, S., & Behrman, J. R. (2018). The effect of natural disaster on fertility, birth spacing, and child sex ratio: evidence from a major earthquake in India. Journal of Population Economics, 31(1), 267-293.

Rodgers, J. L., John, C. A. S., & Coleman, R. (2005). Did fertility go up after the Oklahoma City bombing? An analysis of births in metropolitan counties in Oklahoma, 1990–1999. Demography, 42(4), 675-692.

Das soll noch kommen

Fragen zur Fertilität in verschiedenen Ländern in laufende Umfragen miteinbringen, Prognosen zur Fertilität

Wie gehen Menschen mit ihrem so plötzlich stark veränderten Alltag um?

Daniela Perrotta und André Grow: „Unser Wissen über die Reaktionen Einzelner auf eine Epidemie ist nach wie vor recht begrenzt. Deshalb wollen wir Antworten auf Fragen wie etwa: Wie hoch schätzen Menschen die Bedrohungslage ein? Wie wirkt sich das auf ihr Verhalten aus, ergreifen sie Vorsorgemaßnahmen? Oder: Wie zuversichtlich sind sie, dass ihre Regierung effektiv handelt?

Wir untersuchen auch, wie sich die Einschränkungen der Reise- und Versammlungsfreiheit auf die Epidemie selbst auswirken.

Daniela Perrotta und André Grow

Mit unseren Umfrageergebnissen wollen wir verstehen, inwieweit Menschen verschiedener soziodemografischer Gruppen unterschiedlich auf die Coronavirus-Epidemie reagieren. Und auch, ob sie unterschiedlich davon betroffen sind. Wir untersuchen auch, wie sich die Einschränkungen der Reise- und Versammlungsfreiheit auf die Epidemie selbst auswirken. Wir nutzen die Facebook-Werbeplattform, um Facebook-Nutzer*innen in mehreren Ländern für unsere Umfrage zu gewinnen. Im Moment läuft sie in Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Italien, Frankreich, Spanien, Großbritannien und den Vereinigten Staaten.“

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Projektleiter*innen: Daniela Perrotta und André Grow

Projektteam: Jorge Cimentada, Emanuele Del Fava, Sofia Gil Clavel, Francesco Rampazzo, Emilio Zagheni

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Auswertung der Umfragen

Das ganze Interview

Wie kann man Politiker*innen in stark betroffenen italienischen Regionen unterstützen, datenbasierte Entscheidungen zu treffen?

Ugofilippo Basellini © MPIDR

Ugofilippo Basellini: „Wir wollen Politikerinnen und Politiker in Italien ein Hilfsmittel geben, das ihnen erlaubt, auf einfache Weise besonders betroffene Regionen und Risikogebiete zu lokalisieren. Dafür haben wir die Infektions- und Todesfälle durch Covid-19 in den italienischen Regionen und Provinzen mit einem passenden mathematischen Modell, wie der Poisson Regression modelliert. Damit können wir zeigen, wie sich die Verbreitung von Covid-19 über einen Zeitraum hinweg verändert.“

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Projektteam: Ugofilippo Basellini, Marco Bonetti, Bocconi Universität Mailand

Vorläufige Veröffentlichung (Pre-print ohne Peer Review): Epilocal: a real-time tool for local epidemic monitoring

Die App (Beta-Version) 

Warum in den Ländern des Globalen Südens Covid-19 auch für die junge Bevölkerung gefährlich werden kann

Marília Nepomuceno © MPIDR

Marília Nepomuceno: „In den Ländern des Globalen Südens kann Covid-19 auch für die junge Bevölkerung zur Bedrohung werden. Denn hier leiden auch große Teile der jungen Bevölkerung an Infektionskrankheiten und chronischen Erkrankungen. Das kann ihr Risiko erhöhen, einem schweren Verlauf von Covid-19 zu erliegen. Deshalb kann es sein, dass wir im Moment den Bedarf an Krankenhausbetten für den jungen Teil der Bevölkerung und sogar die möglichen Todesfälle innerhalb der jungen Bevölkerung in den Ländern des Globalen Südens unterschätzen.“

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Projektteam: Marília R. Nepomuceno

Das soll noch kommen

Die Veröffentlichung einer Studie ist geplant.

Warum in Lateinamerika mehr Menschen auf Covid-19 getestet werden müssen - MPIDR-Forscher*innen starten Petition

Enrique Acosta: „Im Moment werden in den lateinamerikanischen Ländern durchschnittlich nur 600 von einer Million Menschen auf Covid-19 getestet. Länder, die die Ansteckungs- und Sterberate durch Covid-19 erfolgreich gesenkt haben, wie Südkorea und Singapur, haben durchschnittlich 7000 von einer Million Menschen getestet. Das sind mehr als zehnmal so viele wie in Lateinamerika. Verglichen mit anderen Regionen, die durch die Pandemie bereits extrem gesundheitlich und wirtschaftlich belastet werden, stehen lateinamerikanische Länder und die Karibik vor zusätzlichen Herausforderungen. Sie können die negativen Folgen der Pandemie für die Bevölkerung noch verschärfen. Unter anderem leiden in Lateinamerika viele Menschen unter Vorerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck. Das kann ihr Sterberisiko bis um das 10-fache erhöhen.“

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Projektteam: Enrique Acosta, Diego Alburez-Gutierrez, Marília R. Nepomuceno, José Manuel Aburto, Raquel Guimarães.

Zur Online-Petition: https://osf.io/wg3b2/

Das ganze Interview

Das Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock ist eines der international führenden Zentren für Bevölkerungswissenschaft. Es gehört zur Max-Planck-Gesellschaft, einer der weltweit renommiertesten Forschungsgemeinschaften.